Art Bodensee qualitativ und quantitativ in Aufbruchstimmung

27.06.2014

11.07.2014 bis 13.07.2014  

Bei der Art Bodensee stehen die Zeichen auf Wachstum, auch wenn man den Charakter einer Salonmesse beibehalten will. Im Interview mit Kultur-Online gibt die Art-Bodensee-Leiterin Isabella Marte Einblicke auf die kommende 14. Ausgabe der Kunstmesse, die vom 11. bis 13. Juli in den Dornbirner Messehallen über die Bühne geht. Das Interview führte Karlheinz Pichler (Kapi).


Kapi: Bislang war die Art Bodensee grössenmässig stets auf 50 Aussteller limitiert. Man wollte die Messe bewusst klein, überschaubar und auf gewisse Weise «intim» halten. In diesem Jahr sind nun plötzlich 70 Galerien und Institutionen als Ausstellende gelistet. Hat hier ein Umdenken stattgefunden? Was waren die Gründe für diese Ausstockung?

Marte: Die Messe hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt, qualitativ und auch quantitativ. Wir haben in diesem Jahr 62 Aussteller, darunter 52 Galerien aus sieben Ländern, die Kunst verkaufen, und 10 Institutionen aus Vorarlberg und dem Bodenseeraum, die sich bei uns präsentieren, jedoch nicht verkaufen. Wir haben somit für unsere 2 Hallen und 2 Foyers derzeit die ideale Größe und ein sehr gutes Angebot – von Klassischer Moderne bis Zeitgenössisch - erreicht.

Kapi: Wird es bei dieser neuen Grössenordnung künftig bleiben oder denken Sie an eine weitere Expansion in den kommenden Jahren? Der Begriff einer «Salon-Messe» ist ja doch dehnbar.

Marte: Die Messe Dornbirn ist insgesamt stark im Aufbruch, das heißt, es werden neue Messen und Themen vorbereitet und lanciert, die Architekten Marte.Marte haben vor Kurzem den Wettbewerb für die Neuerrichtung von zwei großen Messehallen gewonnen – geplante Fertigstellung ist im Frühjahr 2016. Somit ist langfristig für die Art Bodensee auch die infrastrukturelle Möglichkeit gegeben, größer zu werden. Der Fokus liegt allerdings immer auf Qualität und weniger auf Quantität.

Kapi: In einem Statement betonten Sie kürzlich, dass der Kunstmarkt insbesondere in Bezug auf die Gegenwartskunst ständig in Bewegung sei und sich im selben Masse auch die Art Bodensee immer weiter entwickle. Was ist in der diesjährigen Ausgabe der Art Bodensee anders als in den vorangegangen?

Marte: Es zeigt sich, dass abseits der großen Kunstmarktplätze, die sehr hermetisch sind, und kaum zugänglich für junge Galerien, gerade kleinere Nischen-Marktplätze für zeitgenössische Kunst sehr gefragt sind. Bei Sammlern, die nicht nur auf die großen Namen aus sind, sondern auf der Suche nach neuen Entdeckungen, oder nach künstlerischen Positionen, die nicht oder noch nicht im absolut hochpreisigen Bereich liegen. Die diesjährige Art Bodensee ist dichter und vielfältiger als die letztjährige, weil es sich unter Sammlern und unter Galeristen herumspricht, dass hier ein interessanter Marktplatz aufgebaut und gepflegt wird, der in einem idealen Einzugsgebiet liegt – mit genügend Kaufkraft und in direkter Umgebung von einigen sehr interessanten Kunstsammlungen, vor allem in Baden-Württemberg, wo über 30 Prozent unserer BesucherInnen auch herkommen.

Kapi: Als Sonderschau wird in der kommenden Art Bodensee ein Einblick in die Sammlung des Museums Biedermann gegeben. Was ist das Besondere an dieser Sammlung, was wird gezeigt und wer hat die Auswahl vorgenommen?

