Jack Arnold Western Collection

18.09.2008 Walter Gasperi

Berühmt ist Jack Arnold für seine Science-Fiction und Horrorfilme. Kultstatus genießen «Creature from the Black Lagoon», «Tarantula» oder «The Incredible Shrinking Man». Weniger bekannt sind die fünf Western, die Arnold zwischen 1955 und 1975 drehte. Drei davon hat Koch-Media nun auf DVD herausgebracht.


Dass Orson Welles so dominant das Cover des Digipacks ziert, sagt wohl Einiges über den Marktwert Jack Arnolds aus. Mit dem Namen des Regisseurs glaubt man hier kaum Käufer anzulocken, herhalten muss ein überdimensionaler Mythos der Filmgeschichte. Welles spielt zwar in «Des Teufels Lohn» («Man in the Shadow», 1957) neben Jeff Chandler die Hauptrolle, doch drückt er diesem Film nicht so den Stempel auf, wie beispielsweise «The Third Man». Erfreulich zurückhaltend agiert Welles in der Rolle des autokratischen Ranchers, der mit seinem wirtschaftlichen Einfluss eine ganze Kleinstadt kontrolliert. Mehr Krimi als Western ist dieser schwarzweiß, aber in Cinemascope gedrehte Film, denn die Handlungszeit sind die 1950er Jahre und statt Pferden benützt man folglich Autos zur Fortbewegung. Nur das texanische Ambiente und die Konfrontation von Sheriff und Großrancher sind hier Western-Elemente.

Geschickt, aber nie aufdringlich packt Arnold in die geradlinig und schnörkellos erzählte Geschichte eines Sheriffs, der nach dem Mörder eines mexikanischen Rancharbeiters fahndet, einen gesellschaftskritischen Subtext. Von Rassismus, der rücksichtslosen Opferung eines Mexikaners, wenn es um wirtschaftliche Prosperität geht, und der Gewaltbereitschaft des amerikanischen Bürgers erzählt «Des Teufels Lohn», denn der Sheriff steht – wie Gary Cooper in «High Noon» - in seinem Kampf für Recht und Ordnung bald allein da, da den Bürgern die Finanzspritzen und lukrativen Aufträge des verbrecherischen Ranchers wichtiger sind als die Durchsetzung des Gesetzes. Explizit wird der Rancher dabei sogar mit Mussolini verglichen.

Ein klassischer Western ist dagegen «Auf der Spur des Todes» («Red Sundown», 1956). Alle Motive und Figuren vom Revolverheld, der sich zum Hilfssheriff wandelt, über den mächtigen Rancher, der kleine Farmer vertreibt, bis zum Gegensatz nette Hure und bürgerliche Sheriffstochter sowie aufrechter kontra bezahlter Revolverheld sind da, allerdings wird nichts richtig entwickelt, sondern bleibt holzschnittartig. Schöne Details wie eine Rettung aus einem brennenden Haus mittels eines Grabs, das durch ein Ofenrohr belüftet wird, fehlen nicht, doch insgesamt wirkt der solide inszenierte Film wie ein Vorläufer der wenig später aufkommenden Western-TV-Serien.

Anderes Kaliber ist da schon «Auf der Kugel stand kein Name» («No Bullet on the Name», 1958). Konsequent entwickelt Jack Arnold hier in 75 Minuten knapp und prägnant die eng geführte Handlung. Am Beginn kommt ein in existentialistisches Schwarz gekleideter Killer in die Stadt, am Ende wird er sie verlassen. Allein die Präsenz dieses von Audie Murphy gespielten John Gant verbreitet Angst und macht die Bürger nervös, da keiner weiß, auf wen er es abgesehen hat. Eindringlich evoziert Arnold ein Klima der sich ausbreitenden Paranoia, das zu Selbstmord ebenso wie zu Mord führt. Die Angst reicht aus um Recht und Gesetzt außer Kraft zu setzen und sogar der an Dürrenmatts «Der Besuch der alten Dame» erinnernde Vorschlag einen Mann für das Wohl der Gemeinde zu opfern wird gemacht. Der von Murphy emotionslos gespielte Todesengel, der selbst müde und todessehnsüchtig wirkt, muss da gar nicht eingreifen. Bindeglied zwischen anderen Gunmen im US-Western der 50er Jahre wie in «Shane» (George Stevens, 1953) oder «The Gunfighter» (Henry King, 1950) und den namenlosen Killern, die Leone und Eastwood in den 60er Jahren mit „Per un pugno di dollari« (1964) und »Ein Fremder ohne Namen« (High Plains Drifter, 1973) schufen, ist dieser John Gant, der am Arm verletzt mit dem Satz »Alles hat einmal ein Ende« das Kaff verlässt und seinem sicheren Tod entgegen reitet.

Als Extras bietet die Collection neben Originaltrailer und Bildergalerien drei jeweils rund 15 minütigen Episoden von »Jack Arnold erzählt«, in denen der Regisseur sehr interessant über den Wandel im Studiosystem, seine Karriere und den Dreh von »The Revenge of the Creature« (1955), aber nicht über die hier veröffentlichten Western spricht. Auch die Ausführungen von Roland Johannes zu den einzelnen Filmen im Klappentext beschränken sich weitgehend auf das Referieren der Filminhalte. Bezüglich Sprachversionen - alle drei Filme sowie die Episoden von »Jack Arnold erzählt" verfügen über eine deutsche und englische Fassung - wäre zumindest eine zusätzliche deutsche Untertitelung wünschenswert.

  • Jack Arnold Western Collection
  • 'Des Teufels Lohn' ('Man in the Shadow', 1957)
  • 'Auf der Kugel stand kein Name' ('No Name on the Bullet', 1958)

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