Molière im Vorarlberger Landestheater

22.12.2011

25.11.2011 bis 03.01.2012  Vorarlberger Landestheater

Der Tartuffe oder Der Betrüger (Originaltitel: Tartuffe ou L'Imposteur) ist eine fünfaktige Komödie in Versen des französischen Dichters Molière (eigentlich Jean-Baptiste Poquelin), die am 12. Mai 1664 in einer ersten Version uraufgeführt wurde. Diese erste Version löste auf Grund ihrer drastischen und für die damalige Zeit revolutionären Kritik religiösen Heuchlertums einen Skandal aus, der zum Verbot der ersten und einer zweiten Fassung des Stücks führte, die 1667 aufgeführt wurde. Erst eine im Handlungsverlauf deutlich korrigierte dritte Fassung entkam mit Unterstützung Ludwigs des XIV. der Zensur. Diese dritte Fassung ist die heute geläufige; die beiden ersteren sind verloren.


Tartuffe, ein gerissener, charismatischer Schwindler, nistet sich unter Vorspiegelung von fundamentaler Frömmigkeit in die Familie des Orgon und ins Vertrauen des Hausherrn ein. Er entfremdet Orgon seiner Frau und seinen Kindern, lässt sich die Hand der Tochter versprechen, gleichzeitig macht er sich an die Hausherrin heran und erschleicht sich das Vermögen des gutgläubigen Hausherrn. Am Ende steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür und der Familie droht der vollkommene Ruin. Dabei ist Tartuffe das, was er spielt: gefräßig, macht- und geldgierig, lüstern mit frommem Augenaufschlag, die Bibel und die Hand von Orgons Ehefrau Elmire drückt er mit der gleichen Inbrunst an sich. Mächtig und einflussreich wird er durch die Konsequenz seines Auftretens.

Zwar wird er von Anfang an von den meisten Familienmitgliedern durchschaut, doch seine Gegenspieler sind gespalten durch widerstreitende Familieninteressen oder strategische Rücksichten. Tartuffe konzentriert in sich das doppelbödige Spiel mit den Möglichkeiten einer parasitären Existenz in einer Gesellschaft, deren religiöses Leben sich in mehrere Glaubensrichtungen aufgespaltet hatte. Überlegen, überlegt und mit unglaublicher Virtuosität beutet er ein mit schalen Frömmigkeitsbedürfnissen aufgefülltes ideologisches Vakuum, die Sinnkrise des Hausherrn Orgon für sich aus.

Die Komödie zeigt nicht nur, wie sich ein Heuchler mit List und Tücke durchsetzt, mit einem genialen Kunstgriff der Verschiebung macht Molière nicht den Scheinheiligen, sondern das Opfer zum eigentlichen Protagonisten der Handlung. Der Tartuffe nimmt gerade deshalb eine herausragende Stellung in Molières Theater ein, weil hier nicht einfach eine in irgendeine Chimäre verrannte Person vorgestellt wird, sondern zugleich geschildert wird, wie jemand zu einer derartigen Wahnidee überhaupt gebracht wird, wie er sich immer mehr in ihr verstrickt.

Molières «Tartuffe» verhandelt die Ununterscheidbarkeit von Schein und Sein, von Maske und Person und die daraus resultierende Verblendung, zugleich ist dieses Spiel von Sein und Schein auch eine Diskussion der Möglichkeiten des Theaters und der Bühne als Meisterin der Illusionen. Das Spiel im Spiel ist ein tragendes Strukturelement der Komödie, bis hin zur Entlarvung des Heuchlers und der Auflösung der Intrige durch positiv, aber ebenso raffiniert eingesetzte Verstellungskunst.


Tartuffe von Molière
Premiere: 25. November 2011, 19.30 Uhr
Regie: Steffen Jäger
Bühne: Paul Lerchbaumer
Ausstattung: Aleksandra Kica

Weitere Aufführungen:
27. November 2011
7./ 10./ 16/. 22./ 31. Dezember 2011
3. Januar 2012

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