The Graphic Canon

... ist Weltliteratur als Graphic Novel: 190 Werke in drei Wälzern insgesamt, eine Kinderbuch-Version ist auf dem Weg. Russ Kick, der die Anthologien zusammenstellte, ist ein freigeistiger US-Bürgerrechtler mit Publikationshang - und man könnte nicht sagen, dass er nicht findig wäre und fündig würde.


1. Die Story: Russ Kick hat durchaus recht: Weltliteratur unter die Leute zu bringen, ist jeden Versuch wert. Zu allen Werken hat er etwas zu sagen, Literarhistorisches, aber auch Persönliches, zumal in seinen kurzen Einleitungen auch immer die Rede von der anschließenden graphischen Gestaltung und ihren Schöpfern ist. Der erste auf Deutsch vorliegende Band ist ein Schmöker, in dem man beinah endlos lesen und schauen kann. Kein Wunder, dass der Galiani-Verlag für das Projekt Feuer gefangen hat! Dankenswerter Weise hat man auf den letzten Seiten ebenfalls kurzgefasste Informationen zu den Werken und Übersetzungen in Bezug auf den deutschsprachigen Raum hinzugefügt.

2. Die Helden: Außerdem finden sich Kurzbiografien zu den 60 IllustratorInnen. Will Eisner oder Robert Crumb heißen die zum Beispiel. Daneben gibt es auch Newcomer. Galiani hat sozusagen eigenhändig das /Nibelungenlied /hinzugefügt, das Kat Menschik mit drei Begriffen, drei Namen und drei Zitaten wunderbar auf drei Seiten zusammenfasst.

3. Der Sound: Was soll man sagen, wenn der diesem einzigen deutschen Beitrag vorausgehende Titel /Die Frau mit den zwei Futen/ heißt? (Eine /Geschichte aus 1001 Nacht/ übrigens.) Ein anderer Titel lautet: /Brief an die Königliche Akademie in Brüssel oder: Furze mit Inbrunst/. (Von Benjamin Franklin übrigens.) Also: Prüderie und Zensur haben hier nichts verloren, LeserInnen aber einiges zu gewinnen.

4. Coole Wörter: Bei jedem Kanon an sich stellt sich die spannende Frage nach der Auswahl der Werke. Die gleiche Spannung stellt sich bei der Übersetzung ein - und es gibt Übersetzungen dieser Anthologie in mehrere Sprachen. «Weltliteratur» ist in diesem Sinn das coolste Wort!

5. Coole Bilder: Der Herausgeber hat die GestalterInnen sozusagen lediglich angekickt, die Werke ausgewählt haben sie selber. Geschmäcker sind verschieden und nicht jedem wird alles gefallen. Muss man das betonen? Und die Ausstattung selbst? Ist umwerfend schön!

6. Zum Nachdenken: Russ Kick will auch den Griff zu Originaltexten anregen, Galiani «Zum Weiterlesen»

7. Der Herausgeber: Russ Kick, geboren 1969, ist kein ergrauter Literatur-Professor mit subkultureller Verve. Es geht um Leidenschaft für literarische Werke und Graphic Novels - beide werden hier nobilitiert.

8. Das Buch: Russ Kick (Hg.): The Graphic Canon. Weltliteratur als Graphic Novel. Volume 1: Von Gilgamesch über Shakespeare bis Gefährliche Liebschaften. Berlin: Galiani 2013, 504 Seiten, 51,40 Euro.


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