Die ArtDesign mit neuem Profil

11.10.2013

11.10.2013 bis 13.10.2013  

Mit der ArtDesign geht vom 11. bis 13. Oktober zum 7. Male in Feldkirch die Messe für den Bereich Creative Industries über die Bühne. Im Gespräch mit Kultur-Online verrät ArtDesign-Leiterin May Kleber die zentralen Inhalte der diesjährigen Ausgabe dieser Plattform, die sich auf Design, Kunst und Mode fokussiert, und was sie von «Gustave» hält, der Konkurrenzmesse, die im November erstmals in Dornbirn stattfinden soll. Das Gespräch mit Maya Kleber führte Karlheinz Pichler.


Kultur-Online (KO): Die Artdesign hat in diesem Jahr gegenüber den vorherigen Ausgaben ein völlig neues Erscheinungsbild. Die «Nichtfarbe» Schwarz zieht sich neu durch sämtliche visuelle Äusserlichkeiten durch. Selbst auf der Website der Artdesign dominiert Schwarz. Was versprechen Sie sich von diesem neuen schwarzen Outfit? Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Maya Kleber (MK): Neben dem Aspekt, dass wir mit der schwarzen Kampagne, welche in Kooperation mit der Agentur Spitzar – Strategische Kommunikation - entstanden ist, Ruhe und Leerraum für eigene Interpretation und neue Wahrnehmung im viel zu beliebigen Werbedschungel schaffen wollen, ist es doch so, dass wir oft, was wir jeden Tag sehen, gar nicht mehr wahrnehmen. Wir mögen es so gern – und trotzdem nehmen wir es kaum mehr wahr. Die Interaktionen der ArtDesign sorgen für Aufmerksamkeit, sodass signifikante Stadtsymbole wieder gesehen werden. Neu und einmal anders. Dabei ist uns wichtig, dass die involvierten Objekte in keiner Form verletzt werden. Wie alle Objekte wird auch der Milchpilz mit Ende der ArtDesign wieder in seinem Originalzustand erleuchten. Rot und umso berühmter.

In den aktuellen Reaktionen zeigt sich, dass unsere klassischen Werbeformate wie Plakate und Transparente weniger wahrgenommen werden, wie in den vergangenen Jahren. Dadurch, dass unser schwarz so angenehm unauffällig ist. Das was ich aber viel wichtiger finde, ist der Dialog und der Diskurs welcher an vielen Stellen entstanden ist – das ist nachhaltige Kommunikation, die sicher langfristiger bindet als ein einzelnes Plakat.

KO: Wird diese schwarze «Corporate Identity» auch in den nächsten Ausgaben der Artdesign beibehalten?

MK: Das ist erklärtes Ziel der Kampagne. Ich denke spätestens seit dem Milchpilz in Bregenz werden wir in unserem Anliegen, einmal anders zu kommunizieren, ernst genommen. Vorbehaltliche Ängste sind abgebaut. Wer es schafft, und das hat die ArtDesign Marco Spitzar persönlich zu verdanken, ein denkmalgeschützes Symbol wie den Milchpilz zu schwärzen, ist aus meiner Sicht in der Kulturlandschaft Vorarlbergs nicht nur angekommen sondern auch neu verankert.

KO: Die Artdesign findet heuer zum zweiten Male im Reichenfeld-Areal statt. Wie haben die Aussteller und Besucher auf den Umzug in diese neue Location reagiert?

MK: Die uns gegebene Möglichkeit, durch den Neubau des Montforthauses Feldkirch in die Räumlichkeiten des Reichenfelds umzuziehen, hat sich mehr als bewährt. Unsere Erwartungen sind schlicht übertroffen worden, das Feedback seitens der AusstellerInnen und BesucherInnen zur Atmosphäre war durchweg positiv. Die ArtDesign ist die erste Veranstaltung, welche das gesamte Areal bespielt und damit die Möglichkeit nutzt, dieses geschichtsträchtige Areal mit der dazugehörigen spannenden architektonischen Bandbreite ganzheitlich zu erfahren.

KO: Laut Artdesign-Flyer ist heuer auch das Label «ak7» im Reichenfeld vertreten. Was dürfen sich die BesucherInnen von diesem Label konkret erwarten?

MK: Die ArtDesign hat nach ihren sechs äußerst erfolgreichen Jahren eine bewusste Profilschärfung vorgenommen. Wir sind die Endverbrauchermesse mit dem einzigartigen Konzept, dass sich an der Schnittstelle von Design, Kunst und Mode sieht. Wir präsentieren die Bereiche Design und Kunst miteinander und nicht wie in der historisch gewachsenen Spartentrennung nebeneinander. Die Showroom-Ausstellung ak7 zeigt eindrücklich, was entstehen kann, wenn man grenzüberschreitend arbeitet: Unglaubliche Objekte mit einem neuen hochspannenden Gestaltungsansatz. ak7 arbeitet mit KünstlerInnen wie Pavel Büchler, Sissi Farassat, Shilpa Gupta, Ulrike Lienbacher, Maeve Rendle, Esther Stocker, Martin Walde, Lois Weinberger, Erwin Wurm u.v.a. zusammen.

KO: In der Freiluftzone soll ein Feldhotel aufgebaut werden. Was bietet dieses konkret an? Was steckt hinter diesem doch etwas kryptischem Begriff?

MK: Das Feldhotel bietet Raum. Raum für Geschichten. Raum für Intervention. Raum für Fragestellungen in Zukunftsangelegenheiten. Raum für die freie Szene. Man kann draußen sein, ist aber trotzdem gut aufgehoben. Es soll einfach sein, und trotzdem Qualität haben. Ein guter dritter Ort also - Ein PopUp-Wohnzimmer mitten in der Stadt. Das Feldhotel soll aufzeigen, wie das Reichenfeld-Areal vom Naherholungsgebiet zum Kulturquartier heranwächst und schlägt mit dem Begriff eine Brücke in Sachen Gebietswidmung.

