Schönheit und Revolution

21.05.2013

20.02.2013 bis 26.05.2013  Städel Museum

In einer umfassenden Sonderausstellung widmet sich das Frankfurter Städel Museum vom 20. Februar bis 26. Mai 2013 dem Klassizismus und dessen Impulsen für die Romantik. Die in Zusammenarbeit mit der Liebieghaus Skulpturensammlung entstandene Ausstellung «Schönheit und Revolution» versammelt rund 100 Werke aus der Zeit von 1770 bis 1820, darunter Arbeiten von Anton Raphael Mengs, Thomas Banks, Antonio Canova, Jacques-Louis David, Bertel Thorvaldsen, Johann Gottfried Schadow und Jean-August-Dominique Ingres.


Die große Überblicksausstellung zum Klassizismus gewährt erstmals in Deutschland einen umfassenden Einblick in die Vielfalt der unterschiedlichen und zuweilen sogar widersprüchlichen Facetten dieses Stils und zeigt die Verbindungen und Impulse zur Kunst der Romantik auf. Anhand von bedeutenden Skulpturen, Gemälden und Grafiken aus internationalen Sammlungen veranschaulicht die Ausstellung den bestimmenden Einfluss der Antike auf die Künstler jener Zeit. Im Ringen um eine gesellschaftlich relevante Kunst richtete sich der Blick sowohl auf die Ästhetik der griechischen und römischen Kunst als auch auf deren durch Historie und Mythologie vermittelte Tugenden und Moral.

Auf welch unterschiedliche Weise der Betrachter dabei angesprochen werden kann, wird in der Ausstellung offenbar. So stehen einander in Frankfurt u. a. erstmals zwei berühmte Marmorskulpturen der griechischen Göttin Hebe in Varianten von Antonio Canova (1796, Staatliche Eremitage, St. Petersburg) und Bertel Thorvaldsen (entworfen 1806, Thorvaldsens Museum, Kopenhagen) gegenüber. Seit ihrer Entstehungszeit wurden die beiden Meisterwerke zwar fortwährend miteinander verglichen und bewertet, jedoch noch nie gemeinsam ausgestellt. Die große Frühjahrsausstellung des Städel Museums gibt einen breit gefächerten Überblick über die Epoche des Klassizismus und demonstriert anhand von innovativen Arbeiten Gavin Hamiltons und Johann Heinrich Füsslis über zentrale Werke Antonio Canovas und Jacques-Louis Davids bis hin zu Meisterwerken des «romantischen Klassizismus» von Bertel Thorvaldsen die unerwartete Lebendigkeit der oftmals als statisch angesehenen Epoche.

Die verschiedenen Aspekte des Klassizismus werden in der Ausstellung entlang dreier gedanklicher Achsen herausgearbeitet. Zum einen konzentriert sich die Auswahl der zahlreichen Leihgaben bis auf wenige Ausnahmen auf die Kunstproduktion in der Stadt Rom, die um 1800 für Künstler, Literaten und Theoretiker aus ganz Europa zum zentralen Ort des Studiums der Antike sowie zum Mittelpunkt des Kunstgeschehens wurde. Zum anderen fokussiert die Ausstellung auf Darstellungen antiker historischer und mythologischer Szenen. Auf der Suche nach einem Vorbild für sittlich gutes Handeln entdeckten die Künstler im antiken Mythos das Menschliche und verstanden ihn als Dichtung ohne religiösen Kontext. Mit dem Gemälde Schwur der Horatier von Jacques-Louis David – in der Schau ist eine Ölskizze des Werks aus der Sammlung des Louvre, Paris, zu sehen – blieb beispielsweise eine zeitlos gültige Moral weiterhin Thema, jedoch bezog sich das Werk auch auf aktuelle politische Ereignisse.

Die Schau führt damit beispielhaft vor Augen, wie Motive der Gegenwart zunehmend Einzug in die künstlerische Thematik des Klassizismus hielten. In einem dritten Kapitel der Ausstellung wird der damit verknüpften Frage nachgegangen, auf welche Weise Gefühle und Leidenschaft im Klassizismus dargestellt wurden. Künstler wie Canova oder David formulierten in ihren Werken Emotionen und Pathos auf eine für die Zeitgenossen neue Art, die sich vor allem in der Körpersprache der Figuren ausdrückte. Anders als im Barock stand nicht mehr die Affektdarstellung im Vordergrund, sondern verinnerlichte Gefühle, in die der Betrachter einzutauchen vermochte. Die Künstler distanzierten sich damit ebenfalls deutlich vom Pathos der Antike; so wurde beispielsweise im Fall der Skulptur «Theseus und Minotaurus» von Canova (1783, Museo e Gipsoteca Antonio Canova, Possagno) vor allem das Moment des Nachsinnens nach dem Sieg und damit das moralische Bewusstsein des Helden zum Thema.


Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein umfangreicher von Maraike Bückling und Eva Mongi-Vollmer herausgegebener Katalog mit Beiträgen von Sergej Androsov, David Bindman, Maraike Bückling, Werner Busch, Christian M. Geyer, Alexander Kaczmarczyk, Thomas Kirchner, Eva Mongi-Vollmer, Johannes Myssok und Marjorie Trusted, deutsch, ca. 360 Seiten, 39,90 Euro.

Schönheit und Revolution
Klassizismus 1770 - 1820
20. Februar bis 26. Mai 2013

Städel Museum
Dürerstraße 2
D-60596 Frankfurt am Main
T: 0049 (0)69 605098-0
F: 0049 (0)69 605098-111
E: info@staedelmuseum.de
W: http://www.staedelmuseum.de


Öffnungszeiten

Di, Mi, Sa, So + Fe 10 - 18 Uhr
Do und Fr 10 - 21 Uhr

 


  • Bertel Thorvaldsen (1770–1844): Ganymed, 1816. Marmor, 135,5 cm; Thorvaldsens Museum. Foto: Thorvaldsens Museum
  • Karl Friedrich Schinkel (1781–1841): Spreeufer bei Stralau, 1817. Öl auf Leinwand, 36 x 44,5 cm; Berlin, Alte Nationalgalerie
  • Angelika Kauffmann (1741–1807): Penelope wird von Eurycleia erweckt, 1772. Öl auf Leinwand, 75 x 109,9 cm; Vorarlberg Museum, Bregenz. Foto: Markus Tretter, Lindau, 2007
  • Jacques-Louis David (1748–1825): Patroklus, 1780. Öl auf Leinwand, 122 x 170 cm; Cherbourg-Octeville, Musée d'art Thomas-Henry. © Daniel Sohier
  • Antonio Canova (1757–1822): Hebe, 1800–1805 (Detail). Marmor, 158 cm; Staatliche Eremitage, St. Petersburg. Foto: © The State Hermitage Museum, Saint Petersburg; Foto: Natalia Antonova, Inna Regentova
Städel Museum
Dürerstraße 2
D-60596 Frankfurt am Main
T: 0049 (0)69 605098-0
F: 0049 (0)69 605098-111
E: info@staedelmuseum.de
W: http://www.staedelmuseum.de


Öffnungszeiten

Di, Mi, Sa, So + Fe 10 - 18 Uhr
Do und Fr 10 - 21 Uhr

 


artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.