Das Amulett von Samarkand

... ist der erste Band der fulminanten Bartimäus-Trilogie des britischen Autors Jonathan Stroud. Der liegt jetzt in zwei Bearbeitungen vor: als Graphic Novel und als Hörspiel – ein malerischer und ein akustischer Einbruch ins fantastische Land des Lesefutters.


1. Die Story: «Jeder, der heute Fantasy schreibt, tut es im Schatten von Harry Potter», meinte Stroud selber einmal (und dieses «Heute» gilt immer noch); aber mit seinem, besonders in den Fußnoten des Romans ironisch kommentierenden Erzähl-Dschinn Bartimäus hat sich Stroud am eigenen Schopf aus dem Joanne K. Rowling-Sumpf gezogen, in dem so viele Epigonen versinken. Afriten, Dämonen, Dschinns, Foliots oder Kobolde – derlei Personal, das Strouds Londoner Zauberern zu Diensten sein muss, gibt es viel, und daneben «jede Menge magischer Spezialeffekte und Abenteuer». Es ist eine korrumpierte Welt in strenger Hierarchie, es sind Zauberer, die nur danach trachten, alle Macht an sich zu reißen, um über Ihresgleichen und die «Gewöhnlichen» zu herrschen.

2. Die Helden: Bartimäus ist also ein Dschinn, über 5000 Jahre alt, ein schelmischer Schalk, der mit allen magischen Wässern gewaschen ist: «Ich richtete die Mauern von Uruk, Karnak und Prag wieder auf. Ich sprach mit König Salomo. Ich galoppierte mit den Büffelvätern über die Prärie.» Nathanael, sein beschwörender Herr und Meister, ist ein «schmächtiger Knirps» mit «nerviger Piepsstimme». Gemeinsam legen sie dem arroganten Widerling Simon Lovelace das Handwerk. Das Amulett von Samarkand, ein «hochmagisches Artefakt von pulsierender Aura», kehrt in den Besitz des British Empire zurück.

3. Der Sound: Das Hörbuch, 430 Minuten, war gestern, die Hörspiel-Fassung schafft in 165 Minuten Hochspannung und macht wirklich was her. Kai Gies als Nathanael und Andreas Mannkopff als Bartimäus sind fesselnde Stimmen, Musik- und Soundqualität sind hervorragend. Ja, und das Rammstein-artige Intro? Heftig, aber so ist es nun einmal -> Ansehen und anhören

4. Coole Worte: «appare; mane; ausculta; se dede; pare; redi» – das sind die sechs Beschwörungsworte, die Nathanael lateinisch hersagt. Kein Wunder, dass 10-jährige Bartimäus-Leser unbedingt aufs Gymnasium wollen, um dort Latein zu lernen!

5. Coole Bilder: Lee Sullivan versteht sein Handwerk und ist ein solider Illustrator. Es ist erstaunlich, mit welchen popartigen Perspektiven Comics Dynamik erzeugen! Comic? Ja, diese Bartimäus-Version ist ein klassischer Comic, in Deutschland sagt man neuerdings Graphic Novel dazu. Eine Schauprobe gibt’s auf www.leesullivanart.co.uk.

6. Zum Nachdenken: «Im Grund geht es doch nur um Macht, Einfluss und Privilegien.» (Maurice Schyler, ein Mitverschwörer Simon Lovelaces, zu Nathanel)

7. Das (Hör-)Buch: Bartimäus. Das Amulett von Samarkand. Graphic Novel. Aus dem Englischen von Katharina Orgass und Gerald Jung. München: cbj 2011, 144 Seiten / Hörspielbearbeitung: Renate Greinacher, Musik: b.deutung und Okusa, Regie: Robert Schoen, 3 CDs, ca. 165 Minuten. München: cbj audio 2011

8. Die AutorInnen: Jonathan Stroud, 1970 im englischen Bedford geboren, arbeitete zunächst als Lektor für Kindersachbücher. Nachdem er seine ersten eigenen Kinderbücher veröffentlicht hatte, beschloss er, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Bei der Graphic Novel hat er mitgeschnitten, die Hörspielfassung war Sache eines SWR-Teams. Es lohnt sich sehr, beide Genres zu genießen, man darf genau hinschauen und -hören.

  • Jonathan Stroud; (c) Random House

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