Akira Kurosawa: Samurai-Edition

16.10.2008 Walter Gasperi

Das Werk des 1998 verstorbenen japanischen Meisterregisseurs lässt sich bis zu einem gewissen Grad in gesellschaftskritische, in der Gegenwart spielende und historische Filme einteilen. Fünf Meisterwerke der letztgenannten Richtung, im Speziellen Samuraifilme, hat KSM nun in einem Digipak herausgebracht.


Unbestritten zu den großen Klassikern der Filmgeschichte gehören Werke wie «Die sieben Samurai» (1954) oder «Yojimbo, der Leibwächter» (1960). Studieren kann man aber nicht nur an diesen Actionfilmen mit humanistischen Gehalt, wie das Kino Kurosawas das westliche Kino beeinflusst hat. Denn wie «Die sieben Samurai» John Sturges als Vorlage für seinen Western «Die glorreichen Sieben» (1960) diente und Sergio Leone mit «Für eine Handvoll Dollar» (1964) ein lupenreines Remake von «Yojimbo» schuf, so regte auch der ebenso spannende wie komödiantische, wunderbar leichthändig inszenierte Abenteuerfilm «Die verborgene Festung» (1958) George Lucas zu «Star Wars» (1977) an. Unübersehbar dienten beispielsweise die beiden etwas trotteligen und immer nur auf den eigenen Vorteil bedachten Bauern, die einen Samurai bei der geheimen Reise mit einer von Feinden gejagten Prinzessin begleiten müssen, Lucas als Vorbild für seine schrulligen Roboter R2D2 und C3PO.

Andererseits kann man an einem Film wie «Das Schloss im Spinnwebwald» (1957) aber auch wieder sehen, wie das Kino Kurosawas von der westlichen Kultur, im Speziellen von Shakespeare beeinflusst ist. Nah am Original transponiert Kurosawa hier «Macbeth» ins japanische Mittelalter, lässt einen Mann, von der Prophezeiung einer Hexe und der Machtgier seiner Frau verleitet, zum Verbrecher werden, der freilich wie bei Shakespeare sein Ende findet als sich dem Anschein nach der nahe Wald auf seine Burg zu bewegen beginnt.

Studieren kann man an diesen Filmen, aber auch an «Sanjuro» (1962), in dem ein erfahrener und souveräner, aber des Kämpfens müder Samurai neun heißblütige junge Kollegen beim Kampf gegen Korruption und Intrigen am Fürstenhof unterstützt, die Meisterschaft Kurosawas in der Bildkomposition und sein Gespür für Raumaufteilung. Bewusst macht einem der Fernsehschirm dabei freilich auch, wie sehr die Filme Kurosawas von der großen Leinwand leben und dass sie nur im Kino ihre ganze Wirkung entfalten können.

Dennoch sieht man auch auf dem kleinen Bildschirm, wie fulminant beispielsweise die Lichtführung in «Das Schloss im Spinnwebwald» oder wie meisterhaft die Beherrschung des Tempos und der genaue Wechsel von Action und Ruhe in «Die verborgene Festung» ist. Immer noch auf der Höhe der Zeit ist die Inszenierung eines langen Zweikampfs mit Speeren in diesem Abenteuerfilm, fulminant die Schwertkampfszenen in «Sanjuro».

Und neben aller Action durchzieht diese Filme immer auch ein tiefhumanistischer Gehalt. Da setzen sich «Die sieben Samurai» für die von einer Banditenbande ausgebeuteten Bauern ein, da wird der Machtgier in «Das Schloss im Spinnwebwald» ebenso eine Absage erteilt wie der Geld- und Goldgier in «Die verborgene Festung». Das Gute im Menschen prallt in den Filmen Kurosawas immer auf das Schlechte und plädiert wird dabei für Mitmenschlichkeit und uneigennützigen Einsatz für den Nächsten ebenso wie für Gewaltverzicht. Müde ist der Samurai in «Sanjuro», längst möchte er nicht mehr kämpfen, doch die Umstände zwingen ihn dazu. Mit der Kampfeslust seiner jungen Kollegen kann er nichts anfangen und am Ende wird er sie mahnend auffordern das Schwert für den Rest ihres Lebens in der Scheide zu lassen.

Angesichts der Qualität dieser Samurai-Filme an sich, die alle über die deutsch untertitelte japanische Originalfassung sowie die deutsche Synchronfassung verfügen, kann man es verschmerzen, dass die Extras etwas dürftig sind. Diese beschränken sich bei «Die verborgene Festung», «Das Schloss im Spinnwebwald», «Sanjuro» und «Yojimbo» auf Fotos aus den Filmen, bei «Die sieben Samurai» gibt es dazu noch den Trailer der deutschen Erstaufführung sowie – allerdings nur als Textmaterialien und ohne bewegte Bilder – Hintergrundinformationen zum Film und Biographien des Regisseurs und der Schauspieler. Großes Plus ist dann aber, dass bei «Die sieben Samurai» sowohl die 193 minütige japanische Fassung (mit deutschen Untertiteln) als auch die 153 minütige deutsche Fassung angeboten wird.

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