Marte: Die Sonderschau von Margit Biedermann ist ein Glücksfall für uns und eine Auszeichnung. Frau Biedermann war bei der letzten Art Bodensee im Rahmen der «Collectors' View» beim Podiumsgespräch zu Gast, und von unserer Messe so begeistert, dass sie ihr Museum bei uns mit einer kleinen Schau präsentieren wollte. Die Sammlung Biedermann ist eine sehr persönliche Kunstsammlung, die sich durch mehrere Jahrzehnte des Sammelns inhaltlich auch stark gewandelt hat. Die Sammlerin liebt den Kontakt zu den KünstlerInnen, sie stellt ihre Leidenschaft für die Kunst in den Mittelpunkt, und spekuliert nicht mit Kunst als Investition. Sie ist eine erfolgreiche Unternehmerin, die die Stadt Donaueschingen um ein Privatmuseum bereichert, das regional sehr gut vernetzt ist, und internationale Standards setzt. Sie ist auch exemplarisch für viele gute UnternehmerInnen in Baden-Württemberg, die Kunst im größeren Stil sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich machen – auch als unternehmerische Strategie und Standortpflege. Diesbezüglich sehe ich in Vorarlberg noch großen Nachholbedarf...

Kapi: Gibt es ausser der Sonderschau noch weitere Rahmenprogrammpunkte, die für die Besucher der Kunstmesse von besonderem Interesse sein könnten?

Marte: Es gibt eine schöne Kooperation mit dem Festival Freakwave Intermezzo. Die Vorarlberger Künstlerin Janine Schneider, die in Wien lebt, hat mit Studierenden und Absolventinnen der Performance-Klasse an der Akademie der bildenden Künste Wien ein umfangreiches Performance-Programm zusammengestellt. Es werden zahlreiche Aktionen und Performances im Rahmen der Art Bodensee stattfinden, am Spielboden Dornbirn, und Samstag Nachmittag wird auf einer großen Route durch die Stadt Dornbirn an mehreren Stationen künstlerisch interveniert. Nach der Eröffnung am Donnerstag Abend legen die DJs Mann + Klamm auf, es soll also getanzt werden, und am Sonntag Vormittag frühstückt die Art Bodensee im Feldhotel, das Marina Hämmerle nach Lustenau holt, bevor es im September beim Walserherbst zum Einsatz kommt. «Featured Artist» ist in diesem Jahr Cäcilia Falk, die in der Halle 14 einen eigenen Stand bespielt.
Am Stand von Kunst.Vorarlberg wird während der Art Bodensee mit Roland Adlassnigg ebenso performt wie am Skulpturenplatz in der Halle 14 durch Wolfgang Stifter, auch im Hauptfoyer wird sich was tun am Stand vom Palais Liechtenstein mit dem Künstlerduo Bildstein/Glatz.

Kapi: Die Hallen 13 und 14 umschliessen einen Innenhof, der in früheren Messen mitunter für Skulpturenpräsentationen genutzt worden ist. Ist daran gedacht, diesen Bereich in irgendeiner Form wieder mit einzubeziehen?

Marte: Der Innenhof wird diesmal auch bespielt: wer die Ausstellung im Kunstraum Dornbirn versäumt hat, kann einige der Skulpturen von Esther Stocker dort sehen, und die Galerie Arktika zeigt eine Stein-Skulptur der Allgäuer Künstlerin Silvia Jung-Wiesenmayer.

Kapi: Kunstvermittlungsprogramme haben neben den didaktischen und wissensfördernden Aspekten auch das Potenzial, verkaufsfördernd zu wirken. Was hat die Art Bodensee diesbezüglich heuer im Köcher?

Marte: Die Gratisführungen, die wir 3x täglich anbieten, haben sich sehr gut bewährt: da wir als Messe erfahrungsgemäß noch niedrigschwelliger funktionieren als ein Kunstmuseum, gibt es viele BesucherInnen, die sich gerne von KunstexpertInnen in die Welt der Kunst einführen lassen, und so hoffentlich auch auf den Geschmack kommen, das eine oder andere Werk zu erwerben. Das Preis-Spektrum spannt sich bei der Art Bodensee von 200 bis 200.000 Euro.
Ob das Programm Kunst.Kids sich umsatzsteigernd auswirkt, weil die Eltern derweil in Ruhe einkaufen können, weiß ich nicht – wichtiger ist, dass die Kinder happy sind und ihre eigenen Erfahrungen machen können. Sie werden von May-Britt Chromy und Franziska Stiegholzer zum Kreativsein angeleitet und können malen, Linol schneiden, Speckstein schleifen, oder sich bei einer Kinderführung ihre eigenen Eindrücke von der Ausstellung machen.

