Schauergeschichten

... erzählt Chris Priestley, ein ausgewiesener Grusler aus Cambridge, und David Roberts illustriert sie mit feinen Linien und Strichen. Nach «Onkel Montagues Schauergeschichten» sind es jetzt solche «vom Schwarzen Schiff», weitere, «aus dem Schlund des Tunnels», folgen im März 2012.


1. Die Story: Angst und Entzücken, Spannung und Schock, Albtraum und Wirklichkeit: ab zehn Lebensjahren liebäugelt der Mensch mit dem wohligen Schauer, den Gruselgeschichten über den Rücken jagen. Es ist die Zeit, ab der die Tore zur Geisterwelt offenstehen. Später schließt man diese Tore oft wieder und denkt: Am Ende ist doch alles nur erfunden so wie das Christkind. Am Ende ist es bei Priestley aber auch immer unerwartet haarsträubend. Und man denkt: Ist doch etwas dran – wie beim Christkind?!

2. Die Helden: Held des ersten Buchs ist Edgar, ein abgebrühtes Einzelkind, das Onkel Montague während seiner Internatsferien mit Geschichten füttert, die ihn das Fürchten lehren sollen. Im zweiten Buch klopft der (un)tote Jonah Thackeray während einer stürmischen Nacht an die Haustür der Halbwüchsigen Cathy und Ethan, um ihnen Seemannsgeschichten zu erzählen, die eigentlich nichts für Kinder sind. Eine Dame in Weiß übernimmt den Erzählpart im dritten Buch. Sie verkürzt Robert – er fährt aus den Ferien zurück ins Internat – die Wartezeit im Zug; der fährt nicht, sondern ist unvermutet vor einem dunklen Tunnelloch angehalten.

3. Der Sound: Priestley lässt seinen Thackeray die ungewöhnlichen Ereignisse geradlinig und griffig erzählen. Das Hörbuch rafft seinen Erzählstrom behutsam, und Wanja Mües spannt den Erzählbogen von der ersten Zeile an, sodass man unmittelbar in seinen Sog gerät.

4. Coole Worte: Schandeck, achtern, entern, kapern, Marlspieker, Großstag, Toppmast, Schmuggler, «Aye, aye, Käpt’n» – Nautik, Navigation und Piraterie haben ein beachtliches Vokabular hervorgebracht.

5. Coole Bilder: David Roberts hat ein gutes Händchen für skurrile Ghosties, hat etwa auch die von Harry Rowohlt übertragene Eddie Dickens-Trilogie von Philip Ardagh illustriert. Hier spendiert er schöne Kapitelüberschriften und traurig-schaurige Erzählbilder.

6. Zum Nachdenken: «Wenn ihr geschnappt werdet, sagt nicht, dass ihr uns je gesehen habt. Wenn doch, schneid ich euch die Eier ab.»

7. Der Autor: Chris Priestley steht in der Tradition Edgar Allan Poes so wie sein Kollege Philip Ardagh in jener Roald Dahls steht.

8. a) Das Buch: Chris Priestley: Schauergeschichten vom Schwarzen Schiff. Aus dem Englischen von Beatrice Howeg. Berlin: Bloomsbury 2011, 239 Seiten, EUR 15,90
8. b) Das Hörbuch: Chris Priestley: Schauergeschichten vom Schwarzen Schiff. Gelesen von Wanja Mües. Hamburg: Audiolino 2011, 3 CDs, 236 Minuten, EUR 16,90


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