Ringel Seepferdchen

... entführt in eine wundersam wuselnde Welt, weit weg, an ein Riff mitten im Pazifischen Ozean. Florian Weiß hat sie naturalistisch und futuristisch illustriert, Lasse Hölck märchenhaft erzählt und Franziska Walther traumhaft als Buch in Marineblau gestaltet.


1. Die Story: Die einzige Farbe im Text stammt – wenn man von einem Rotfeuerfisch, der «ruhig durch das Wasser strich», absieht – von einem kleinen, blauen Fisch (der mühsam etwas näher «herankreiselt»): Jon, der «Bläuling». Eine Anemone hat sich an seinen Bauch geheftet. Was das eine Problem ist; das andere: Ringel Seepferdchen hat einen blanken Kugelkopf, glatt und rund und ganz ohne Krönchen, «sieht aus wie eine Perle und das gehört sich nicht bei uns Seepferdchen». Ein Fetzenfisch, Tarnungsspezialist und im Algendickicht nur mühsam auszumachen, weiß Rat.

2. Die Helden: ... werden als Vertreter ihrer Spezies auf den letzten beiden Seiten gezeichnet dargestellt: Hippocampus kuda (Seepferdchen), Coenobita rugosus (Einsiedlerkrebs), Pterocaesio digramma (Zweistreifen-Füsilier) und Astropeten Aranciacus (Großer Kammseestern).

3. Der Sound: ..., der Ton ... wird von der Farbe dominiert, dies ist nämlich ein Unterwassermärchen in Blau: «Ganz weit weg von hier, mitten im Pazifischen Ozean, steht ein großer Felsen, der über und über mit Korallen bewachsen ist. Am Fuße des Felsens wogen Algen in der Strömung mal hierhin, mal dorthin und um ihn schwirren Tausende kleiner und großer Fische durch das Wasser. Da ist ein großer Husarenbarsch, der mitten in den Korallen ein Nickerchen hält; ein Adlerrochen zieht über dem Riff gemütlich seine Kreise und hundert andere Fische flitzen wendig durch das Unterwasserkraut.»

4. Coole Worte: Geweihkorallen, Algen, Unterwasserkraut, Plankton, Anemonenwäldchen, Nickerchen und Schwätzchen am «Lagerwasser», wettringeln, entdecken und verstecken, runzeln und murmeln, blitzen und blinken, glitzern und glänzen, Lütt schließlich (was niederdeutsch für «Kind» steht).

5. Coole Bilder: Florian Weiß arbeitet mit einem Zeichengerät, das ähnlich wie eine Tätowiernadel funktioniert und miniaturistisch gestaltete Bildwelten erschafft: geriffelt, gestrichelt, punktiert. In ihrer bizarren Schönheit erinnern sie an Judith Schalanskys Buchdesigns (deren erster Roman übrigens «Blau steht dir nicht» heißt – nur nebenbei bemerkt).

6. Zum Nachdenken: «Aber warum sucht und sucht ihr unentwegt? Die Lösung liegt nur in euch selbst». (Hat was von Dylans Rat an den Freund: «The answer is blowing in the wind».)

7. Die AutorInnen: Florian Weiß, Jahrgang 1977, fühlt sich seit seiner Kindheit zum Meer und seinen Bewohnern hingezogen. Diese Leidenschaft nimmt in seinem Schaffen – von Malprojekten in indonesischen Fischerdörfern bis hin zur wissenschaftlichen Arbeit über maritime Ressourcennutzung – einen zentralen Stellenwert ein. Zurzeit liegt der Fokus auf illustrativen Arbeiten über marine Organismen und deren Darstellung in unterschiedlichen Techniken. Florian Weiß lebt und arbeitet in Berlin.

8. Das Buch: Florian Weiß: Ringel Seepferdchen. Mannheim: Kunstanstifter Verlag 2011. 24 Seiten. EUR 28,50. http://www.kunstanstifter.de


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