Kapi: Die kommende Art Bodensee ist die vierte Ausgabe unter Ihrer Leitung. Wie sind Sie persönlich mit der Entwicklung der Messe zufrieden? Läuft alles nach Plan?

Marte: Ich bin sehr zufrieden mit der bisherigen Entwicklung der Art Bodensee. Wir haben vor allem aus Deutschland sehr guten Zuspruch, wie man z.B. an der steigenden Zahl der Galerien aus Städten wie Stuttgart, München oder Berlin sieht, und auch an der steigenden Gästezahl bei unserem VIP-Programm, bei dem auch die deutschen Sammler in der Mehrzahl sind. Wenn die Umsätze parallel zur Qualität der Messe wachsen, kann die Art Bodensee weiter aufblühen – hier hoffe ich auch auf stärkere Aufmerksamkeit von Seiten der Vorarlberger Sammler und der Institutionen aus der Region.

Kapi: Wie hat sich die von Ihnen eingeführte Vorverlegung der Art Bodensee auf die erste Juli-Hälfte bewährt? Wie kommt dieser vorgezogene Termin bei Ausstellern und Besuchern an?

Marte: Die Vorverlegung hat uns bisher gut getan, da die Galeristen noch nicht auf Sommerurlaub sind, und viele der Vorarlberger Sammler erst nach der Eröffnung der Festspiele in die Ferien fahren.

Kapi: Haben Sie sich Besucherzahl-mässig für kommende Art Bodensee eine Messlatte gesetzt? Was für Erwartungen hegen Sie?

Marte: Natürlich möchte jede Messe immer noch mehr BesucherInnen ansprechen. Die reine Anzahl der BesucherInnen auf der Art Bodensee sagt allerdings recht wenig über die Qualität der Messe aus. Es ist durchaus begrüßenswert und wichtig, dass sich viele BesucherInnen hier einfinden, um die Kunst zu betrachten - am wichtigsten sind jene Besucher, die die Messe mit einem Kunstwerk wieder verlassen. Hier sind noch Steigerungen wünschenswert und wichtig. Eine Messlatte in Zahlen lege ich mir nicht.

Kapi: Die 14. Art Bodensee steht vor der Tür. Als Aussenstehender hatte man immer wieder ein wenig den Eindruck, dass die Messe auf der Abschussliste der Geschäftsleitung steht. Ist dies ein Trugschluss? Sind die nächsten Ausgaben gesichert? Wird es auch eine 15., 16., 17. und weitere Ausgaben geben?

Marte: Die Art Bodensee war vor vier Jahren in einer schwachen Phase, wir haben viel Energie reingesteckt und sie steht jetzt besser da als je zuvor. Wir werden alles daran setzen, sie weiterhin noch erfolgreicher und attraktiver zu machen, es geht natürlich weiter - ab 2016 höchstwahrscheinlich schon in der neuen Halle 11.


14. Art Bodensee
11. bis 13. Juli 2014
Preview: Do 10. Juli 14, 17 Uhr
Eröffnung: Do 10. Juli 14, 18 Uhr
Öffnungszeiten: Fr und Sa 13 - 19 Uhr, So von 11 - 18 Uhr
Messe Dornbirn, Messeplatz 1, 6850 Dornbirn

  • Joanna Jesse: Im Meer, 2013. Öl auf Leinwand, 120 x 140cm; Courtesy Galerie Michael Heufelder München
  • Joanna Jesse: Am Steg, 2011. Öl auf Leinwand, 80 x 100 cm; Courtesy Galerie Michael Heufelder München
  • Mara Diener: Leerstellen, 2014. Öl auf Holzplatte, 200 x 150 cm; Courtesy Galerie cubus-m Berli
  • Ben Hübsch; Courtesy Galerie Feurstein Feldkirch
  • Babak Saed: ACH, 2012. Gold verspiegelt auf gelasertem Acrylglas, LED, Trafo, Kabel, 20 x 56 x 2 cm; Courtesy Galerie am Lindenplatz Vaduz
  • Hanna Roeckle: Aquarius, 2014. Autolack auf Epoxidharz-Laminat, 130 x 90 x 90 cm; Courtesy Galerie am Lindenplatz Vaduz
  • Dornbirn-Map – Performance-Parcours; Copyright Bianca Tschaikner
  • Isabella Marte

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