Wofür man Fehler und Krankheiten loben muss

09.08.2014 Bernhard Sandbichler

Unser Umgang mit Fehlern und Krankheiten läuft in die falsche Richtung. Zwei Bücher der Post-Bittere-Pillen-Generation machen darauf aufmerksam - mit «legasthenen» Covers! Und sie empfehlen was? Gelassenheit und Evolutionsmedizin.



•    Achse 1: Diagnose
Ohne Fehler und Irrtümer gibt's keinen Fortschritt und keine Evolution, ohne Schmerz und Störung keinen Schutz und keine Prävention.

•    Achse 2: Prognose
Perfektionismus ist eine Sackgasse, Diagnositis und Polypharmazie sind kontraindiziert.

•    Achse 3: Entwicklung
Die Natur liebt Fehler, der kultivierte Mensch fühlt sich durch sie entblößt und schämt sich. Krankheit und Störung liegen in der Natur der Sache «Mensch»; wer sie bloß schnell diagnostiziert/operiert/therapiert, nimmt dem Menschen mehr als die Krankheit und Störung.

•    Achse 4: Intelligenz
GEO-Redakteur Jürgen Schaefer schreibt kein Plädoyer für Schlamperei, Ignoranz oder Betrug, sondern für Fehlergelassenheit. Spiegelredakteur Jörg Blech schreibt gegen die Seelenindustrie an.

•    Achse 5+6: Körper + Psyche
Sie sind - wie immer - nicht zu trennen: Das eine bedingt das andere und umgekehrt - im Guten wie im Schlechten. Kernsatz: Regelmäßige körperliche Aktivität und Meditation verändern unser Gehirn und helfen wie ein Schutzschild gegen seelische Probleme.

•    Achse 7: Alltag
«Ein Normaler ist heute bloß ein Mensch, den der Therapeut noch nicht gründlich untersucht hat», meint Blech und «Fehlerlosigkeit ist eine Eigenschaft, die uns Menschen nicht gegeben ist» meint sein Kollege Schaefer. Man lasse sich also ja nicht auf Norm und Fehler fixieren!


Jürgen Schaefer: Lob des Irrtums. Warum es ohne Fehler keinen Fortschritt gibt. München: Bertelsmann 2014, 256 Seiten, EUR 20,60

Jörg Blech: Die Psychofalle. Wie die Seelenindustrie uns zu Patienten macht. Frankfurt: S. Fischer Verlag 2014, 288 Seiten, EUR 20,60

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