Werner Schwabs "Die Präsidentinnen" am Feldkircher Saumarkt

06.03.2013

07.03.2013 bis 09.03.2013  Theater am Saumarkt

Eine der früheren Erfolgsproduktionen des Vorarlberger Projekttheaters, die sich vor 13 Jahren, im Mai 2000, für eine vermeintlich letzte Aufführung angekündigt hat, wird nun aufgrund vielfachen Wunsches wieder aufgenommen und feiert im Theater am Saumarkt am Donnerstag, 7. März 2013, 20.15 Uhr seine zweite «Premiere». Die umwerfend komische und gleichzeitig bitterböse Abrechnung der drei Präsidentinnen mit ihrem eigenen Leben löste jedes Mal beim Publikum Lachstürme und bei der Kritik großes Lob aus.


Die Präsidentinnen sitzen in einer Wohnküche, zu der wie ein Hausaltar ein Fernseher gehört, aus dem der Papst gerade den Segen urbi et orbi erteilt: Rom und dem Rest der Welt. Und Erna, Grete und Mariedl. Schließlich beginnen sie über ihr Leben, ihre Kinder, über Sex und verstopfte Aborte zu philosophieren. Ein paar Gläschen Wein läßt ihre Gedanken schweifen und sie ihr persönliches Glück auf einem Fest herbeiphantasieren: Erna findet zu ihrem katholischen Metzger Wottila, Grete ihren knackigen Tubabläser Freddy und Mariedl befreit wieder einmal als unschlagbare Spezialistin alle Aborte dieser Welt von steckengebliebener Scheiße.

Das Ende von Präsidentinnen ist die Stunde einer Pestgöttin. Mariedl verheißt den Präsidentinnen Erna und Grete das nahe Ende. Ernas Sohn Hermann, der seiner Mutter keine Enkel schenkt, sich das Gesicht zerschneidet und säuft, und Gretes Tochter Hannelore, die von ihrem Stiefvater mißbraucht wurde, Glasscherben gegessen hat und nach Australien ausgewandert ist - diese von ihren Eltern in die Selbstzerstörung getriebenen Kinder werden kommen, prophezeit Mariedl, und Erna und Grete töten. Ein Taxi wird vorgefahren mit Herrmann und Hannelore auf den ledergepolsterten Rücksitzen. Hannelore wird Lydi, Gretes Hund, zermantschen und Grete ins Irrenhaus schaffen.

Der betrunkene Herrmann wird Erna und ihren Bekannten, den katholischen Metzger Wottila, am Kragen packen und die beiden solange gegeneinander schlagen, «bis das Blut spritzt und die Seelen auswandern.» Aber Schwabs Welt, in der statt der leibeigenen Kinder die Müllhalden kreißen, gehen Prophezeiungen unter, und so stirbt Mariedl wie ein Bote mit einer schlechten Nachricht. Eine solche Gemeinheit, ein so grobes Stück können sie sich von Mariedl nicht gefallen lassen, sagen sich Erna und Grete. Sie holen das Küchenmesser, und die Szene eskaliert zum Massaker...

Werner Schwab, geboren am 4. 2. 1958 in Graz, studierte von 1978 bis 1982 an der Akademie der bildenden Künste in Wien; von 1981 bis 1989 lebte er mit Frau und Sohn zurückgezogen auf einem abgelegenen Bauernhof und arbeitete dort sowohl an seinen «verwesenden Skulpturen» aus Kadavern und Fleisch, als auch an Erzählungen und ersten Theatertexten. Die 16 Stücke, die er zwischen 1990 und seinem Tod in der Silvesternacht 1993 schrieb, machten ihn zum begehrten Bühnenautor, zum Skandal und zum Idol, zum Erfinder einer seitdem vielkopierten eigenen und unverwechselbaren Sprache. Seine Stücke wurden in wenigen Jahren zum festen Repertoire-Bestandteil deutschsprachiger Bühnen.


Die Präsidentinnen von Werner Schwab
Donnerstag, 7. März 2013, 20.15 Uhr
Weitere Termine: Fr. 8. & Sa. 9. März 2013, jeweils 20.15 Uhr

Es spielen:
Maria Hofstätter, Martina Spitzer und Dietmar Nigsch
Regie: Walter Hiller, Bühne & Kostüme: Renate Schuler

Theater am Saumarkt
Mühletorplatz 1
A-6800 Feldkirch
T: 0043 (0)5522 72895
E: office@saumarkt.at
W: http://www.saumarkt.at

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