Das Landestheater ba-rockt !

15.05.2012

31.03.2012 bis 16.05.2012  Vorarlberger Landestheater

Eine der berühmtesten barocken Opern ist sicherlich «Dido and Aeneas» von Henry Purcell. Dido kommt aus dem Phönizischen und heißt so viel wie die «Heldin». Sie gründet aus eigener Kraft die blühende Stadt Karthago. Der Mythos von Karthago erzählt, dass Dido vor ihrem Bruder Pygmalion floh, um fern der Heimat ein neues Weltreich zu gründen. Dido landete mit ihrem Gefolge in Nordafrika, wo sie von den einheimischen Berbern unfreundlich aufgenommen wurde.


Der einheimische Häuptling Jarbas wies sie ab, indem er ihr sagte: Du bekommst so viel Land, wie du mit einer Kuhhaut umspannen kannst. Darauf schnitt Dido eine Kuhhaut in hauchdünne Streifen. Dadurch gelang es ihr leicht, ein großes Stück Land zu markieren. Sie gründete die mauergeschützte Festung «Byrsa», diese wurde zur Keimzelle des schnell aufstrebenden Handelszentrums Karthago.

Auch Aeneas ist ein typischer Held - der einzig Überlebende des trojanischen Königsgeschlechtes. Träger der Hoffnung auf einen Neuanfang nach der vernichtenden Katastrophe von Troja. Auf seinen Irrfahrten durch das Mittelmeer verschlägt es Aeneas nach Karthago. Dort begegnet er Dido, wobei Mutter Aphrodite ihre Hände mit im Spiel hat. Dido nimmt den Fremdling freundlich auf. Er erzählt Dido von der List der Griechen, dem Trojanischen Pferd und der Eroberung der Stadt. Auch von seinen jahrelangen Irrfahrten berichtet er. Sechs Jahre schon haben ihn Stürme und Götterorakel von einer Küste zur anderen getrieben.

Dido ringt lange mit sich, ob sie sich mit Aeneas einlassen solle. Denn sie hatte beim Tode ihres Mannes einen Eid abgelegt, sich nie wieder mit einem Mann zu verbinden. Göttervater Zeus hat jedoch mit dem einzig Überlebenden des trojanischen Königshauses andere Dinge vor. Aeneas soll nach Italien und dort endlich das neue Weltreich(Rom) gründen. Eine Ehe mit Dido passt in diesen Plan überhaupt nicht. So schickt der Göttervater seinen Boten Merkur (Hermes) nach Karthago, Aeneas zum Aufbruch zu mahnen. Aeneas nimmt schweren Herzens Abschied, was Dido in den Selbstmord treibt: Sie ersticht sich mit dem Schwert des Aeneas.

«Dido and Aeneas», ein fast hochromantisch durchkomponiertes Opernkonzentrat von nur einer Stunde Spielzeit, entfaltet sich im Zuhörer auf etwa die doppelte Länge, lässt ihm keine Sekunde Zeit zum Luftholen. Schmerz, Trauer, Schicksal, Gemeinheit, Ausweglosigkeit wohnen in dieser Musik. Wirklicher Trost findet sich weit und breit keiner. Und Liebesglück? Wenn überhaupt Glück, dann für kurze Augenblicke und im Grunde nur als unerreichbares Ziel einer unstillbaren Sehnsucht. (Sabine M. Gruber)

Wann und wo die Uraufführung stattgefunden hatte, ist unklar. Sicher ist nur, daß die Oper 1689 in Josias Priests Mädchenpensionat in Chelsea aufgeführt wurde. Es ist jedoch sehr zweifelhaft, daß ein so gewichtiges Werk allein für die Aufführung im Mädchenpensionat komponiert wurde. Eine vorherige Aufführung am Hofe wird vermutet, bleibt aber Spekulation. Zwischenzeitlich gab es die These, die Oper sei ein Frühwerk des 19jährigen Purcell und bereits 1677 entstanden, da aus diesem Jahr ein Theaterstück Nahum Tates stammt, das dem Libretto von Dido und Aeneas sehr ähnlich ist. Allerdings ist die Oper höchstwahrscheinlich erst nach 1683 entstanden. Aus diesem Jahr stammt John Blows Oper «Venus and Adonis», die Purcell wohl in mancherlei Hinsicht als Vorbild für Dido and Aeneas gedient hatte.

Zu Purcells Lebzeiten ist keine weitere Aufführung als die 1689 in Chelsea verbürgt; erst 1700 wurde Dido and Aeneas als Zwischenspiel einer Shakespeare-Aufführung wieder dargeboten. Die erste Aufführung in neuerer Zeit war 1878, nachdem die Partitur 1841 in Druck erschienen war. Die erhaltenen Partiturhandschriften sind allerdings lange nach Purcells Tod entstanden und zeigen teils erhebliche Abweichungen vom original erhaltenen Libretto. U.a. fehlt die komplette Musik zum Prolog der Oper.

Henry Purcell (1659-1695) war ein englischer Komponist. Schon zu seinen Lebzeiten galt er als der beste englische Komponist und wurde daher mit dem Ehrentitel Orpheus britannicus gewürdigt. Für das Jahr 1689 ist die Aufführung seiner ersten Oper «Dido und Aeneas» belegt, an welche sich später noch 38 dramatische Musikwerke anschlossen, die sowohl durch ihre Stoffe (teils nach William Shakespeare, teils von John Dryden) als auch durch die Originalität und den hohen Kunstwert der Musik ein wohlbegründetes Aufsehen erregten. Nicht minder waren seine Kirchenkompositionen von den Zeitgenossen, namentlich auch von Händel, geschätzt.


Dido und Aeneas von Henry Purcell
Premiere: 31. März 2012, 19.30 Uhr im Grossen Haus
Spieldauer: ca. 60 Minuten, keine Pause
In Kooperation mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium

Weitere Vorstellungen:
3./ 13./ 19./ 22. April 2012
5. und 16. Mai 2012

Vorarlberger Landestheater
Seestraße 2
A-6900 Bregenz
T: 0043 (0)5574 42 8 70
F: 0043 (0)5574 48 3 66
E: info@landestheater.org
W: http://www.landestheater.org
  • Foto: (c) Anja Köhler
  • Foto: (c) Anja Köhler
  • Foto: (c) Anja Köhler
  • Foto: (c) Anja Köhler
  • Foto: (c) Anja Köhler
  • Foto: (c) Anja Köhler

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.