mixtvision

... ist ein Münchener Verlag, den Sebastian Zembol 2005 gründete. Wie der Verlagsname sagt, hat man durchaus gemischte Visionen von marktgängiger Ware. «Crossmedialität» heißt das Stichwort, «Mehr als Lesen!» der Slogan. Einblicke in mixtvision-Produkte.


1. Die Story: Da ist zunächst einmal KeinBuch. Irgendwie ist das einerseits ein Prototyp der seit einiger Zeit trendigen Ausfüll- und Reinschreibebücher, andererseits auch gleich schon eine andere, subversive Vision. Der Autor von KeinBuch wird pro neuem Seitenpaar zu (herkömmlichen Büchern abträglichen) Aktionen aufgefordert, «Brenne ein Loch in diese Seite» zum Beispiel, oder «Lass deine Wut am Buch aus». Es gibt zwischenzeitlich bereits zwei KeinBücher, ein drittes, «KeinBuch Ich & Du» ist ab Oktober 2010 auf dem Weg. Muss man erwähnen, dass KeinBücher kult sind?

2. Der Held: heißt Paul, also: der Held in «Die große Wörterfabrik». Er soll hier deshalb namentlich genannt werden, weil er der Held jener wunderbaren Liebesgeschichte ist, welche dieses Buch der Belgierin Agnès de Lestrade auch ist. Paul lebt in einem Land, in dem die Menschen fast gar nicht reden. Wörter werden in der großen Wörterfabrik hergestellt, müssen gekauft und geschluckt, um gesprochen zu werden. Sprechen ist teuer, sofern man nicht bloß weggeworfene Wörter wie «Hundekacka» oder «Hasenpipi» in den Mund nimmt. (Die findet man in Mülleimern.) «An manchen Tagen» aber, so weiß de Lestrade zu berichten, «fliegen Wörter durch die Luft. Die Kinder fangen sie dann mit ihren Schmetterlingsnetzen ein. Sie sind stolz, wenn sie ihren Eltern beim Abendessen einige Wörter sagen können.» Paul hat sich so das Wort «nochmal» eingefangen, und jetzt, wo ihn Marie geküsst hat, sagt er es auch.

3. Der Sound: Quatsch-Frosch – der kleine Bruder von Holger Böschs erfolgreichen «black stories» – ist grün, orange, rot oder blau – je nachdem. Gleich welche Farbe: Die Titel und Geschichten sind auch hier eher schräg.

4. Coole Worte: «Kirsche», «Staub», «Stuhl» (allerdings nur für Paul in Agnès de Lestrades «Die große Wörterfabrik»).

5. Coole Bilder: Valeria Docampos Bilder zu diesem wortkargen Land sind eindringlich düster und anrührend schön. Man möchte die Originale besitzen. Logisch, dass bei sämtlichen Produkten auf die illustrative Seite ebenso viel Wert gelegt wird wie auf die textliche.

6. Zum Nachdenken: «Der kleine Kasimir will ein Stück Käse essen – und schreit auf. Warum?» Das ist eine Rätselfrage aus dem roten Quatsch-Frosch. Und die Lösung? Ausnahmsweise gleich hier: «Der kleine Kasimir hat ein Stück Käse entdeckt, das als Köder in einer Mausefalle lag. Und genau da hat er sich jetzt den Finger eingeklemmt! Autsch!»

7. Die Ware: Kerstin Kempf (Redaktion), Stephanie Rothmeier (Grafik und Gestaltung): KeinBuch Ich & Du. 2 x 43 Dinge, die ihr schon immer gemeinsam mit einem Buch tun wolltet, aber nie durftet. 2 Bücher im Bundle, 2 x 88 Seiten, durchgängig illustriert; Agnès de Lestrade/Valeria Docampo: Die große Wörterfabrik. Aus dem Französischen von Anna Taube. 36 wunderbare Seiten; Eva Hierteis, Ulrike Rogler, Simone Veenstra (Text), Ann Cathrin Raab (Illustration): Quatsch-Frosch. 33 Rätselkarten in Stülpdeckelbox

8. Weitere Infos: http://www.keinewebsite.com und http://www.mixtvision-verlag.de. mixtvision wurde 2009 mit dem Bayerischen Kleinverlagspreis ausgezeichnet. (bs)


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