Weiter Träumen

05.01.2012

22.10.2011 bis 11.01.2012  Schauspielhaus Pfauen

Der Schriftsteller und Dramaturg Thomas Jonigk zeigt in seinem neuen, für das Schauspielhaus Zürich geschriebenen Stück «Weiter Träumen» die Intensivstation eines Krankenhauses als Verhandlungsraum des Lebens – und als Ort der Komödie, an dem von unerfüllten Wünschen, Sehnsüchten, Hoffnungen und verpassten Chancen erzählt wird. Und von der Liebe, die die einzige Möglichkeit bleibt.


Eine Frau wacht im Krankenzimmer bei ihrem Mann, der ins Koma gefallen ist – und erschrickt plötzlich bei der Vorstellung, dieser könne als der aufwachen, der er in ihrer 32-jährigen Ehe viel zu lange gewesen ist. Unverhofft tritt ein anderer, deutlich jüngerer Mann in ihr Leben und imaginiert eine gemeinsame Zukunft voller Leidenschaft, Erotik und Sexualität...

Weihnachten. Karl Bockmann liegt im Koma. Silvia, seit 32 Jahren mit ihm verheiratet, sitzt auf der Intensivstation und wartet auf sein Erwachen. Doch ob er das tun wird, ob gesundheitliche Schäden zurückbleiben werden – diese Fragen geistern als Schreckgespenster durch ihren Kopf. Am meisten aber erschrickt sie, als ihr klar wird, dass sie Angst hat, ihr Mann könne wieder aufwachen, und der sein, der er vor dem Koma gewesen ist. Die Angelegenheit wird durch das Auftauchen von Hans nicht eben leichter. Schon nach kurzer Zeit gesteht er der überrumpelten Silvia seine Liebe und plant eine gemeinsame Zukunft voller Leidenschaft, Erotik und Sexualität, also mit allem, was Silvia seit langer Zeit vermisst und sich aufgrund ihres Alters nicht mehr eingestanden hat.

Die Tatsache, dass Hans nach einem Selbstmordversuch eingeliefert wurde und in manchen Widerspruch verstrickt ist, führt auf Silvias Seite zu immer grösserer emotionaler Überforderung. Mehr und mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Traum, Koma und Wachzustand. Die Sehnsüchte der Männer und Frauen, die sich an diesem Ort begegnen, scheinen sich zu ähneln, auch wenn ihre Lebensmodelle unterschiedlich sind. Wie Traumgestalten wandeln die Figuren in «Weiter Träumen» durch die Flure der Station und konfrontieren sich gegenseitig mit ihren Lebensträumen und -lügen.

Thomas Jonigk, 1966 in Eckernförde geboren, studierte Mediävistik, Neuere Deutsche Literatur und Theaterwissenschaft in Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Theater- und Romanautor sowie Librettist arbeitet Jonigk auch als Dramaturg und Regisseur. Jonigks Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit vielen Preisen ausgezeichnet. Als Musikdramaturg arbeitete er u.a. an der Opéra National de Lyon, der Deutschen Oper am Rhein und bei den Salzburger Festspielen. Mit «Biokhraphia» stellte sich Thomas Jonigk, der seit Beginn der Intendanz von Barbara Frey als Autor und Dramaturg am Schauspielhaus Zürich tätig ist, in der Spielzeit 2010/11 dem Zürcher Publikum erstmals auch als Regisseur vor. Ausserdem war 2011 sein Stück «Täter» (Regie Daniela Löffner) in der Box des Schiffbaus zu sehen.

Christof Loy, geboren 1962 in Essen, studierte Musiktheaterregie an der Folkwang Hochschule sowie Philosophie, Kunstgeschichte und italienische Philologie in München. Seit 1990 ist er freischaffender Regisseur. Seine Stuttgarter Inszenierung von Marivaux‘ «Triumph der Liebe» wurde 1997 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. In den letzten Jahren inszenierte Loy hauptsächlich Musiktheater. 2008 wählten ihn die Kritiker der Fachzeitschrift «Opernwelt» zum dritten Mal zum Opernregisseur des Jahres. Im selben Jahr erhielt er den Theaterpreis «Faust» für seine Frankfurter Inszenierung von Mozarts «Cosi fan tutte». Zuletzt inszenierte Loy im Sommer 2011 Richard Strauss’ Oper «Die Frau ohne Schatten» bei den Salzburger Festspielen. Am Schauspielhaus Zürich wandte er sich 2009/10 mit Claudels «Der Tausch» nach längerer Zeit erstmals wieder dem Schauspiel zu.


Weiter Träumen von Thomas Jonigk
Uraufführung, Regie: Christof Loy
Premiere: Sa 22. Oktober 11, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen:
24./ 28./ 31. Oktober 2011
5./ 6./ 15./ 20./ 24./ 26./ 28./ 30. November 2011
6./ 15./ 16./ 29. Dezember 2011
5./ 11. Januar 2012

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