Das Feldhotel ist die diesjährige Installation der ArtDesign im GreenSpace des Reichenfeldparks. Das Feldhotel wurde konzipiert und derzeit ausgeführt von den Architekten Martin Mackowitz und Nikolaus Skorpik von Kompott aus Innsbruck. Das Feldhotel ist ein unheimlich anziehendes Projekt geworden, die Menschen unterschiedlichster Generation und Herkunft fühlen sich unisono wohl. In welchem Kulturraum gibt es das in solch einer, positiv formulierten, Breite?

KO: Weil Ende Oktober in den Dornbirner Messehallen mit «Gustav» ein Format gestartet wird, das von den Organisatoren als «Salon, der Design und Genuss zusammenführt», definiert wird, ist die Artdesign Feldkirch zeitlich vorverlegt worden. Fühlen Sie sich durch diese Konkurrenzveranstaltung in unmittelbarer geografischer und zeitlicher Nähe nicht brüskiert?

MK: Wir haben auch aus wettertechnischen Gründen einen früheren Termin gewählt. Die Nutzung des Parkareals setzt das quasi voraus. Dass es nun, ausgerechnet am ArtDesign Wochenende, schneien soll, hätten wir uns nicht zu glauben getraut.
Ja, über die zeitlich gewählte Nähe der Gustav bin ich tatsächlich brüskiert. Irritieren lasse ich mich in meiner Arbeit und in meinem Fokus auf die Entwicklung der ArtDesign als eine der ersten und zugleich wichtigsten Veranstaltung im Bereich Creative Industries hier in Vorarlberg nicht.

KO: Die Messe Dornbirn scheint marketingmässig keinen Aufwand zu scheuen, die «Gustav» zu lancieren. In der letzten Wochenendausgabe des Standards wurde etwa mit dem «Salon-Magazin» eine eigene Zeitschrift beigelegt, die nicht billig war. Hat die die Dornbirner Messe der Artdesign Feldkirch sozusagen den «Krieg» erklärt?

MK: Dass die Messe Dornbirn werbemäßig aus den Vollen schöpfen wird, war mir von Anfang an bewusst. Aber das tun wir nach unseren Möglichkeiten ja auch. Alles andere wäre aus Veranstaltersicht schlicht fahrlässig. Es wird sich erst nach den beiden Veranstaltungen zeigen, wer tatsächlich auch mit Inhalten und einem starken Profil, sowohl in Sachen Kommunikation als auch auf der Veranstaltung selbst, überzeugen kann.

KO: Wird heuer, so wie in den Jahren zuvor, auch der Kunst wieder ein adäquater Platz eingeräumt?

MK: Die Kunst nimmt bei uns dieses Jahr mehr Platz ein als in den Vorjahren, und das freut mich persönlich ganz besonders. Kunst.Vorarlberg ist gleich mit einem Dutzend Mitgliedern vertreten, darunter alle neuen. Der BBKL – Berufsverband bildender KünstlerInnen Liechtenstein ist erstmalig präsent sowie ein Mitglied der Vorarlberger Künstlervereinigung. Selbstverständlich wird ebenso Kunst von den seit Jahren etablierten Galerien gezeigt, von freischaffenden Künstlern in Einzelpräsentationen sowie Marco Spitzar mit seinem neuesten Projekt, den «Deckenmänteln».

KO: Was haben Sie für die jungen und jüngsten BesucherInnen parat?

MK: Die KünstlerInnen May-Britt Nyberg Chromy und Franziska Stiegholzer öffnen ihr temporäres ArtDesignKids-Kreativatelier in der Musikschule auf der ArtDesign für Kinder von 5 bis 12 Jahren. Es entstehen Skulpturen und Schmuck aus Speckstein, Gummi und weiteren Materialien. Durch die Kooperation mit der Musikschule Feldkirch dürfen sich auch alle Kinder von 5 bis 12 Jahren wieder auf das gemeinsame Instrumentebauen mit den PädagogInnen der Musikschule freuen. Im Bereich der Vermittlung konnte die ArtDesign heuer das aktuelle Projekt der Freien Universität Bozen, mit Namen «tocchiamo la/gestaltung zum anfassen» gewinnen. Bei speziellen Workshops werden SchülerInnen an das Thema Gestaltung an Hand von Alltagsgegenständen herangeführt. Und nicht zu vergessen der spezielle Students' Special Tarif am Freitag: 2,00 Euro für alle SchülerInnen und Studierenden sowie InhaberInnen einer CampusFeldkirchCard.


ArtDesign Feldkirch
An der Schnittstelle von Design, Kunst und Mode
Die Messe im Reichenfeld-Areal vom
11. bis 13. Oktober 2013

Öffnungszeiten:
Fr 11. Oktober, 12 – 19 Uhr
Sa 12. Oktober, 10 - 21 Uhr
So 13. Oktober, 10 - 19 Uhr

weiterführende Links:

http://www.artdesignfeldkirch.at

  • Bernadette Kindl, Bildrock. Foto: Alexandra Hager
  • Erwin Wurm, Möbel I, 2010. Foto: Carmen Brucic
  • Claudia Biehne, Aktuelle Arbeit aus der Serie 'Between-the-tides'
  • Pia Sommerlad & Nils Schmalenbach: Ohrhänger, Schmucklinie 'dive'
  • Susanne Schmitt, Schmitthut
  • Portraitfoto Maya Kleber; Foto: (c) Jens Ellensohn

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