Dudenbrooks

... versammelt buchstäblich 26 «Geschichten aus dem Wörterbuch». Der Mann, der sie erzählt, heißt Jochen Schmidt, die Frau, die sie zeichnet, Line Hoven. Aus der FAZ-Serie ist ein schönes Buch geworden. (Und es gibt zwischenzeitlich schon Neues!)


1. Die Story: «So today is the big day. Starting with the letter »A«, my illustrations for Jochen Schmidt’s »Dudenbrooks« are going to be published in the Frankfurter Allgemeine Zeitung for the next 26 weeks», so der Eintrag vom 15.01.2011auf Line Hovens Blog. Immer wieder aufregend, wenn in einer guten Tageszeitung gute AutorInnen und IllustratorInnen in Serie publizieren. In diesem Jahr hat Andreas Platthaus von der FAZ daher gleich nachgelegt. «Schmythologie» heißt die neue Serie. Wer möchte, kann sich die FAZ kaufen oder auch online gehen: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/cartoons/jochen-schmidt-und-line-hoven-schmythologie-11129464.htm. Wir dagegen bleiben vorerst beim Analogen, das die zwei Geistesgrößen Duden und Mann kreuzt. Ein Familienroman ist daraus geworden, mit den unterschiedlichsten Figuren, von Adam (der es auf die Tochter des Admirals abgesehen hat) bis Zarah (die Chefin des Kellnersyndikats).

2. Die Helden: … sind alt, uralt, aber sie wirken immer wieder neu. Also: Das Alphabet gibt es natürlich schon lange, urlang, und manche Wörter gibt es ebenfalls schon lange, urlang; in welcher Reihenfolge aber das Ganze abläuft, das macht das Nimmer-wieder-Neue aus.

3. Der Sound: Schmidt erzählt geradlinig und ziemlich gerafft: 7 Begriffe auf 6 bis 7 Kurzzeilen. Das muss ihm erst einmal eine/r nachmachen! Ja, genau! Man sollte das ruhig nachmachen, es ist lustiger als das Reizwort-Geschichten-Erzählen im Unterstufen-Aufsatz, und noch kreativer als das Dudenspiel.

4. Coole Worte: Schmidt schwärmt davon, welche wunderbare Rumpelkammer der «alte Duden» doch sei. «Ein Wort wie »Waldesdunkel« hätten andere längst weggeworfen, aber zum Glück hat man es all die Jahre aufgehoben!»

5. Coole Bilder: Line Hoven heißt die 1977 geborene Hamburger Illustratorin mit Hang zur Schabkartontechnik. Die geht so: Auf weißem Karton trägt Hoven eine dicke schwarze Beschichtung auf, die mit einem Skalpell abgekratzt wird. Die Illustrationen erwecken den Eindruck sorgfältig gearbeiteter Holzschnitte, was dem Ganzen etwas Traditionelles verleiht.

6. Zum Nachdenken: «Jede Geschichte enthält sieben Wörter desselben Anfangsbuchstabens, wie sie im Abstand von jeweils 10, 20, 30 oder 40 Wörtern im Duden stehen.»

7. Die AutorInnen: Jochen Schmidt ist einer der schönsten Autoren Berlins (vgl. http://www.enthusiasten.de ). Er ist Kolumnist und Übersetzer aus dem Französischen und war schon beim Bachmann Preislesen in Klagenfurt. Vielleicht sollte man sein letztes Buch Weltall. Erde. Mensch (Dresden/Leipzig: Voland & Quist 2010) lesen – jedenfalls sei es hier erwähnt. www.linehoven.de Line Hoven hat in Kassel und Hamburg studiert. Liebe schaut weg, ihr erstes Buch und gleichzeitig ihre Diplomarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, ist 2009 bei Reprodukt erschienen und wurde mit dem ICOM Independent Preis 2008 als «Bester Independent Comic» ausgezeichnet. 2010 erhielt sie den e.o.plauen Förderpreis.

8. Das Buch: Jochen Schmidt und Line Hoven: Dudenbrooks. Geschichten aus dem Wörterbuch. Berlin: Verlagshaus Jacoby & Stuart 2011. 64 Seiten, EUR 20,60. www.jacobystuart.de


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