König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika

25.10.2018

25.10.2018 bis 27.01.2019  Schirn Kunsthalle

Wie kein anderer Maler seiner Zeit hat Wilhelm Kuhnert (1865–1926) die Vorstellung von Afrika in Europa wie auch in den USA geprägt. Als einer der ersten europäischen Künstler bereiste er Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mehrmals die zu dieser Zeit noch weitgehend unerforschte damalige Kolonie Deutsch-Ostafrika. Die auf diesen Reisen entstandenen Zeichnungen und Ölskizzen der dortigen Tier- und Pflanzenwelt dienten ihm als Vorlagen für monumentale Gemälde, die er nach der Rückkehr in seinem Atelier in Berlin anfertigte. Kuhnert stellte international mit großem Erfolg aus und wurde so zum führenden Interpreten der afrikanischen Tierwelt.


Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert vom 25. Oktober 2018 bis 27. Januar 2019 mit rund 120 Werken die erste große Retrospektive zum Leben und Werk des Künstlers. Die Ausstellung vereint neben Studien und Gemälden aus europäischen und amerikanischen Museen, Privatsammlungen und dem Nachlass Kuhnerts auch zahlreiche Druck- und Werbegrafiken sowie Publikationen des Künstlers.

Die Ausstellung beleuchtet Kuhnerts Werk sowohl vor dem Hintergrund der Kunst- und Naturwissenschaftsgeschichte als auch der deutschen Kolonialgeschichte. Der an der Königlich Akademischen Hochschule für Bildende Künste in Berlin ausgebildete Tier- und Landschaftsmaler interessierte sich bereits früh für afrikanische Wildtiere, deren Aussehen und Verhalten er zunächst nur im Berliner Zoo aus nächster Nähe studieren konnte. Zoologische Gärten waren bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Sie spiegelten Erkenntnisgewinn und wissenschaftlichen Fortschritt, Weltneugier und imperialistische Bestrebungen des bürgerlichen Zeitalters. Zeitgleich wuchs der Markt für Tiergemälde und -skulpturen, da die junge, aufstrebende Künstlergeneration des späten 19. Jahrhunderts mit diesem Thema ein Tätigkeitsfeld betreten konnte.

Neben formalistischen Aspekten und dem Reiz des Neuen aber trafen diese Kunstwerke auch einen Nerv der Zeit: Besonders Darstellungen von Löwen, Tigern oder Elefanten galten als Sinnbilder für Stärke, Herrschaft und Überlegenheit und vermittelten das Lebensgefühl einer Gesellschaft, die nach ihrem machtpolitischen «Platz an der Sonne» strebte. Die Vorstellung vom Tier wurde zum Vexierbild des Menschen: Einerseits war das Tier Vorbild natürlicher – und damit ebenso göttlicher wie gesellschaftlicher und politischer – Ordnung, andererseits Wunschbild unbewusster, wilder Freiheit, ein Gegenbild zur bürgerlichen Existenz. Die afrikanischen Wildtiere boten einen freien Assoziationsrahmen für Naturromantik und Exotik.

In Wilhelm Kuhnerts Werk klingen Aspekte der Moderne an: das Malen in der freien Natur, die experimentelle Bleistiftzeichnung, der Exotismus, der Wille zur Erkundung ferner Länder und die Reise als Erweiterung des Blick- und Erfahrungsraums, oft verbunden mit Eskapismus und Zivilisationskritik. Beim Malen folgte Kuhnert einem fast wissenschaftlichen Vorgehen und erfasste das Charakteristische der Tiere auf möglichst exakte Weise. Obwohl er kein Biologe oder Zoologe war, zeugen seine detaillierten künstlerischen und schriftlichen Studien von einem Interesse an der afrikanischen Tierwelt, das weit über malerische Fragen hinausging. Seine Tierdarstellungen wurden in zoologischen Büchern wie Brehms Tierleben und in Publikationen des Frankfurter Zoodirektors Wilhelm Haacke ebenso verbreitet wie auf Schulwandbildern. Selbst auf Schokoladenverpackungen der Firma Stollwerck fanden sich Abbildungen seiner Werke. Obwohl Wilhelm Kuhnert bis heute zu den meistgesammelten Malern gehört, ist sein Œuvre einer großen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.


Katalog: König der Tiere. Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika, King of the Animals. Wilhelm Kuhnert and the Image of Africa, herausgegeben von Philipp Demandt und Ilka Voermann. Mit einem Vorwort von Philipp Demandt und Beiträgen von Felicitas Becker, Kathleen Chapman, Philipp Demandt, Alexander Gall, Bernhard Gissibl, Miriam Oesterreich und Ilka Voermann; Hirmer Verlag, deutsche und englische Ausgabe, je 264 Seiten, 24 x 29 cm (Hochformat), 170 Abb., Hardcover, EUR 35,00 (Schirn), EUR 39,90 (Buchhandel), ISBN: 90978-3-7774-3128-4 (dt.), 978-3-7774-3129-1 (eng.).

König der Tiere
Wilhelm Kuhnert und das Bild von Afrika
25. Oktober 2018 bis 27. Januar 2019

Schirn Kunsthalle
Römerberg
D-60311 Frankfurt
T: 0049 (0)69 299882-0
F: 0049 (0)69 299882-240
E: welcome@schirn.de
W: http://www.schirn.de


Öffnungszeiten

Di/Fr bis So 10 – 19 Uhr
Mi und Do 10 – 22 Uhr

 


  • Wilhelm Kuhnert: Landschaft am Ruvu, 1905. Öl auf Leinwand, 38.5 x 64.3 cm; Privatsammlung, Foto: Jens Weyers
  • Wilhelm Kuhnert: Verdächtiges Geräusch, ohne Datum. Öl auf Leinwand, 37 x 53 cm; Privatsammlung, Foto: Jens Weyers
  • Wilhelm Kuhnert: Der Jäger mit der Strecke, 1915. Öl auf Leinwand, 122.7 x 199 cm; Privatsammlung, Foto: Marc Richter
  • Wilhelm Kuhnert: Größenwahn, ohne Datum. Aquarellierte Zeichnung, 15.2 x 22 cm; Privatsammlung, Foto: Jens Weyers
  • Wilhelm Kuhnert beim Malen, 9. September 1911. © Nachlass Wilhelm Kuhnert
  • Wilhelm Kuhnert in seinem Atelier, o. J.; © Nachlass Wilhelm Kuhnert
Schirn Kunsthalle
Römerberg
D-60311 Frankfurt
T: 0049 (0)69 299882-0
F: 0049 (0)69 299882-240
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Mi und Do 10 – 22 Uhr

 


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