"Sonntags Tod" von Carla Berling

01.11.2013 Rosemarie Schmitt

Der Klappentext: Die Welt in der kleinen Stadt scheint in Ordnung zu sein – bis der Hotelier Richard seine Frau Verena und sich selbst tötet. Ira Wittekind kehrt zur Beerdigung ihrer Freunde an den Ort ihrer Kindheit zurück. Die Reporterin wird wenig später Zeugin, als eine halb verweste Leiche in einer verwahrlosten Wohnung gefunden wird. Und dann entdeckt sie den tragischen Zusammenhang zwischen dem Tod von Verena und Richard, dem Toten im Dreck und einem schrecklichen Unglück in der Vergangenheit.


Meine Gedanken zu dem Buch: Es ist nicht das erste Buch von Carla Berling, aber es ist ihr erster Kriminalroman. Es gibt weder Kommissare, Pathologen, noch fiese Mörder. Und doch ist es ein Krimi, und zwar einer, der es in sich hat. Obschon, Familientragödie trifft es vielleicht eher, eine, in der ein Mord nicht das Schrecklichste, wenn auch das Endgültigste ist, was geschieht.

Berling betreibt wundervolle und einprägsame Charakterstudien, und zwar nicht nur von ihren Hauptpersonen, sondern von allen Beteiligten. Realitätsnahe, psychologisch ausdifferenzierte Figurenzeichnungen machen selbst Unglaubliches glaubhaft. Interessant und schockierend zugleich, erlebte ich die ständig präsente Wahrscheinlichkeit solcher Leben und Dramen.

Was mir besonders gefiel, war das Spiel, das die Schriftstellerin mit ihren Lesern spielt, indem sie diese an den Spekulationen der Reporterin Ira Wittekind teilhaben lässt. «Ja, so wird es gewesen sein, oder vielleicht eher so, nein, aber XY hat ganz sicher etwas mit dem Mord zu tun... obwohl...ja, jetzt hab ich’s...» Erfrischend anders geht sie an die Auflösung und lässt den Leser bis zum Ende im Unklaren. Toll ausgearbeitete Spannungsbögen und eine Erzählweise, die typisch Berling ist, ließen mich nur unfreiwillig Lesepausen einlegen. Entsetzen, Betroffenheit, Verurteilung und Verständnis, indes ohne die Taten gut zu heißen, sehr menschlich und doch abartig, oder doch nicht (?), dieses Wechselspiel der Empfindungen während des Lesens, machen «Sonntags Tod» aus.

Carla Berling nimmt ihre Arbeit und somit auch die Leser ernst. Es gibt nicht wenige literarische Zumutungen auf dem Buchmarkt, und allzu oft komme ich mir auf den Arm genommen vor (was es nicht wirklich trifft, aber meine gute Erziehung verhindert eine passendere Formulierung). Ich bin sehr gespannt, was Carla Berling als nächstes im Schilde führt und womit sie ihre Leser überrascht. Und das wird sie, da bin ich mir ganz sicher!

Das Taschenbuch gibt es für EUR 9,90 exklusiv und versandkostenfrei bei Amazon. Das eBook kostet EUR 3,99 und ist auf allen gängigen Plattformen zu haben: Amazon, iTunes, Thalia, Weltbild, Hugendubel, Kobo, Bücher.de

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