Buchtipp im Januar 11

22.01.2011 Irene Selhofer

«Ich erzähle eine schmutzige Geschichte und schäme mich für jedes Wort» schreibt Jacques Chessex in diesem kleinen Roman. In einer kleinen Gemeinde im schweizerischen Waadtland ist der Krieg zu spüren. Die Gegend ist geprägt von Schweinezucht und Viehandel, trotzdem geht es den Leuten schlecht. Die Menschen haben keine Arbeit, die Bank geht pleite. Eine kleine Gruppe von Dorfnazis finden im Viehhändler Bloch ihr Opfer, um an den Juden ein Exempel zu statuieren. Sie schlachten Bloch wie ein Vieh.


«Gott weiss warum» steht auf dem Grabstein. Diese sinnlose Tat lässt den Erzähler nicht ruhen, der das Geschehen als Kind erlebte. Ein Memento und Lehrstück menschlicher Bestialität.

Jacques Chessex, geboren 1934 in Payerne (Schweiz), studierte Geisteswissenschaften und lebte über Jahrzehnte in Ropraz im Schweizer Haut-Jorat. Er begann im Alter von zweiundzwanzig Jahren, nach dem Selbstmord seines Vaters, zu schreiben und gilt heute mit über 80 Publikationen (Romane, Lyrik, Essays, Kinderbücher), für die er vielfach ausgezeichnet wurde, als der bedeutendste Schriftsteller der Romandie. Chessex arbeitete außerdem als Maler und war Jury-Mitglied des Prix Médicis. Er hat als erster Nichtfranzose 1973 in Paris für sein Buch «L'Ogre» den Prix Goncourt erhalten. Am 9. Oktober 2009 starb er bei einer Veranstaltung in Yverdon-les-Bains (Schweiz).


Chessex, Jacques: Ein Jude als Exempel
Roman, Nagel und Kimche Vlg., 2010, 95 S., EUR 13.30

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