Der ideale Mann

23.03.2012

09.12.2011 bis 01.04.2012  Schauspielhaus Pfauen

Der anerkannte Parlamentarier Sir Robert Chiltern wird wegen seines makellosen und vorbildlichen Charakters von seiner Frau als «idealer Mann» verehrt. Sie ahnt nichts – oder will nichts ahnen – von seinen dunklen Seiten, zu denen Hab- und Machtgier sowie Skrupellosigkeit gehören. Oscar Wildes sarkastische Komödie «Der ideale Mann» von 1895 ist seit dem 9. Dezember als Schweizerische Erstaufführung der Neufassung von Elfriede Jelinek im Pfauen zu sehen sein.


Sir Robert Chiltern machte sein immenses Vermögen, indem er einem wesensverwandten Börsenspekulanten wichtige Kabinettsgeheimnisse anvertraut hatte. Es gelingt ihm, sein damaliges Vorgehen geheimzuhalten, bis Mrs. Cheveley, eine ehemalige Schulkollegin Lady Chilterns, auftaucht. Sie erpresst Robert mit seinem brisanten Geheimnis, um seine Unterstützung für ein Projekt zu gewinnen, in das sie eigenes Geld investiert hat. Roberts engstem Freund, Lord Arthur Goring, der selbst einmal kurz mit Mrs. Cheveley intim war, gelingt es schliesslich, die unbequeme Erpresserin auszutricksen …

Oscar Wildes «An Ideal Husband» wurde 1895 am Londoner Haymarket Theatre uraufgeführt. Der Titel dieser von Erpressung, politischer Korruption und Heuchelei erzählenden Komödie lautete im Deutschen üblicherweise «Der ideale Gatte» oder «Ein perfekter Ehemann»; Elfriede Jelinek nennt ihre Neufassung, die nach der Uraufführungsinszenierung durch Barbara Frey am 23. November 2011 am Wiener Burgtheater, in der Schweiz erstmals aufgeführt wird, «Der ideale Mann».

Und das ist nicht der einzige Unterschied: Wie schon in Elfriede Jelineks Bearbeitung von Oscar Wildes «The Importance of Being Earnest» («Ernst ist das Leben») bilden monströse Männer und Frauen die Bestandteile einer emotional und intellektuell ausgehöhlten, selbstgerechten Gesellschaft, die gerade deshalb so reibungslos funktioniert, weil jeder sich nur noch für sich selbst und sein eigenes Fortkommen interessiert. So erscheint die politische Intrige nicht als Ausnahme, sondern als wesenhafter Bestandteil der Politik. Und die Unfähigkeit zur Menschlichkeit als prägendes Charakteristikum des Menschen.

Tina Lanik wurde 1974 in Paderborn geboren, wuchs in Stuttgart auf und studierte Politikwissenschaft an der Universität Wien. Ursprünglich wollte sie in den diplomatischen Dienst treten, hospitierte dann aber bei Elmar Goerden und wurde von ihm als Regieassistentin ans Schauspielhaus Wien empfohlen. Nach Assistenzen in Stuttgart, Wien und Lausanne gab sie mit der «Belgrader Trilogie» von Biljana Srbljanovic am Rabenhof Theater in Wien ihr Regiedebüt.

2002 begann ihre Arbeit für das Bayerische Staatsschauspiel in München, 2003 wurde sie in der Kritikerumfrage der Zeitschrift «Theater heute» zur Nachwuchsregisseurin des Jahres gewählt. Sie inszenierte bereits u.a. am Schauspielhaus Bochum, am Theater am Neumarkt Zürich, am Deutschen Theater Berlin, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Wiener Burgtheater, dem Schauspiel Frankfurt, am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Schauspiel Hannover.

Für Tina Lanik ist «Der ideale Mann» die erste Auseinandersetzung sowohl mit dem Werk von Oscar Wilde als auch mit der Sprache von Elfriede Jelinek, der Literaturnobelpreisträgerin von 2004.


Der ideale Mann von Oscar Wilde
Deutsche Fassung von Elfriede Jelinek
nach einer Übersetzung von Karin Rausch
Schweizerische Erstaufführung
Regie: Tina Lanik
Premiere: Fr 9. Dezember 2011

Weitere Vorstellungen:
12./ 14./ 23./ 27./ 31. Dezember 2011
8./ 9./ 19./ 23./ 26./ 27. Januar 2012
11./ 14./ 20./ 23./ 24./ 29. Februar 2012
14./ 24./ 25. März 2012
1. April 2012

Schauspielhaus Pfauen
Rämistrasse 34
CH-8001 Zürich
T: 0041 (0)44 258 72 39
F: 0041 (0)44 259 72 39
W: http://www.schauspielhaus.ch

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