Sit on my chair, lay on my bed

21.09.2008

29.04.2008 bis 28.09.2008  MAK

Franz West. Bildhauer, Plastiker, Objektkünstler, Maler, Installationskünstler – der in den letzten Jahren meistgezeigte Protagonist der österreichischen Kunstszene gilt als einer der vielseitigsten, innovativsten und risikofreudigsten zeitgenössischen Künstler. Nach seiner Personale im MAK 2001 zeigt Franz West nun im Rahmen der Reihe «Künstler im Fokus» mit dem Schwerpunkt auf Möbelskulpturen und Installationen frühe Objekte sowie aktuelle Arbeiten, die speziell für die Ausstellung konzipiert wurden.


Seit drei Jahrzehnten übt sein Œuvre einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der zeitgenössischen Kunst aus. Wests intendierte Auseinandersetzung mit der spezifischen Welt der Dinge führt zu einer spannungsreichen Interaktion zwischen Betrachter und Objekt. Franz West wurde 1947 in Wien geboren, studierte an der Akademie der bildenden Künste bei Bruno Gironcoli und war in frühen Jahren stark vom Wiener Aktionismus und dessen Umfeld beeinflusst. Ohne diesen inhaltlich zu rezipieren, übernimmt West den körperbezogenen Ausdruck und lässt diesen in sein skulpturales Werk einfließen.

Schon früh wendet sich West von der Malerei ab, da er – so der Künstler – in einer zweidimensionalen Welt nicht vorhanden sein kann. Selbst ein Teil seiner Kunst zu sein, in einem dreidimensionalen Raum durch seine Anwesenheit eine vierte Dimension zu schaffen – so entstanden Mitte der 1970er Jahre die «Passstücke»; Skulpturen mit Gebrauchswert, mit denen eine physische Relation hergestellt werden soll. Durch verschiedenartiges Handhaben – Heben, Tragen oder Halten – treten die Passstücke mit dem Benutzer in Aktion. Das Fehlen jeglichen Exhibitionismus in seinen Darstellungen distanziert ihn jedoch klar von Aktionisten wie Günther Brus, Otto Mühl oder Herrmann Nitsch.

Das Etikett «Angewandte Kunst» bezeichnet laut West «für Alltagszwecke verwendbare Objekte»; der Gebrauchs-Wert seiner Passtücke wird in der Konzeption der Mobilien durch den Nutz-Wert ersetzt. In diesem Sinn ist der Titel der Ausstellung «Sit on My Chair. Lay on My Bed» als Handlungsanweisung zu verstehen. Dass die Grenzen fließend sind, zeigt die sich in der MAK-Sammlung Gegenwartskunst befindliche Sitzskulptur «Eo Ipso» (1987). Bestehend aus zwei Sitzen, die West aus der ehemaligen Waschmaschine seiner Mutter fertigte, miteinander verbunden durch einen Hörkanal, lädt die hellgrün lackierte Skulptur den Besucher zum Innewohnen ein.

Mitte der 1980er Jahre arbeitet Franz West seine plastischen Konzepte weiter aus und intensiviert den räumlichen Bezug des Skulpturalen in Installationen aus Sitz- und Liegemöbeln, die später, um eine erweiterte und wiederum neue Erfahrungssituation herzustellen, auch an öffentlichen Plätzen installiert werden. Den Betrachter macht West bei den Passstücken, Videos, Möbeln und Environments wiederum zum Teilhaber. Stehen Wests erste Möbel hinsichtlich der Form und des Materials noch in enger Verbindung zu den Passstücken aus Gips, Polyester und gefundenen Materialien, lässt West seine Möbel in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre aus Metall ausführen. Es entstehen formfunktional reduzierte Sessel und Liegen; integriert werden Gegenstände aus dem Alltagsleben wie Zeitungen oder Teppichteile. Heute kann es auch eine Luftmatratze sein.

Die Ausstellung «Künstler im Fokus #4 Franz West» zeigt unter anderem Arbeiten, die sich aus Phasen produktionsbezogener Zusammenarbeit mit Mathis Esterhazy oder Heimo Zobernig ergeben haben. So ist die Installation «Ealan’s Desire» (1991/2001) als rezeptionelles Double der Installation «Pis Aller» zu sehen. Einzelne Objekte aus wesentlichen Ausstellungen wie das Ensemble im Wiener Kunsthistorischen Museum (1989) oder die in Horn und Prag gezeigte Präsentation «Franz West/Heimo Zobernig» (1990) werden nun als Teil der aktuellen Gesamtinszenierung gezeigt. Sie alle machen die parallele Entwicklung und die Gleich-Wertigkeit des klassischen und angewandten Kunstobjekts in Wests Makrokosmos sichtbar.

«Franz West. Sit on My Chair, Lay on My Bed. Angewandte Kunst» ist die mittlerweile vierte Präsentation im Rahmen der Reihe «Künstler im Fokus», mit der das MAK ein richtungweisendes Konzept zur Neupositionierung der MAK-Schausammlung Gegenwartskunst verfolgt. Für «Künstler im Fokus #4 Franz West» jeweils circa sechs Monate wird der Saal der Schausammlung einem in der Sammlung vertretenen Künstler gewidmet. Das Hauptaugenmerk liegt auf wenig bekannten Werkgruppen, wobei die in der MAK-Sammlung vertretenen Positionen mit Leihgaben ergänzt werden.


Sit on My Chair, Lay on My Bed
29. April bis 28. September 2008

MAK
Stubenring 5
A-1010 Wien
T: 0043 (0)1 711 36-0
F: 0043 (0)1 713 10-26
E: office@mak.at
W: http://www.mak.at


Öffnungszeiten

Dienstag 10 – 22 Uhr
Mi bis So 10 – 18 Uhr
Montag geschlossen

 


  • 'Eo Ipso', 1987. MAK Sammlung Gegenwartskunst; © Wolfgang Woessner / MAK
  • Liege, 1989 (mit Mathis Esterhazy). Stahl, Stahlblech. Privatsammlung Wien; © MAK/Georg Mayer
  • Stuhl (Prototyp), 1987. Stahl, Teppich. Privatsammlung Wien; © MAK/Georg Mayer
  • Ausstellungsansicht: 'Sit on My Chair, Lay on My Bed.' MAK-Schausammlung Gegenwartskunst; © Wolfgang Woessner/MAK
  • Ausstellungsansicht: 'Sit on My Chair, Lay on My Bed.' MAK-Schausammlung Gegenwartskunst; © Wolfgang Woessner/MAK
MAK
Stubenring 5
A-1010 Wien
T: 0043 (0)1 711 36-0
F: 0043 (0)1 713 10-26
E: office@mak.at
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