Verraten und verkauft

20.06.2005 Kurt Bracharz

Die größte Bank in Österreich wird in Zukunft von Mailand aus ferngesteuert. Rekapitulieren wir, wie es dazu kam: In den letzten Jahren der rot-schwarzen Koalition waren die (schwarze) Creditanstalt und die (rote) Bank Austria die größten österreichischen Banken, wobei die letztere aus einer Fusion von Z (also der unter Häupl offenbar im Glauben, das sei eine Koalitionsbedingung der ÖVP, privatisierten Zentralsparkasse) und Länderbank entstanden war.


Die BA-CA Fusion erfolgte aus politischen Gründen, also wider alle Vernunft, indem die kleinere BA die erheblich potentere CA übernahm und nicht umgekehrt. Der damalige Vizekanzler Schüssel stimmte diesem Deal zu, um die Koalition nicht platzen zu lassen, und trug damit von Beginn an Mitschuld am folgenden Ausverkauf österreichischer Interessen. Die neue BA-CA zog Gewinne aus der Strategie der Ex-CA, hatte Probleme mit dem «Erbe» der Ex-BA (zum Beispiel mit deren russischen Inlandsschuldverschreibungen), und wurde schließlich im Zuge des ÖVP-Privatisierungswahns an die ihrerseits längst schwächelnde deutsche HypoVereinsbank verscherbelt, die am von den Österreichern aufgezogenen Ostgeschäft partizipieren wollte.

Jetzt wird die HVB von dem halb so großen und doppelt so agilen UniCredit übernommen, was den Finanzminister Grasser zuversichtlich stimmt, denn «Österreich und Italien sind sehr befreundete Nationen». (Der deutsche Wirtschaftsminister meinte, die Übernahme sei «ein Zeichen, dass sich die Banken und insbesondere die HVB nicht rechtzeitig vorbereitet haben», und Finanzminister Eichel wünschte sich die HVB in der Führungsrolle der Fusion, sagte aber nicht, wie das bei einer Bank an der 26. Stelle im europäischen Ranking gehen könnte.)

Die italienischen Banken mögen heute seriöser sein als vor fünfundzwanzig Jahren, die italienische Regierung ist es ganz gewiss nicht, und es war die Gesamtwirtschaftslage des Stiefels, die den «Economist» erst neulich über Italien als «Den wirklich kranken Mann Europas» titeln ließ.


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