Schwampel statt Pizza?

26.09.2005 Kurt Bracharz

Vor den Wahlen in Deutschland habe ich die täglichen Kaffeesudlesereien in den deutschen Printmedien ignoriert; dann bin ich vom Wahlergebnis überrascht worden; und jetzt finde ich es ausnahmsweise einmal ganz interessant, vor dem Wegschmeißen noch ein bisschen in alten Zeitungen zu blättern, um mich bei der Lektüre jener Prognosen wenigstens in einem Punkt bestätigt zu sehen: mit 9,8 Prozent für Guido Westerwelles Partei hatte wirklich keiner gerechnet.


Dabei war alles Mögliche kalkuliert worden, von Wowereits absurden Rot-Rot-Grün über die Pizza-Koalition (Chiffre für Schwarz-Grün, seit sich Mitte der 90er Bonner Politiker bei «Sassella» trafen und deshalb «Pizza-Connection» genannt wurden; die Internet-Domain http://www.schwarzgruen.org haben sich allerdings Österreicher sichern lassen) bis zur Schwampel, (Schwarz-Gelb-Grün). Mit einer Ampel Rot-Gelb-Grün rechnete niemand, weil Westerwelle (Gelb) sie dezidiert ausgeschlossen hatte. Ansonsten fürchteten die SPD-Kombattanten die Linkspartei (zu Recht, wie sich gezeigt hat) und die CDU-Wähler ihren angeblichen Kombattanten Stoiber (der außerhalb Bayerns so viele Sympathien und so viele Chancen hat wie Franz-Josef Strauß selig, also keine).

Ein erfahrener Journalist wie Klaus Harpprecht schrieb: «Möllemanns Erben, die mit den großen Freidemokraten von Theodor Heuss über Walter Scheel bis zu Graf Lambsdorff so gut wie nichts mehr zu schaffen haben, werden nur mit einer Mühe über die Fünf-Prozent-Hürde stolpern, und Westerwelle wird sich als das erweisen, was er ist: kein Parteichef, erst recht kein Vizekanzler (so wenig wie Möllemann einer war), sondern ein PR-Talent mittleren Ranges.»

Genau das hatte ich mir auch gedacht, aber es ist ja wohl die Zeit der Mediokren gekommen, schließlich ist Schröder auch kein Brandt und die CDU hat seit Adenauer und vielleicht noch Erhardt nichts mehr zu bieten gehabt, auch wenn Angela Merkel im Vergleich mit Figuren wie Kiesinger oder Kohl als Persönlichkeit eigentlich blendend abschneidet.


-

artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.