Mitternachtsröte

20.01.2009

10.09.2008 bis 25.01.2009  MAK

Anlässlich des 70. Geburtstages von Günter Brus gibt das MAK mit der Ausstellung «Günter Brus. Mitternachtsröte» anhand von mehr als 300 Einzelarbeiten aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren einen Einblick in das zeichnerische OEuvre eines der bedeutendsten österreichischen Künstler der Gegenwart.


Radikalität, Dramatik, Exzessivität und Kompromisslosigkeit prägen seit jeher das Werk des Künstlers, sowohl seine Aktionen als auch seine grafischen Arbeiten. Als Synthese von Dichtung und Malerei markieren die Bild-Dichtungen eine eigenständige Phase in Brus' Schaffen. Der Bezug von zwei unterschiedlichen Medien – Text und Bild, verschmolzen zu einem selbstständigen Medium, der Bild-Dichtung – findet sich im Werk so bekannter Künstler wie Paul McCarthy und Raymond Pettibon wieder, die sich an Günter Brus' Arbeiten orientierten.

Der Spannungsbogen zwischen Figur und Sprache ist das Herzstück in Günter Brus’ Zeichenkunst. Sätze, Erzählungen, Dichtungen verleihen den teils naturalistisch teils expressionistisch geprägten Grafiken einen eindeutigen Sinn. Wie Verletzungen, Wunden, (Alp-)Traumbilder wirken die exzentrischen Text-Bild-Kompositionen; sie fordern emotionale Stellungnahme und fesseln auf obsessive, intensive, voyeuristische Weise.

Günter Brus zitiert in den gezeigten Arbeiten gleichzeitig die Kunstgeschichte, voll romantischer Poesie, provokativer Selbstdarstellung oder in Form des inneren Monologs, er verstört den Betrachter und regt ihn zur Reflexion über das historische Vademekum mit (den Hauptdarstellern) Caspar David Friedrich, William Blake, Carl Spitzweg, Egon Schiele, Alfred Kubin, Oskar Kokoschka an. Seine Bild-Dichtungen sind als malerische Lesestücke zu verstehen, als kongeniale Verquickung von bildender Kunst und Literatur oder «Verschwisterung von Sicht- und Denkweisen», wie es Brus formuliert. Er ist ironisch, führt die Zeichenfeder wie seinerzeit die Rasierklinge in seinen Selbstverstümmelungsaktionen und sprengt formalästhetische Gesetze durch eine atemberaubende Farbpalette. Günter Brus' Vielfältigkeit in seinem künstlerischen Schaffen als Aktionist, Buchillustrator, Bilddichter, Bild-Sprach-Künstler, Zeichner und Maler macht ihn zu einem der wichtigsten Protagonisten der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Günter Brus, geboren in Ardning, Steiermark, absolvierte die Kunstgewerbeschule in Graz und ging 1956 nach Wien, um Malerei zu studieren. Beeindruckt vom deutschen Expressionismus der Jahrhundertwende und vom abstrakten Expressionismus, begann er im Herbst 1960 radikal gestisch, das Bildformat sprengend zu malen. Gemeinsam mit Weggefährten wie Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler begründete Brus Mitte der 1960er Jahre den Wiener Aktionismus (1964–1970), der 1968 in der Aktion «Kunst und Revolution» auf der Wiener Universität seinen provokanten Höhepunkt erreichte. Als «Fäkalkünstler und Staatsfeind» verurteilt, floh Brus nach zwei Monaten Untersuchungshaft ins Exil nach Berlin. Ab 1970 entwickelte er eine weitere Kunstform, Literatur und bildende Kunst kombinierend, die sein aktionistisches Werk, das stets von Zeichnungen und Malereien begleitet war, ablöste. Es entstanden jene Bild-Dichtungen, beginnend mit der Mappe Irrwisch, die einen neuen Abschnitt im Schaffen des Künstlers einleiteten. Für sein Lebenswerk erhielt Günter Brus 1996 den Großen Österreichischen Staatspreis.


Zur Ausstellung erscheint der Katalog «Günter Brus. Mitternachtsröte», herausgegeben von Peter Noever, mit Beiträgen von Achille Bonito Oliva, Lóránd Hegyi, Olivier Kaeppelin, 323 Seiten, französisch/englisch/deutsch, MAK Wien 2008, EUR 29,–.

Günter Brus. Mitternachtsröte
10. September 08 bis 25. Jänner 09

MAK
Stubenring 5
A-1010 Wien
T: 0043 (0)1 711 36-0
F: 0043 (0)1 713 10-26
E: office@mak.at
W: http://www.mak.at


Öffnungszeiten

Dienstag 10 – 22 Uhr
Mi bis So 10 – 18 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Totentrompeten (nach Böcklin), 1979. Farbstift auf Papier, 42 x 29.7 cm. © Peter Kasperak/MAK
  • Abbruch der Beziehungen zum Ich, 1980. Bleistift und Farbstift auf Papier, 35.5 x 26.9 cm. Privatsammlung
  • Mitternachtsröte, 1981. Farbstift auf Papier, 31.5 x 24 cm. Sammlung Thomas Aichberger; © Peter Kasperak/MAK
  • Von der Liebe des Inhalts zur Gestalt, Anfang 1980iger. Farbstift auf Papier, 39.6 x 30 cm. © Peter Kasperak/MAK
  • Porträt Günter Brus. Fotografie; © Lui Dimanche/MAK
MAK
Stubenring 5
A-1010 Wien
T: 0043 (0)1 711 36-0
F: 0043 (0)1 713 10-26
E: office@mak.at
W: http://www.mak.at


Öffnungszeiten

Dienstag 10 – 22 Uhr
Mi bis So 10 – 18 Uhr
Montag geschlossen

 


artCore

Verein zur Förderung von
Online-Kulturberichterstattung
und Kunstpräsentationen im Internet

Kontakt

Schendlinger Straße 2, A-6900 Bregenz
T +43 (0)5574 85362
info@kultur-online.net

Kultur-Online Schweiz
T +41 (0)79 437 79 33
kapi@kultur-online.net

©artCore 2001-2016. Alle Rechte vorbehalten. Nutzung ausschließlich für den privaten Eigenbedarf. Eine Weiterverwendung und Reproduktion über den persönlichen Gebrauch hinaus ist nicht gestattet.