Sagenhaft: zuerst Tirol, dann Vorarlberg, jetzt Wien!

11.10.2007

(Zirl/Innsbruck) Parallel zu den von Jakob Kirchmayr genial illustrierten Buchausgaben neu erzählter Sagen aus Österreich erscheinen im Label Tyrolis Hörbücher. Der guten Dinge sind 3 aus 9: Tirol, Vorarlberg und Wien. Ein Zwischen-Hörbericht.


Sagen erklärten uns schon immer Namen, historische Begebenheiten, seltsame Gebäude oder geologische Gegebenheiten in phantasievollen Geschichten; berichteten von übernatürlichen Wesen und hatten etwas Gruseliges. Nie ward ihren Helden zum Finale ein Königreich beschert oder zumindest eine hübsche Braut. Nein, hier war zum Schluss stets Unglück und Bestrafung zu erwarten. Alle Einzelheiten kannten die Sagen-Erzähler vom Hörensagen, und den Zuhörern ihrerseits rieselte beim Sagenhören ein Schauern über den Rücken. Und diesen Schauder gaben sie dann im Erzählen wieder weiter. «Die Sage», so sagte Hesiod, der erste namentlich bekannte europäische Schriftsteller, «ist eine unsterbliche Göttin», und zwar weil sie «der Völker redende Lippe umschwebt».

Im Jahr 2005, als Michael Köhlmeier sich daran machte, den Österreicherinnen und Österreichern österreichische Sagen via Ö1 zu erzählen, hatten sich auch andernorts Menschen darauf zurückbesonnen, dass derlei Volkssagen gerne gelesen und gehört werden. Die einen, der Verlag Tyrolia, waren für das Geschriebene, die anderen, das Label Tyrolis, für das Gelesene zuständig. Der Verlag engagierte zunächst einmal einen exzellenten Illustrator, Jakob Kirchmayr, der dafür sorgte, dass gleich die erste Buchausgabe – «Tiroler Sagen» – prämiert wurde. Die Neufassung stammt von Brigitte Weninger, einer bewährten Bilderbuchautorin. ORF-Dancing Star Zabine Kapfinger hat nochmals artikulatorisch-redaktionell eingegriffen, als sie die Texte auf CD sprach.

2006 erzählte dann Liedermacher und Kinderbuchautor Bernhard Lins «Vorarlberger Sagen» nach. «Was mich so fasziniert, ist diese alte Welt mit ihren Ängsten und dem Aberglauben, und mit vielen heidnischen Dingen, die das Christentum offensichtlich nicht wegbringen konnte, die weiterhin existiert haben», erklärte er gegenüber dem ORF Vorarlberg, welcher den Rankweiler Musiker und Kabarettisten Markus Linder zum Sprecher einer Auswahl von 22 Sagen auf CD erkor. Den erzählerischen Part spricht Linder wie Zabine in hochdeutscher Sprache, die direkte Rede in Dialektvarianten mit regionaler Akzentfärbung. Angeblich erfolgten während der Aufnahmen immer wieder Anrufe in die entsprechenden Regionen, um authentisch zu sein.

Der Aufwand hat sich jedenfalls gelohnt, die Tiroler Sagen-Damen liegen gegenüber den bravourösen Vorarlberger Herren nicht ganz auf gleicher Höhe: Weninger ist etwas traditionell, Zabine etwas eintönig. Man konnte gespannt sein auf Gregor Seberg, der den Sprecherpart für die «Wiener Sagen» übernahm, die wiederum Brigitte Weninger nacherzählte. Der Kabarettist und Oberstleutnant Helmuth Nowak der SOKO Donau/Wien liest geradlinig und unaufgeregt, ja, und eigentlich ist es ja auch nur billig, hier die eine gegen eine andere Aufnahme auszuspielen. Jede hat ihren Charme und ist insbesondere deshalb auch schön, weil die musikalischen Beilagen beste Wahl sind: In Tirol werkt Manu Delago an Marimba und Hang, in Vorarlberg Charly Bonat an der Stromgitarre, in Wien setzen gleich vier Musikanten von bratfisch eins drauf. Nachgerade sagenhaft. (bs)













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