Amore ja, Tormento nein!

31.07.2013 Rosemarie Schmitt

Ob er gut sang weiß ich nicht, doch soll er es ebenso leidenschaftlich wie gerne getan haben, am liebsten seien ihm neapolitanische Volkslieder gewesen. Und das ist sie auch schon, die musikalische Basis, die Massimo Giordano in die Wiege gelegt wurde. Er ist also nicht einer jener, in deren Biografie zu lesen ist, er stamme aus einem sehr musikalischen Elternhaus.


In der Nähe Neapels, nämlich in Pompeji, wurde er 1971 geboren. Sein Vater arbeitete zu jener Zeit als Steinmetz in einer Marmor-Fabrik. Daß er diese Stelle aufgab, um als Hausmeister am Conservatorio di Musica Giuseppe Tartini in Triest zu arbeiten, lenkte das Leben seines Sohnes Massimo in ganz neue, und zwar musikalische Bahnen. Zunächst brachte man ihm die Flötentöne bei, denn am Konservatorium waren noch zwei Plätze frei, und zwar im Fach Flöte. Also studierte Massimo Giordano Flöte, bis einer seiner Freunde, ein tschechischer Pianist, ihn ermunterte, zu dessen Klavierspiel zu singen. «Das musst, musst, musst du weitermachen!», war dessen Rat, nachdem er Giordanos Stimme gehört hatte. Also meldete sich der damals 18-jährige in einer Gesangsklasse an, und setzte sich gegen fast 100 Mitbewerber durch. Er nahm an Gesangswettbewerben teil und sicherte sich so erste Engagements.

Dies mag sehr einfach klingen, doch fiel Giordano nichts einfach so in den Schoß. Fleißig und konsequent erarbeitete er sich seinen Platz als Belcanto und liefert nun all jenen, die noch nicht die Gelegenheit hatten ihn auf der Bühne zu erleben, mit seinem Debütalbum «Amore e Tormento» (BMG / Vertrieb Naxos) den Beweis dafür, wie gut er daran tat, das Flötenspiel aufzugeben und sich dem Gesang zu widmen. Inzwischen spielt bzw. singt Massimo Giordano in der ersten Belcanto-Liga. Daß er erst jetzt eine CD aufgenommen hat, mag dafür sprechen, wie wichtig es ihm ist, auf der Bühne zu stehen und direkten Kontakt mit dem Publikum zu haben. Daß sich mit dem Verkauf von Tonträgern nebenher auch eventuell viel Geld verdienen ließe, daran schien er nicht zu denken. Man lausche ihm gerne, doch an seine berühmten Kollegen käme er (noch) nicht heran, las ich in einem Blogbeitrag.

Nun, lieber Kollege, das sehe, und das höre ich ganz anders! Wobei wieder einmal deutlich wird, wie sehr Musik eine Sache des Herzens und der Seele ist. Mein Herz und meine Seele berührt Massimo Giordano zweifellos. Für mich versprüht er eben jenen ganz besonderen Zauber, ja, und ich scheue mich dieses eine Mal nicht davor Vergleiche anzustellen, er versprüht für mich einen Zauber, vergleichbar mit Nicolai Gedda, Luis Mariano, Gianni Raimondi oder gar Luciano Pavarotti. Jeder dieser Tenöre war auf seine Weise wunderbar, und so auch Massimo Giordano. Er hat es, dieses gewisse Extra, das bei mir Gänsehaut verursacht und mich Musik lieben lässt. Als ich «Amore e Tormente» (Liebe und Leid) das erste Mal hörte, packte sie mich wieder, diese unbeschreibliche Angst davor, eines Tages taub zu werden und Musik, die berührt wie diese, nie wieder hören zu können.

Seine Lieblings-Arien auf dem Album sind «Come un bel dì di Maggio» und «Non piangere liù». Ich liebe sie alle, vermag mich nicht für eine zu entscheiden. Ach, wäre Wien samt seiner Staatsoper doch nicht gar so weit, denn allzu gerne würde ich Massimo Giordano als Alfredo in Verdis La Traviata erleben.

Nun, derweil genieße ich Massimo Giordano und seine italienischen Arien Zuhause. Was diesem Genuß gar eine Krone oben auf setzt, ist die Tatsache, daß es «Amore e Tormento» nicht nur als CD, sondern auch als Schallplatte gibt! Amore ja, Tormento nein!

Herzlichst,
Ihre Rosemarie Schmitt

  • 'Amore e Tormento' heisst das Debütalbum von Massimo Giordano
  • Das Album von Massimo Giordano ist als LP und CD erhältlich
  • Massimo Giordano

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