"Museum darf nicht in der Baugrube verschwinden"

28.11.2007

Das Vorarlberger Landesmuseum wird noch das gesamte Jahr 2008 und teils das Jahr 2009 die «alten» Räumlichkeiten in Bregenz bespielen. Dann muss das Museum in eine andere, temporäre Lokation ausweichen, denn für Herbst 2009 ist der Spatenstich für den Um- und Neubau des Hauses angesagt. Die Arbeiten am «Landesmuseum Neu» werden bis 2012 andauern.


Wohin man ausweichen wird, steht noch nicht fest. Fest steht laut Museumsdirektor Tobias G. Natter nur, dass das Museum «nicht in der Baugrube verschwinden darf». So wird man möglicherweise auf die freien Kapazitäten des Palais Thurn & Taxis zurückgreifen und dort Sommerausstellungen veranstalten.

Bis 2012 will man auch ein komplett neues Erscheinungsbild (Corporate Identitiy – CI) erarbeiten, teilte Natter im Rahmen einer Medienkonferenz in Bregenz mit. Ausserdem soll im Rahmen der Neuausrichtung zu den bisherigen Sammlungsschwerpunkten der Bereich «Fotografie» strategisch dazustossen. Er sehe es als einen Auftrag an, die Fotografie des Landes systematisch aufzuarbeiten, von der Vergangenheit bis in die Gegenwart, so Natter gegenüber Kultur-Online.

Kommende Woche werde das Land auch bekannt geben, wer den international ausgeschriebenen Architekturwettbewerb für das neue Landesmuseum gewonnen hat, so Landesstatthalter Markus Wallner, der die Pressekonferenz gemeinsam mit Natter leitete. Die entsprechenden Jurysitzungen zur Bewertung der 26 Einreichungen für den 30-Millionen-Euro-Bau finden am 4. und 5. Dezember in Bregenz statt.

Ausstellungsprogramm 2008

Laut Tobias Natter sind für das kommende Jahr vier Ausstellungen geplant. Begonnen wird die neue Ausstellungsperiode Ende Jänner mit «Früher Fotografie aus Vorarlberg» (28. Januar bis 1. Juni 2008). Gezeigt werden 200 Fotografien aus der Zeit von 1850 bis 1918. Die Ausstellung gewährt demnach Einblicke in die technische und lokalhistorische Entwicklung des «neuen» Mediums und thematisiert die gesellschaftliche Faszination der «Lichtbilder». Thematische Schwerpunkte sollen Land und Leute, Ortsansichten, Ereignisse, Tourismus, Alltagsleben und Freizeit sein.

Parallel dazu wird im März die Ausstellung «Schappele, Chränsle & Co» eröffnet (8. März bis 1. Juni 2008). Anlass dieser Präsentation ist eine umfangreiche Schenkung an das Vorarlberger Landesmuseum. Die in Vielfalt und Qualität «einzigartige Sammlung» (Natter) der Bregenzer Trachtenkundlerin Agnes Kinz, die 1939 verstarb, umfasst 96 volkstümliche Kopfbedeckungen aus der Zeit von 1800 bis 1930 mit zahlreichen Beispielen aus Vorarlberg und ganz Mitteleuropa.

Die grosse Sommerausstellung befasst sich von 21. Juni bis 5. Oktober 2008 mit «Gold und Silber. Mythos Mittelalter». Mit dieser Schau will Natter an den Erfolg der diesjährigen Angelika-Kauffmann-Ausstellung anknüpfen, die mit 50.000 BesucherInnen unerwartet viele Leute anzog. Erstmals werden mit «Gold und Silber» die bislang kaum bearbeiteten Bestände mittelalterlicher Schatzkunst in Vorarlberg öffentlich gezeigt. Ausgangspunkt einer Entdeckungsreise durch das Mittelalter sind alamanische Grabkreuze aus dem 6. und 7. Jahrhundert als frühe Zeichen der Missionierung.

Die Ausstellung spannt einen Bogen bis zur Reformation, als 1524 der Konstanzer Münsterschatz eingeschmolzen und die Gebeine der Heiligen in den Bodensee geworfen wurden. Glanzpunkte sind unter anderem Reliquienschreine aus dem Domschatz der Kathedrale Chur, das Wettinger Prunkkreuz aus der Abteil Mehrerau oder Stiftungen des Söldnerführers Conrad von Wolfurt und des Minnesängers Hugo von Montfort.

Mit einer Ausstellung über den «Kanton Übrig» (25. Oktober 08 bis 6. Jänner 09) klingt letztlich das nächstjährige Programm aus. Mit dieser letzten Schau wird die Situation Vorarlbergs nach dem Zerfall der Donaumonarchie und die Orientierung Richtung Schweiz thematisiert.

In den unmittelbaren Nachkriegsjahren 1918/19 bot der Zerfall der Habsburger Monarchie für Vorarlberg die lang ersehnte Möglichkeit einer politischen und administrativen Loslösung von Tirol. Im Mai 1919 holte sich die neu konstituierte Vorarlberger Landesregierung ein Verhandlungsmandat für den Anschluss an die Schweiz. 80,6 Prozent der Vorarlberger stimmten mit «Ja», doch die Verhandlungen scheiterten und Vorarlberg wurde zum «Kanton Übrig». Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Geschehen in Vorarlberg, die Ereignisse in den anderen österreichischen Bundesländern, sowie die Reaktionen der Schweiz und der Alliierten.

  • Florinusschrein
  • Frühe Fotografie
  • Kanton Übrig
  • Vortragekreuz Bartholomäberg

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