Ken Adam: Schöpfer spektakulärer filmischer Sets

23.03.2015 Walter Gasperi

Der 1921 in Berlin geborene Ken Adam gilt als einer der bedeutendsten Production-Designer des 20. Jahrhunderts. Den meisten «Bond»-Filmen von «Dr. No» bis «Moonraker» drückte er mit seinen Sets ebenso den Stempel auf wie Stanley Kubricks «Dr. Strangelove» mit dem Entwurf des «War Room». Die Deutsche Kinemathek in Berlin ehrt den 93-Jährigen bis 17. Mai mit einer Ausstellung im Filmhaus am Potsdamer Platz.


Nach seinem spektakulären Set für «Dr. No» (Terence Young, 1962), den ersten James-Bond-Film, holte Stanley Kubrick Ken Adams als Production Designer für «Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb» (1964). Die ersten Entwürfe von Adam entsprachen aber keineswegs den Vorstellungen des Regisseurs und der Production-Designer musste nochmals völlig neu anfangen.

Detailliert wird die Genese des legendären «War Room» aus «Dr. Strangelove» in der Ausstellung von Adam selbst nacherzählt, begleitet von Entwürfen zum Set. Auch die Anmerkung, dass Kubrick von ihm wünschte, den Tisch mit Filz zu überziehen, damit die Szene, wie eine Pokerpartie wirke, fehlt nicht.

Eine der berühmtesten Kulissen der Filmgeschichte hat Ken Adam damit geschaffen, selbst für einen Schauspieler wie Ronald Reagan so real, dass er bei seinem Amtsantritt als US-Präsident 1981 gebeten haben soll, dass man ihm den «War Room» zeige. Das Personal freilich konnte darauf nur antworten, dass es diesen Raum nicht gebe.

1921 in Berlin als Klaus Hugo Adam als Sohn eines deutsch-jüdischen Kaufhausbesitzers geboren, besuchte Klaus das Französische Gymnasium, ehe er 1934 mit seinen Eltern und Geschwistern nach Großbritannien auswanderte. Im Zweiten Weltkrieg flog er als Jagdflieger Einsätze gegen die Nazis, aber nicht gegen Deutschland, wo zu dieser Zeit zahlreiche seiner Verwandten in den KZ ums Leben kamen.

Weil er sich mit seiner Hawker Typhoon besonders tollkühn auf die deutschen Fahrzeugkolonnen gestürzt habe, habe er bei diesen Einsätzen den Spitznamen «Tank-Buster» («Panzerknacker») erhalten. Das Explosive dieser Realität verarbeitete er später in den Superwaffen der Bondfilme.

Erste Filmerfahrungen sammelte er dann als Assistant Art Director 1947/48 bei «Dick Barton Strikes Back» (Godfrey Grayson). 1951 lernte er auf Ischia Letizia Moauro kennen, die er 1952 heiratete und die zu seiner wichtigsten Beraterin wurde. Bei Seefahrer- und Piratenfilmen wie «Captain Horatio Hornblower» (Raoul Walsh, 1950), «The Crimson Pirate» (Robert Siodmak, 1952) und Monumentalfilmen wie «Helen of Troy» (Robert Wise, 1956) lernte er als Assistant Art Director sein Handwerk, ehe er 1956 bei «Soho Incident» (Vernon Sewell) erstmals als alleiniger Art Director genannt wurde.

1957 wurde er zusammen mit William Cameron Menzies für die Kulissen von «Around the World in Eighty Days» (Michael Anderson, 1956) für einen Oscar nominiert, seine berühmtesten Sets schuf er aber neben dem für Kubricks «Dr. Strangelove» für sieben James-Bond-Filme von «Dr. No» (1962) bis «Moonraker» (1979).

