Was "Bregenz denkt" denkt

06.06.2005 Kurt Bracharz

Die schwarz-grüne Bregenzer Rathauskoalition hat sich sofort der den Bürgern auf den Nägeln brennenden Probleme angenommen und eine Attacke auf das Gehalt des grünen Vizebürgermeisters abgewehrt (er hatte vor der Wahl von zehnprozentigen Gehaltskürzungen für die Stadtvertreter geschwärmt und danach klargestellt, dass er damit doch nicht sich selbst gemeint habe) sowie das (laut «VN») 1991 auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Siegi Gasser aufgehängte Porträt des NS-Bürgermeisters Carl Solhardt aus der Bürgermeister-Galerie im Stadtvertretungszimmer entfernt.


Bei dieser Gelegenheit erfuhr man endlich einmal, was «Bregenz denkt» denkt. Das wird sich ja schon mancher gefragt haben, der Bilder des Richters a. D. Dr. Karl-Heinz Marent betrachtete, auf denen dieser meistens mit dem Finger irgendwo hin zeigt. Auf dem Foto vor dem Müllcontainer, auf dem man das Wort «Altkunst» lesen kann («Bregenzer Blättle» vom 2. Juni 2005, S. 3) deutet er wahrscheinlich an, wie hoch früher der Misthaufen war, aber worauf weist der kluge Finger auf dem Bild «Verkehrsproblematik»?

Nun, seit der Solhardt-Debatte weiß man zumindest, was Dr. Marent denkt. Nämlich, dass «nichts bekannt sei, dass Solhardt etwas Negatives gemacht hat», dass die Jahre 1938 bis 1945 «schlechte Zeiten» gewesen seien, ihre Beurteilung aber «Anschauungssache» ist und dass Meinrad Pichlers (sehr ausgewogener) Text zum Thema «diffamierend», «verwerflich» und «ungerecht den Verwandten gegenüber» sei. Und: «Ich füge mich radikaldemokratisch.» Ekkehard Muther von «Die Grünen Bregenz» diagnostizierte daraufhin: «Dr. Marent ist kein Nazi.» Natürlich nicht. Die Zitate erinnern ja weitaus mehr als an Nazidiktion an die Aussagen von ÖVP- und FPÖ-Politikern wie Graff, Haider, Gudenus oder Kampl.

Anscheinend waren alle Parteien außer den grünen Bilderstürmern dafür, das Porträt nicht abzuhängen, sondern darunter eine Plakette mit erklärendem Text anzubringen., auch die ÖVP, die nur ihren kleinen Partner nicht vergrätzen wollte.


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