Mau Tai statt Mao Tai?

06.10.2014 Kurt Bracharz

Jahrzehnte lang haben wir in chinesischen Restaurants (und nicht ganz so lange auch daheim nach chinesischem Essen) als Digestif immer nur einen doppelten Mao Tai akzeptiert. Der Mao Tai ist ein aus Sorghum (roter Hirse) und Weizen gebrannter Schnaps, der legal ausschließlich in der Gemeinde Maotai in der Stadt Renhuai in der Provinz Guizhou von dem Unternehmen Kweichow Moutai Co, Ltd. erzeugt wird.


Für die Mao Tai-Fans im deutschsprachigen Raum sind jetzt trübe Zeiten angebrochen. Kweichow Moutai hat nämlich vor einiger Zeit (bis ins allwissende Internet ist der genaue Zeitpunkt noch nicht vorgedrungen, die letzten Einträge über Mao Tai sind von 2011) den Preis gewaltig hinaufgeschnalzt (wahrscheinlich hat das Management begriffen, was man im Kapitalismus machen kann, wenn man ein Monopol hat). Früher kostete die 500-ml-Flasche ca. 45 Euro. Jetzt wird von einem Preis von bis zu 200 Euro pro Flasche gemunkelt, was sich aber nicht verifizieren lässt, weil mittlerweile infolge der Preiserhöhung kein Laden und schon gar kein Restaurant mehr den guten alten Mao Tai anbietet.

Stattdessen kann man einen Ersatz aus Taiwan trinken, dessen Name um einen Buchstaben geändert ist, diese laut Schachtelaufkleber «Getreidespirituose aus Weizen und Hirse» heißt Mau Tai (also Mau statt Mao, die Aussprache dürfte aber dieselbe sein), die 0,5-l-Flasche ist anders geformt, der Alkoholgehalt um ein Prozent erhöht, und der Preis liegt unter 30 Euro. Wir haben den Mau Tai natürlich verkostet, das Fazit ist eindeutig: Der Geruch kommt noch einigermaßen hin, aber beim Geschmack kann man sich nur entfernt an den Mao Tai erinnert fühlen, und verwechseln könnte man Mau Tai und Mao Tai auch im Blindversuch ganz gewiss nicht.

In der Werbung für Mao Tai wurde früher immer darauf hingewiesen, dass es in der Umgebung der 10.000-Einwohner-Gemeinde Mao Tai eben ganz besonders gute Hirse und – noch wichtiger! – ein exzellentes Quellwasser gibt. Wir haben das für die üblichen Übertreibungen der Werbung gehalten, aber vielleicht ist doch etwas daran. Entweder haben die taiwanesischen Produzenten die falsche Hirse-Sorte oder sonst ein Problem, oder sie wollten ein gefälligeres Getränk machen (denn der Mau Tai ist ganz gewiss «harmoser» als der Mao Tai), aber diese Rechnung wird wohl nicht aufgehen.


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