Virenschleuder

08.11.2014 Bernhard Sandbichler

«Stellen Sie sich vor Computerprogramme interpretieren neuronale Aktivität und übersetzen sie in digitale Befehle. Elektroden registrieren Gedanken, die dann - via Computer - beispielsweise mechanische Prothesen oder digitale Kommunikationssysteme steuern. Auf diese Weise kann man Funktionen bei Patienten wiederherstellen, die an reduzierter Motorik infolge von Schlaganfällen, Wirbelsäulenverletzungen, MS oder ALS leiden.»


  • Achse 1: Diagnose
    Die Möglichkeiten sind unendlich! Brain Computer Interface: ein Zukunftsmarkt für Investoren! Eric Söderqvist, IT-Professor an der Königlich Technischen Hochschule Stockholm, hat sie ermöglicht. Seine Frau und ein Investor haben es ausprobiert. Der eine stirbt, die andere liegt im Koma und die Ärzte wissen nur, dass sie nichts wissen. Söderqvist ist überzeugt davon, dass ein Computervirus mit noch nie dagewesenem Destruktionspotenzial im Spiel ist. Ein kraftvolles Hybrid aus Wurm und Virus, der sich selber klont.
     
  • Achse 2: Entwicklung
    Er heißt Mona. Ein früherer MIT-Professor, der Libanese Samir Mustaf, hat ihn entwickelt - aus Schmerz über den Tod seiner Tochter Mona, die von einer israelischen Splitterbombe getötet wurde. Mit ihm soll ein Cyberangriff auf Israels Finanzsystem unternommen und der Westen destabilisiert werden.
     
  • Achse 3: Psyche
    Leidet Söderquvist an Wahnvorstellungen? Weder Mossad noch FBI trauen dem schwedischen Lebensretter.
     
  • Achse 4: Alltag
    Das Netz ist in jedem Fall eine Virenschleuder. Auf Schritt und Tritt fängt man sich was ein.
     
  • Achse 5: Körper
    Zuerst wird man beflügelt, dann reißt es einen in alle Tiefen. Absturz.
     
  • Achse 6: Prognose
    Klar, dass auch unsere beiden infizierten Neuro-Surfer destabil sind: Neuro-Daten werden vernichtet, Nano-Informationen manipuliert. Am Ende wird das Dunkle aber überwunden. Wie in Tschaikowskys siebter Symphonie «Konzert für Nadim». Voilà l'antivirus.
     
  • Achse 7: Intelligenz
    Sehlberg, Jahrgang 1969, MBA der Stockholm School of Economics, hat ein packendes Thriller-Debut vorgelegt. «Nichts ist so ansteckend wie ein Computervirus.» lautet der letzte Satz. Eigentlich hätte er sich den virenschleuderpreis.de verdient. Aber den haben andere erhalten. Schade!
     

Dan T. Sehlberg: Mona. Thriller. Aus dem Schwedischen von Dagmar Lendt. Köln: KIepenheuer und Witsch, 2014; 464 Seiten, EUR 17,50

  • Dan T. Sehlberg; (c) Eva Lindblad

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