Ankauf – Nein! Danke!

31.03.2014 Kurt Bracharz

Dass ich einmal einer Entscheidung des niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll applaudieren würde, hätte ich auch nicht gedacht. Aber sein kategorisches Nein zum Erpressungsversuch des Baumax-Unternehmers Essl kann man nicht genug loben, vor allem, nachdem es zunächst so aussah, als würde der Kulturminister Josef Ostermeyer nicht gänzlich abgeneigt sein, die Kunstsammlung des Ehepaars Essl für den Staat anzukaufen. Er hatte jedenfalls schon einen der in prekären Angelegenheiten üblichen «Runden Tische» einberufen, dem jetzt mit Prölls Absage ein allzu großer Sektor fehlt, um sich noch daran zu setzen.


2011 hat Baumax 47 Millionen Euro Verlust gemacht, 2012 bereits 126 Millionen, 2013 wird es nicht besser aussehen, von einer Milliarde Euro Bankkrediten ist die Hälfte unbesichert, die Insolvenz wird kaum noch abzuwenden sein. Der Staat – also der Steuerzahler – haftet auf Grund eines 2009 beschlossenen Gesetzes zur Liquiditätssicherung von Unternehmen für 72 Millionen Euro. Baumax hat in Österreich 4000 Beschäftigte und in Osteuropa noch einmal 5000. Letztere lässt man über die Klinge springen, erstere aber möglichst nicht.

So konnte Karlheinz Essl unter anderem mit Arbeitsplatzerhaltung «argumentieren» (die deutsche Tageszeitung «Die Welt» nannte es gleich «Erpressung», österreichische Medien formulierten zunächst vorsichiger), als er vorschlug, der Bund solle seine Kunstsammlung kaufen und das Land Niederöstereich das Haus und die Weiterführung des Museums übernehmen. Das an die Gläubiger weitergereichte Geld aus dem Verkauf der Sammlung würde dann als «Beitrag der Familie Essl» betrachtet, der für einen Schuldennachlass von 200 Millionen Euro durch die Banken Voraussetzung sei.

Laut Essl beträgt der Buchwert der Sammlung 89 Millionen Euro, der Marktwert sei aber erheblich höher. Die Museumsdirektoren – sonst einander nie grün – sind unisono der Meinung, der Staat solle lieber ihre Budgets erhöhen, statt eine Sammlung zu kaufen, die keinesfalls die «wichtigste private Sammlung zeitgenössischer österreichischer Kunst» sei (wie Essl sie sieht). Der Künstler Edgar Honetschläger schrieb in einem Leserbrief an den «Standard»: «Er kaufte, was auch die Kunstexperten in den öffentlichen Institutionen kaufen, was dem Kanon entsprach, meist zweite Wahl.» Und « ... eine Sammlung, die zu 80 Prozent aus mittelmäßiger Kunst besteht, um nicht zu sagen: aus Schrott.» Andere Kritiker sprachen von «verzichtbaren Doubletten» von Werken, die sich bereits im öffentlichen Besitz befinden, was auf dasselbe herauskommt, nur freundlicher formuliert.

Sicher – Erwin Pröll hat das vorgeschlagene Geschäft nicht deshalb mit einem knappen «Ankauf – Nein!» abgelehnt, weil ihm – wie beispielsweise mir – die derzeit aktuelle Ausstellung von Dora Sengl im Essl-Museum als das Allerletzte an unzumutbarem Kitsch und ein Hinweis auf die Taubblindheit des Kurators erscheint, sondern weil er gerade 38 Millionen Euro in neue Landesmuseen investiert hat, und weil er vielleicht mehr G’spür als Ostermayer dafür hat, wie die Wähler angesichts des Hypo Alpe Adria-Debakels auf die Rettung der privaten Kunstsammlung eines Konzernchefs reagieren würden. Aber trotzdem: Chapeau!


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