Endspiel

23.12.2011

30.09.2011 bis 04.01.2012  Schauspielhaus Pfauen

Zwei Männer, der gelähmte und blinde Hamm und sein gehbehinderter Diener Clov, sowie Hamms Eltern Nell und Nagg, die ohne Beine in Mülltonnen vegetieren, bilden ein apokalyptisches Gespann in Samuel Becketts «Endspiel». Inszeniert von Stefan Pucher, ist das Stück ab dem 30. September im Pfauen zu sehen. Mit ihm knüpft zugleich ein Regisseur der jüngeren Generation an die grosse Beckett-Tradition am Schauspielhaus an.


«Innenraum ohne Möbel. Trübes Licht. An der rechten und linken Wand im Hintergrund je ein hoch angebrachtes Fensterchen mit geschlossenen Vorhängen. Vorne rechts eine Tür. Vorne links stehen zwei mit einem alten Betttuch verhüllte Mülleimer nebeneinander. In der Mitte sitzt Hamm in einem mit Röllchen versehenen Sessel. Clov steht regungslos in der Nähe der Tür und betrachtet den Sessel.» Mit diesen Regieanweisungen beginnt Samuel Becketts «Endspiel» – sie enthalten beinahe alles, was in diesem Stück zu sehen sein wird.

Ein apokalyptisches Szenario, das umso beklemmender wirkt, als sich die vier Figuren herrlich mit ihrer Situation als letzte Überlebende in einem ansonsten toten Universum arrangiert zu haben scheinen. Ihre Lage mag aussichtslos und verzweifelt sein, aber die Gewöhnung hat zu neuen Möglichkeiten geführt: zu immer neuen Spielarten der Gehässigkeit und der Zuneigungsbekundung, zu Möglichkeiten der Wiederholung und der Variation, zu den Möglichkeiten eines Endspiels.

Als «Endspiel» in französischer Originalsprache 1957 in London uraufgeführt wurde, war Samuel Beckett bereits als Autor von «Warten auf Godot» bekannt und umstritten – auch in Zürich, wo ihn Uraufführungsregisseur Roger Blin und Werner Düggelin durchsetzten. Becketts Stücke – neben den genannten vor allem «Das letzte Band» und «Glückliche Tage» – haben durch ihren radikalen Verzicht auf dramaturgisch begründete Handlung und dramatische Zeitstrukturen das Theater revolutioniert und eine neue Theaterform etabliert.

Stefan Pucher, 1965 in Giessen geboren, studierte Theaterwissenschaft und Amerikanistik in Frankfurt. Er erarbeitete verschiedene Performance-Projekte, so am TAT in Frankfurt am Main und mit der britischen Gruppe «Gob Squad». Pucher inszenierte u.a. am Theater Basel, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, an der Volksbühne Berlin, den Münchner Kammerspielen und am Schauspielhaus Zürich, wo er von 2000 bis 2004 Hausregisseur war.

Seine in dieser Ära entstandenen Inszenierungen von Tschechows «Drei Schwestern», Shakespeares «Richard III.» und Max Frischs «Homo Faber» wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen, ebenso seine Inszenierung von William Shakespeares «Der Sturm» an den Münchner Kammerspielen (2008). Am Schauspielhaus Zürich brachte Pucher ausserdem das Projekt «The Iron Curtain Star» mit Alexander Scheer auf die Bühne und inszenierte Shakespeares «Der Kaufmann von Venedig», «Die Perser» von Aischylos sowie 2010 «Tod eines Handlungsreisenden» von Arthur Miller, das 2011 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde.


Endspiel von Samuel Beckett
Regie: Stefan Pucher
Premiere: Fr 30. September 11, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen:
4./ 7./ 8./ 12./ 14./ 16./ 20./ 23./ 25. Oktober 2011
3./ 4./ 7./ 13./ 14./ 17./ 25. November 2011
2./ 11./ 19. Dezember 2011
4. Januar 2012

Schauspielhaus Pfauen
Rämistrasse 34
CH-8001 Zürich
T: 0041 (0)44 258 72 39
F: 0041 (0)44 259 72 39
W: http://www.schauspielhaus.ch
  • (c) Foto: Matthias Horn
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