Vogeltraum

05.12.2012

Der Weinviertler Jürgen Martschal, 1983 geboren, zeigt das typische Profil des Newcomer Erfolgreichen, der sich ein Gefolge heranziehen konnte mit seinen frechen Cartoons in einschlägigen Zeitschriften und schrägen Auftritten in TV-Night-Shows. In der Edtion Komische Künste des Holzbaum Verlags erscheint ein kleines Büchlein, schön ausstaffiert und mit Farbabbildungen der Karikaturen bzw. Cartoons.


Dirk Stermann hat ein kurzes Vorwort beigesteuert, denn Martschal schreibt ja auch für seine Läte-NightShow. So ist man unter sich und haut sich auf die Schenkel.

Aber nur keinen Neid: Anerkennung ist auch von Unbefangenen möglich bzw. nötig: Marschal hat tatsächlich einen schrägen Witz, verletzt die Etikette und die Denkfelder der ewiggestrigen Gutmenschen und braven Schicki-Micki-Typen.Seine Cartoons sind oft wie Illustrationen wörtlich genommener Redewendungen oder stereotyper Werbeslogans oder typischer Anstandsaussagen und Devisen braver Spießer. Dadurch erzeugt er einen Widerspruch zwischen Aussage, vordergründiger Botschaft und Bild, was zum Lachen führt.

Manchmal ist der Witz so fein, dass er wahrscheinlich von jenen, die Sterman und davon geprägtes Showbusiness schätzen, nicht verstanden werden wird. Macht nichts. Sie werden sicher meinen, alles kapiert zu haben. Das gehört dazu.

Stellen Sie sich eine Geschichte vor über ein «Institut für Krankheitsforschung», auf dessen Eingangstüre der Hinweis zu lesen ist «Wegen Gesundheit geschlossen». Ginge wahrscheinlich unter, außer es wäre sehr pointiert erzählt und aufgepeppt. Das Bild mit ein paar Strichen und Farben erzählt aber flux die Story mit der Moral, über die man lacht. Nur jene, die nicht denken, werden überlättern.

Oder wenn auf einer kleinen Insel Physiotherapeuten ohne Grenzen Neger behandeln, hahaha oder aus einem anderen Flieger «Ärzte ohne Medikamente» ein Arzt den leeren Koffer zeigt «Immer mehr Hilfsorganisationen in finanzieller Not!» Oder: «Am Morgen nach dem One-Night-Stand... – Wir können ja Fremde bleiben» eine exquisite Persiflage auf die Freunderkultur...

Zum Schluss: «Ich war nicht immer so erfolgreich und bleibt wie jetzt. In der Schule war ich Einzelgänger, wurde verspottet, stand stets im Abseits und – » sagt am Gasthaustisch der Mann. Die Blonde gegenüber fragt: «Was ist das, ABSEITS?» Das Bild dazu müssen Sie im Buch suchen und finden, es lohnt sich.


Jürgen Marschal: Der uralte Vogeltraum
Mit einem Vorwort von Dirk Stermann. Edition Komissche Künste, Holzbaum Verlag, Wien 2012-11-16 ISBN 978-3-9503097-7-5

Gustav Schwedinger

weiterführende Links:

Internetseiten des Verlags

  • Marschal: 'Der uralte Vogeltraum'; Cover

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