GeoPoetry

20.06.2013 Haimo L. Handl

GeoPoetry, ein Projekt des Schriftstellers, Geschichtenerzählers, Liedermachers und Schauspielers Martin Auer, das er seit 2011 betreibt; stellt Gedichte in die Landschaft. Im wörtlichen Sinne. An ausgewählten Orten werden zu spezifischen Themen Objekte (Hinweistafeln, Marker) aufgestellt, über eine Applikation für Smartphones kann man den dazugehörenden Text sich anhören.


Hören während eines geleiteten Spaziergangs also. Eine neue Form der Literaturvermittlung! Martin Auer: «Texte werden an einen bestimmten Ort im Raum gestellt, mit einer konkreten Landschaft oder Stadtlandschaft verbunden. Sie sollen an diesem Ort gehört werden, so dass sich Text und Raumerlebnis zu einem eigenen Eindruck verbinden.» Um von Android oder iPhone unabhängig zu sein, entwickelte Martin Auer eine eigene Webapplikation, die für die Projekte eingesetzt wird. (http://geopoetry.net)

Fünf Projekte sind realisiert:

City Blues, ein poetischer Spaziergang durch das Brunnenmarkt-Viertel von Ottakring (für iOS und als WebApp)
Lössland – ein Soundwalk rund um Niederhollabrunn, mit Texten von Theodor Kramer, der dort geboren wurde. (iOS, Android, WebApp)
Ein unsichtbares Denkmal für Anny Wödl - Ein Gang durch den Universitätscampus altes AKH. Anny Wödl war von 1939 bis 1942 Aushilfskrankenschwester im Militärlazarett. Sie hat vergeblich versucht, ihr Kind vor der Nazi-Euthanasie zu retten. (WebApp)
Ein Zweig raschelt – Haiku-Spaziergang durch den Wiener Liechtensteinpark (WebApp)
Wiener Literaturwanderweg

Die Applikation ermöglicht es, bei einem Spaziergang an bestimmten Orten – gesteuert durch GPS – Texte zu hören, die mit dem Ambiente, der Stimmung des Ortes eine Verbindung eingehen sollen. Die Texte können zunächst nur an Ort und Stelle gehört werden. Erst, wenn ein Text am Ort gehört wurde, erscheint in der App ein Button, mit dem der Text dann immer wieder abgespielt werden kann.

Dem Projekt unterliegt der Gedanke, dass die Umgebung, der Ort, die damit gegebenen Rezeptionsbedingungen auf die Wahrnehmung einwirken. Ein Gedicht in der Landschaft bzw. der Stadt an Ort und Stelle zu hören ist anders als im Lokal oder daheim vor dem Apparat.

Diese Art von Literaturvermittlung darf nicht mit der Kürzestliteratur über Twitter oder ähnliche Einrichtungen verwechselt werden. Hier wird einerseits eine offene Technik eingesetzt, andererseits aber die gewollte örtliche Bindung gefordert, damit die Rezeption im Sinne des Projektes erfolgt. Die Virtualität wird nur teilweise genutzt, der reale Raum nicht nur nicht negiert, sondern zum spezifischen Wahrnehmungsaspekt gemacht. Also kann man gut rezitierte Texte hören, die einen direkten oder indirekten Bezug zum gewählten Ort haben, zum Beispiel beim Literaturwanderweg Wien am Schmerlingplatz (Parlamentsseite) das Schoberlied von Karl Kraus. Die Örtlichkeit erwächst zum konkreten Kontext, innerhalb dessen das zitierte Werk «aufgeladen» wird. Das geht weit über das Virtuelle hinaus.

Martin Auer, der sich vor allem als Autor von Kinderbüchern (Druck und Hörbuch) einen Namen gemacht hat, und viele Preise und Auszeichnungen für seine Arbeiten erhielt (Kinderbuchpreise Nordhein-Westfalen, Österreich und Wien, Schönstes Buch Österreichs 2002 u. a.), erprobt mit diesem Projekt neue Wege der Literaturvermittlung, die uns neugierig machen, was noch folgen wird.

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