Schulhausromane

... sind Internet-Romane, die «möglicherweise bald die Weltöffentlichkeit zu Gesicht bekommt» – wenn diese denn darauf aufmerksam wird. Also, Weltöffentlichkeit, hier wird auf zwei aufmerksam gemacht – «Kaufrauschstrahlen» und «Überraschung im Dunkelpark». Eine Aufforderung zum Stelldichein!


1. Die Story: Schulhausromane sind am Leben, und in dieses gerufen hat sie der Schweizer Schriftsteller Richard Reich 2004. Da hatte er die Idee, mit – sagen wir es so: weder lese- noch schreibaffinen SchülerInnen Romane zu verfassen. Es ist eine Arbeit mit dem «härteste Publikum, das man sich vorstellen kann», eine große Herausforderung. Aber sie lohnt sich aus zwei Gründen: Einmal kann es sein, dass die Liebe zu den Grundfertigkeiten des Lesens und Schreibens gedeiht und Früchte trägt. (Daniel Pennac zum Beispiel hat in seinem Buch «Schulkummer» den eigenen Werdegang vom Schulversager zum Schriftsteller beschrieben: Irgendein Lehrer hatte die Idee, ihn einen Roman schreiben zu lassen.) Zum anderen entstehen hier in Zusammenarbeit mit ausgezeichneten SchriftstellerInnen ganz lesenswerte Dinge. Unsere Projekte sind mit Unterstützung von Angelika Reitzer und Antonio Fian entstanden («Chapeau!»); Initiator war das Unabhängige Literaturhaus Niederösterreich.

2. Die Helden: … unserer beiden Romane werden ihren AutorInnen sicher sehr nahe stehen, das liegt in der Natur der Sache. Beide, Helden und AutorInnen, sind Kollektive. In «Kaufrauschstrahlen» gibt’s ein Heldenquartett – Guffi, den schrecklichen Oger, Kerstin, I-Phone; geschildert wird jeweils aus personaler Perspektive. Überraschung im Dunkelpark ist eine richtige Liebesgeschichte (zwischen Axel und Lilo) in acht Kapiteln mit etwas abruptem Happy End.

3. Der Sound: «Der Park war finster, nur eine einzige Laterne flackerte vor sich hin, es war gespenstisch.» – «Tony kam gleich zur Sache. Er wollte Geld oder Lilo, ob er wirklich in sie verknallt war, spielte jetzt gar keine Rolle mehr, er sah gar keinen anderen Weg. Wie würde sich Axel entscheiden? Was war ihm wichtiger? Das Geld oder das Mädchen?» Diese beiden Stellen mögen stilistisch zwar nicht überkandidelt sein, aber wer weiß, wie SchülerInnen schreiben, wird sie sehr zu schätzen wissen.

4. Coole Worte: «du Trauergurke, du zniachte» – «Ich wollte ihm gerade eine panieren» – «Einkaufszombies» – «wieseln» – «brettern» u.v.a.m.

5. Coole Bilder: Noch haben die Schulhausromane nicht die graphic novel entdeckt; aber ich denke, das ist bloß eine Frage der Zeit. Apropos «Zeit»: Hoffentlich haben Schulhausromane eine lange Zukunft!

6. Zum Nachdenken: «Am Hauptplatz von Hainfeld, beim Anblick der verwirrten Einkaufszombies, hatte ich Kerstin zum ersten Mal lachen sehen, und ich sag' dir eins, Oida, es stand ihr super. Aber kaum hatten wir uns von Ingenieur Dulidl verabschiedet, hatte sie schon wieder ihr Trauergurkengesicht aufgesetzt und fing wieder damit an, dass sie zu fett sei und in den letzten zwei Stunden mindestens fünf Kilo zugenommen habe. Was blieb mir also übrig? »Soll ich dir was sagen, Oida?« sagte ich. »Ich steh' auf dicke Mädchen.«»

7. Die AutorInnen: … kann man sich auf der HP «anlesen» oder auch ansehen.

8. Das/Der B(es)uch: http://www.schulhausroman.at; Schulhausromane Nr. 02 & 03: «Kaufrauschstrahlen.» Geschrieben von der 3. LG Deutsch der 4.a und 4. b Klasse der Hauptschule Hainfeld (mit Unterstützung des Autors Antonio Fian) / «Überraschung im Dunkelpark.» Geschrieben von der 3. LG Deutsch der 4.a und 4.b Klasse der Hauptschule St. Pölten-Viehofen (mit Unterstützung der Autorin Angelika Reitzer). Wien: Edition Aramo. EUR 5,00


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