Buchtipp im November 10

13.11.2010 Irene Selhofer

Der Roman «Heldenangst» von Gabriel Chevallier erschien zum ersten Mal 1930 und wurde nun unverändert neu aufgelegt. Er ist ein erschütterndes Zeugnis eines jungen französischen Soldaten, der den Ersten Weltkrieg an der Front erleben musste. Das Aussergewöhnliche an diesem Roman ist, dass im Gegensatz zu anderen Berichten nicht Heldenmut und Patriotismus im Vordergrund stehen, sondern die Todesangst der Soldaten und die Grausamkeit und Sinnlosigkeit eines Krieges.


«Heldenangst» ist ein Antikriegsroman von 1930, dessen Neuausgabe in Frankreich 2008 hymnisch gefeiert wurde, vergleichbar mit den Werken von Remarque, Céline oder Norman Mailer: Nach dem Ersten Weltkrieg, den er als Infanterist an der Front verbrachte, beschrieb Gabriel Chevallier seine Erlebnisse in Romanform: Der junge Student Jean Dartemont wird eingezogen und an die Front geschickt, und dort bleibt er vier Jahre lang, unterbrochen nur von einem Lazarettaufenthalt. Monatelang harrt er mit seinen Kameraden in den Schützengräben aus, bedroht von Kugeln, Kälte, Durchfall und grenzenloser Angst.

Bei seinem Ersterscheinen löste der Roman seiner Direktheit wegen einen Skandal aus und wurde angesichts des neuen Krieges 1939 zurückgezogen. Er entwickelt einen Sog, der einen nicht los lässt. Dass viele Männer nicht erzählen konnten, was sie im Krieg erlebt haben, kann ich mir nach diesem Buch gut vorstellen. Ein eindringlicher Antikriegsroman, erschreckend aktuell und dringend empfohlen. Jetzt ist er erstmals auf Deutsch zugänglich.

Chevallier, Gabriel: Heldenangst. Roman
Nagel und Kimche Verlag, 2010, 425 S., EUR 25.60

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