Nicht chronologisch arbeitet die Ausstellung, die den Titel «Bigger than Life» trägt, das Werk von Adams auf, sondern stellt thematisch mit Zeichnungen und Filmausschnitten neben Machtzentralen und Versammlungsräumen Verliese und Labore, Villen und Appartements und schließlich die speziellen Fahrzeuge, die Adam für die Bond-Filme schuf, vor.

In der Gegenüberstellung paralleler Sets verschiedenerer Filme werden Gemeinsamkeiten – das Typische von Adams filmischen Welten – erkennbar, andererseits vermitteln Skizzen und Ausschnitte auch eindrücklich, welch große Rolle bei den Sets von Adam das Spiel mit dem Raum und mit Licht-Schatten-Effekten haben und wie bei diesem vom Bauhausstil beeinflussten Künstler gerade Linien dominieren.

Seine zwei Oscars bekam er aber nicht für seine futuristischen Arbeiten für die Bond-Filme oder für «Dr. Strangelove», sondern gerade für historische Filme, einerseits für Kubricks «Barry Lyndon» (1975), der großteils an Originalschausplätzen gedreht wurde, und andererseits für Nicolas Hytners «The Madness of King George» (1994).

Wie Adams Werk von Bauten von Erich Mendelsohn und Entwürfen von Mies van der Rohe beeinflusst ist, so zeigen seine Arbeiten wiederum Wirkungen bei Architekten und Künstlern der Gegenwart. So sind in den Bauten von Santiago Calatrava und Daniel Liebeskind Bezüge zu Adams Architekturentwürfen zu erkennen und Norman Foster gibt zu, dass er sich bei seinem Entwurf der Londoner U-Bahn Station Canary Wharf von Adams Supertanker in «The Spy Who Loved Me» (Lewis Gilbert, 1977) anregen habe lassen.

Damit sein Werk auch über das Ende der Ausstellung hinaus der Öffentlichkeit zugängig ist, wird am 17. Mai das Ken Adam-Archiv online gehen, das es ermöglicht im Internet die Welt dieses einflussreichen Production-Designers mit über 4200 Entwürfen zu Filmen aus allen seinen Schaffensperioden zu erkunden.

Interview mit Ken Adam (8 min.)

Literatur: Boris Hars-Tschachotin, Kristina Jaspers, Peter Mänz, Rainer Rother (Hg.), Bigger Than Life – Ken Adam’s Film Design, Kerber Verlag, Berlin 2014, 208 S., 39,95 €

weiterführende Links:

Ken-Adam-Archiv

Ken Adam - Deutsche Kinemathek, Berlin

  • Ken Adam, Berlin 2014 Medieninstallation „Lines in Flow” von Boris Hars-Tschachotin, Foto: Andreas-Michael Velten
  • Entwurf „War Room“ (invertiert) für DR. STRANGELOVE OR: HOW I LEARNED TO STOP WORRYING AND LOVE THE BOMB GB/USA 1964, Regie: Stanley Kubrick © Sir Ken Adam Quelle: Deutsche Kinemathek – Ken Adam Archiv
  • Ken Adam am Set des „War Room“ DR. STRANGELOVE OR: HOW I LEARNED TO STOP WORRYING AND LOVE THE BOMB GB/USA 1964, Regie: Stanley Kubrick With thanks to the SK Film Archives LLC, Warner Bros. and University of the Arts London
  • Entwurf „Launch Complex" für MOONRAKER GB/F 1979, Regie: Lewis Gilbert © Sir Ken Adam Quelle: Deutsche Kinemathek – Ken Adam Archiv
  • Szenenfoto MOONRAKER GB/F 1979, Regie: Lewis Gilbert © 1979 Danjaq, LLC and United Artists Corporation. All rights reserved.
  • Ken Adam, Berlin 2012 während der offiziellen Übergabe seiner Sammlung an die Deutsche Kinemathek am 3. September 2012 im Museum für Film und Fernsehen, Berlin. Foto: Marian Stefanowski. Quelle: Deutsche Kinemathek

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