"Ein Arabischer Sommer" von Anja Siouda

22.11.2013 Rosemarie Schmitt

Der Klappentext: Im Roman «Steine auf dem Weg zum Pass» fand die Übersetzerin Elena Bruderer im Frühling 1994 das arabische Tagebuch der Marokkanerin Halima. Seither hält sie dieses geheim, um Halimas Ehre in den Augen ihrer marokkanischen Familie auch über ihren Tod hinaus zu bewahren und übersetzt seit Jahrzehnten gleich nach der Schneeschmelze auf der abgeschiedenen Alp auf dem Brünig, während sie die langen Wintermonate im Tal in ihrer Heimatstadt Thun verbringt.


Im Sommer 2012 aber taucht plötzlich ein mysteriöser Fremder bei ihr auf und reisst sie aus ihrem Idyll. Mit seinem Geheimnis und seinem erschütternden Schicksal wächst er ihr ans Herz und wird ihr zum vertrauten Freund, der sie dazu bringt, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

In diesem spannenden Roman, der die Leserinnen und Leser mit seiner zeitlichen und räumlichen Doppelperspektive in Atem hält, geht es um Migration und Menschlichkeit, um verlorene Liebe, überwältigende Leidenschaft und Hoffnung auf eine positive Zukunft in Nordafrika - um einen arabischen Sommer.

Meine Gedanken zu dem Buch: Um «Ein Arabischer Sommer» zu verstehen, ist es ist nicht notwendig Sioudas «Steine auf dem Weg zum Pass» gelesen zu haben, aber es macht diesen zweiten Roman noch interessanter und lesenswerter. Nachdem ich ja nun die «Steine auf dem Weg zu Pass» gelesen hatte, war ich begeistert von der Entwicklung. Von der Entwicklung der Figuren und damit auch der von Anja Siouda. Diese Schriftstellerin scheint mit jedem ihrer Werke zu wachsen. Das ist noch lange nicht selbstverständlich, denn viele zweite Romane sind enttäuschend im Vergleich zu den Erstlingswerken.

Wunderbar knüpft Siouda an die Vergangenheit an, hat mit der Doppelperspektive das perfekte Stilmittel hierfür eingesetzt. Mutig und wunderbar, direkt und doch sehr sensibel, spricht sie Tabuthemen an und aus. Und soweit ich erinnere, verwendet die Autorin nicht ein einziges Mal den Begriff Migration! Wundervoll! Hierfür ein extra Dank!

Was mich sehr beeindruckt, ist die Art und Weise, wie Konflikte von den Protagonisten an- und ausgesprochen werden, wie der ein oder andere Streit ausgetragen wird! Mehr als einmal dachte ich: so, das war’s, diese Freundschaft ist nun ein für allemal hinüber! Doch dann erteilte Anja Siouda mir eine Lektion mit dem Titel «Die Kultur des Streitens». Die Autorin weiß wovon sie schreibt, sie selbst ist diplomierte Übersetzerin und seit mehr als 25 Jahren mit ihrem algerischen Ehemann glücklich verheiratet. Sie verfügt über Kompetenz, Herzlichkeit, Toleranz, Beständigkeit, Klugheit, Urteilsfähigkeit und schriftstellerisches Talent. Die Welt wäre um ein Vielfaches besser, gäbe es mehr Menschen dieser Couleur. Und auch wenn «Ein Arabischer Sommer» eine ganz wundervolle Liebesgeschichte ist, ist der Roman zu keinem Zeitpunkt verkitscht oder zu rührselig. Beeindruckend, tiefsinnig, spannend und unterhaltsam. Was will man mehr!


Anja Siouda - Ein Arabischer Sommer
Verlag: Ben Hamida International
280 Seiten
ISBN-10: 3906021165
ISBN-13: 978-3906021164
EUR 16,50

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