Mord in Carnuntum

... «Ist das für mich?» – «Ja, wenn du zur pueritia zählst, also zur Altersgruppe um die 12, wenn du noch nicht adoleszent bist oder gar adult, aber eben auch nicht mehr juvenil. Dann ist das ein echt guter Gorilla für dich!»


1. Die Story: Dies ist ein Buch mit Stil, genauer: mit stilus. «Griffel» würden wir auf Deutsch sagen, und es wäre nicht schlecht, wenn du dieses Buch in die … Finger bekommen würdest. Es führt uns – der Titel sagt es – nach Carnuntum, weitab von jenem dubiosen Gallier-Dorf in Armoricum, wo die Römer immer bloß spinnen und die Dummen sind und das sich von Julius Caesar nicht befrieden lässt. Kaiser ist der große Denker Marc Aurel; und wie es mit großen Denkern so geht, er soll ermordet werden, damit nur ja kein Friede mit den Markomannen herzustellen ist.

2. Die Helden: «Kommt, reicht einander die Hände!», so führt aber eben gerade er die Geschichte zu einem guten Ende. Er wendet sich damit nicht an sein Imperium, sondern an zwei verschwindend kleine Teile davon: an die Römerin Julia und an den Markomannen Ballomar, beide pueril und einander in Liebe zugetan – eine frei erfundene Utopie, aber «die Ereignisse könnten sich zugetragen haben».

3. Der Sound: Was macht den Gorilla-Sound eigentlich aus? Zur Erklärung: Das ist der Sound einer Reihe von Jugendbüchern, pueril oder adoleszent, die der Österreichische Buchklub der Jugend unter diesem tierischen Rubrum herausgibt. Für die Sekundarstufe I. Das ist eine klare Ansage. Es handelt sich nicht so sehr um noble, «foine» Literatur, die eigentlich all-age-books meint und auf Adulte schielt; Beispiel: Richard Platts «Mein Leben auf dem Piratenschiff» (Carlsen) oder Mats Wahls «Der Unsichtbare» (Hanser) sind sicher aufwändiger gemacht als «Mord in Carnuntum» oder «Jonas ist weg». Aber: Diese beiden Gorilla-Bände sind wie unser drittes Test-Lesebuch «Wer ist Adam Kant?» griffig formuliert und ohne Berührungsangst vor den anvisierten Lesern, der pueritia: klare Botschaften, Bücher, die den/die Leser/in altersgemäß packen und die er auch tatsächlich lesend packt.

4. Coole Worte: Natürlich ertönt in Carnuntum so manches lateinische Wort. Aber bleiben wir bei den Markomannen, bleiben wir bei den «in der Mark, d. h. an der Grenze, wohnenden Männern». Wenn wir wollen, kommen wir von denen zur D-Mark, zum Mars, zum Marzipan und irgendwie auch zu Marc Aurel zurück.

5. Coole Bilder: Satz und Grafik sind einnehmend gestaltet, ganz so wie der Inhalt.

6. Zum Nachdenken: «Die heimliche Hauptstadt des Imperiums ist nämlich Carnuntum. Deshalb sollt ihr morgen unter Fanfarenklängen in einer kaiserlichen Sänfte durch die Stadt getragen werden. Das Volk soll euch zujubeln und sich ein Beispiel an eurer Freundschaft nehmen.» (Marc Aurel)

7. Das Buch: Christoph W. Bauer, Reinhold Embacher: Mord in Carnuntum. Wien: Buchklub Verlags- und MedienvertriebsgmbH 2010 (Buchklub GORILLA Band 37), 127 Seiten, wie alle Gorilla-Bände wohlfeil im Preis (EUR 6,00)

8. Die AutorInnen: Mit Bauer und Embacher sind Profis am Werk. Zusätzlichen Lesestoff im Netz gibt’s auf www.buchklub.at/magazine/gorilla. Von dort ist es dann nur noch ein Katzensprung auf cewebe.com


-

  •  

  •  

  •  

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.