Feldkircher Literaturtage 2012

01.05.2012

03.05.2012 bis 05.05.2012  Theater am Saumarkt

Im Mai 1862, vor genau 150 Jahren, starb der Eine und betrat der Andere die Weltbühne: Johann Nepomuk Nestroy (1801-1862) und Arthur Schnitzler (1862-1931). Auf den ersten Blick scheinen die beiden Fixsterne am europäischen Theaterhimmel kaum vergleichbar. Doch bei genauerer Hinsicht, zeigen ihre Lebenslinien erstaunliche Parallelen. Einige von Schnitzlers und Nestroys Stücken gehören nach wie vor zu den meistgespielten des deutschsprachigen Theaters und finden sich auch auf den Spielplänen großer Bühnen regelmäßig wieder. Nicht zufällig wurde Österreichs bedeutendster Theaterpreis nach Nestroy benannt.


Die Feldkircher Literaturtage 2012 sind aus aktuellem Anlass Nestroy und Schnitzler gewidmet. Mit dem zweifachen Nestroy-Preisträger Markus Hering, der Schnitzler- und Nestroy-Biografin Renate Wagner sowie dem Intendanten der Nestroy-Spiele Schwechat und Nestroyring-Träger Peter Gruber konnten hervorragende, mit dem Thema vertraute Persönlichkeiten für die Literaturtage gewonnen werden. Auch der Vorarlberger Schauspieler Kurt Sternik und der langjährige Landestheater-Intendant Harald Petermichl tragen das Ihre bei.

Donnerstag 3. Mai 2012, 20:15 Uhr:

Leutnant Gustl
Arthur Schnitzlers Novelle «Leutnant Gustl» (1900) gilt als Markstein und stilbildendes Meisterwerk der deutschsprachigen Literatur. Sie ist nicht nur der erste Text deutscher Sprache, der durchgängig in der Erzähltechnik des inneren Monologs gehalten wurde, der Autor entwickelte sie zugleich zur äußersten Leistungsfähigkeit. In einer perfekten Synthese von formalen Mitteln und psychologischer Gesellschaftskritik entwarf Schnitzler mit dieser beißend ironischen Darstellung einer Durchschnittsexistenz ein erstaunlich vollständiges Bild der österreichischen Realität. Wegen dieser Novelle, «durch deren Inhalt die Ehre und das Ansehen der österreichisch-ungarischen Armee geschädigt und herabgesetzt» worden sei, verlor Schnitzler seinen Offiziersrang als Oberarzt der k.u.k. Armee.

Vorgetragen wird die Novelle durch den zweifachen Nestroy-Preisträger Markus Hering (2003, 2008). Musikalisch begleitet wird er dabei vom Jazzmusiker Markus Gsell.

Freitag 4. Mai 2012, 20:15 Uhr:

Berührungspunkte
Nicht nur, dass Nestroy und Schnitzler beide in Wien lebten. Sie waren Tabubrecher und Störenfriede ihrer Umgebung, jeder nach seiner Façon. Beide legten sie die Finger auf die Wunden ihrer Epoche, provozierten Theaterskandale und hatten Ärger mit Behörden wegen «Despektierlichkeit» und ihrer unverblümten Art. Beide umgingen raffiniert die Zensur über die Darstellung ihrer Figuren, mittels der sie indirekt Einblick in die Zustände und Abläufe der Gesellschaft gaben. Schnitzler hat für seine Zeit des Wiener Fin de Siècle «Analoges geleistet wie Nestroy für das Wien des Vormärz» (Egon Friedell). Und beide waren sie unverbesserliche Schürzenjäger.

Die Schnitzler-Biografin Renate Wagner, die soeben im März auch eine Nestroy-Biografie vorlegte, wird über die zahlreichen, auch unvermuteten Berührungspunkte der beiden Autoren vortragen und deren Leben pointiert und amüsant in einer Gesamtschau darstellen. Unterstützt wird sie dabei vom Nestroyring-Träger Peter Gruber, dem Begründer, Intendanten und Regisseur der Nestroy-Spiele Schwechat. Er wird ihren Vortrag mit Auszügen aus den Werken der beiden Dichter garnieren.

Samstag 5. Mai 2012, 19:30 Uhr:

Ich oder ich
«Ich möcht' mich einmal mit mir selbst zusammenhetzen, nur um zu sehen, wer der Stärkere is, ich oder ich.» (aus Nestroys Judith und Holofernes, 1849). Peter Gruber, berühmt für seine Nestroy-Inszenierungen, gibt in einem kurzen Programm einen humorvollen Einblick in und Querschnitt durch Nestroys Schaffen und Wirken.

anschließend Podiumsdiskussion:
Dynamit in Watte oder kalter Kaffee?

Sind Nestroy und Schnitzler auch heute noch aktuell? Die Spielpläne deutschsprachiger Bühnen der letzten Jahre sprechen jedenfalls dafür. Unter der Leitung des früheren Intendanten des Vorarlberger Landestheaters, Harald Petermichl, sprechen die bisher Aufgetretenen sowie der Vorarlberger Schauspieler Kurt Sternik unter anderem über die Gründe der immerwährenden Aktualität von Nestroy und Schnitzler. Insbesondere suchen sie zu ergründen, inwiefern die beiden Autoren auch für die heutige Zeit noch «Dynamit in Watte» verpackt (Karl Kraus) bedeuten können.

anschließend: Kulinarischer Abschluss
Abrundung der Literaturtage mit «Wiener Schnitzlern», Kartoffelsalat und Dessert.


Nestroy & Schnitzler – Störenfriede
Feldkircher Literaturtage 2012
Do 3. bis Sa 5. Mai 2012

Theater am Saumarkt
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A-6800 Feldkirch
T: 0043 (0)5522 72895
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W: http://www.saumarkt.at
  • Sujet
  • Arthur Schnitzler, 1912
  • Johann Nestroy, 1846

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