Dunkel

... ist der Inhalt dieser beiden Bücher - und doch erhellend! Das eine ist die Struwwelpeter-Geschichte von den schwarzen Buben, das andere die Geschichte von Leo, der sich vor dem Dunkel fürchtet.


1. Die Story: Der Tag hat seine Schattenseiten, die Nacht ihr Dunkel. Der Mensch wiederum hat seine Pigmentierung, und so gibt's Hell- und Dunkelhäutige. Hier fürchtet sich einer vor dem Dunkel, dort lachen drei über einen Dunklen. Warum eigentlich? Der große Nikolas macht da nicht viel Federlesens drum: Er tunkt die drei «bis übern Kopf ins Tintenfass». Für Leo dagegen geht die Geschichte versöhnlich aus: Nach einer nächtlichen Mutprobe geht er das Dunkel am nächsten Morgen besuchen. Gar nicht so schlimm!

2. Die Helden: Leo, drei, vier Jahre alt, wohnt in einem großen Haus mit einem knarrenden Dach, glatten, kalten Fensterscheiben und allerlei Treppen. Allein, wie es scheint. Und fürchtet sich vor dem Dunkel - als ob das das Problem wäre! Am Ende merkt er, dass er mit dem Dunkel nicht allein ist, sondern zu zweit. Das tut beiden gut! Ludwig, Kaspar und Wilhelm müssen hingegen lernen, dass sie zu dritt nicht allein auf der Welt sind. Am Schluss vergeht ihnen anständig das Lachen. Schließlich kommt den vier Dunklen aber auf der letzten Seite noch ein seltsam gewandeter und beschuhter Gelber entgegen. Was passiert, bleibt offen. Apropos «Dunkel» und weil gerade Walpurgisnacht war: Im Hinstorff Verlag gibt's auch ein Hexenbuch zum Thema!

3. Der Sound: Dr. Hoffmann reimte und das kommt immer noch gut an. Lemony Snicket zieht seinen Erzählfaden dagegen durchs philosophische Nadelöhr und knüpft so nahtlos mit dem in ruhige Spannung versetzten Leser an.

4. Coole Wörter: «Mohr» und auch «Dunkel» - man wird beides nicht abschaffen können. Die «Bleichgesichter» und das «Helle» übrigens auch nicht.

5. Coole Bilder: Jon Klassen ist ein zarter Illustrator, gerade richtig für Leos anfängliche Zaghaftigkeit, die sich den schwarzen Flächen nähert. Karsten Teich hat mit seinen schwarz konturierten und kräftig ausgemalten Figuren viel gewagt - und viel gewonnen.

6. Zum Nachdenken: «Du magst dich vor dem Dunkel fürchten, aber das Dunkel fürchtet sich nicht vor dir.»

7. Die Autoren: Lemony Snicket präsentiert sich auf www.lemonysnicket.com als mehr als schräger Vogel, aber der Mann hat offensichtlich mehrere Gesichter (bzw. auf seinen Videos gar keines). In «Dunkel» ist er jedenfalls einer sehr sanfter, einfühlsamer Autor. Was ihn mit Hoffmann verbindet? Beide Geschichten sind keine Faserschmeichler, sondern geben Anstoß, über die angesprochenen Probleme zu reden. Aufklärung pur also! Was will man mehr von Büchern erwarten? Dunkel wird es erst wieder, wenn man schläft.

8. Die Bücher: Lemony Snicket, Jon Klasseen: Dunkel. Zürich: NordSüd Verlag 2014, 48 Seiten, EUR 15,40; Heinrich Hoffmann, Karsten Teich: Die Geschichte von den schwarzen Buben. Rostock: Hinstorff Verlag 2013, 24 Seiten, EUR 15,50


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