Liccle Bit

... ist der Kleine aus Crongton und das Folgende eine leidenschaftliche Empfehlung für einen großen Autor! Alex Wheatle schreibt verführerisch witzig und schmissig über Gangsta und Getto.


1.+3. Die Story + der Sound: «Plötzlich pumpte mein Herz. Ich starrte zu Boden. Inzwischen strömte mir der Nil über die Schläfen, flutete meine Wangen und überschwemmte meine Lippen. Irgendeine krallenfüßige kleine Kreatur prügelte mit einem stählernen Hammer auf mein Gehirn ein. Ich konnte das Geheimnis nicht länger für mich behalten.»

2. Die HeldInnen: Lemar Jackson alias Bit, 14 Jahre und der Zweitkleinste seines Jahrgangs («Zwerg», «Gnom», «Stöpsel»), hat heftige Probleme, mit der Liebe und dem Tod, zwei Pole, die in der Gangkriminalität Crongtons extreme Ausmaße annehmen. Sein Geheimnis soll hier nicht verraten werden, sehr wohl aber, dass sein Bericht über die laufenden Ereignisse Suchtpotenzial hat. Das Gewaltige von Liebe und Tod klingt hier naturgemäß sehr bubenhaft (man kann sich Bit als knapp vor oder im Stimmbruch vorstellen). Aber an beide Umstände hat Autor Alex Wheatle gedacht: Der Verlag kündigt bereits Sequels an, Die Ritter von Crongton und Straight outta Crongton, in dem dann eine gewisse Maureen alias AKA Mo Baker das Sagen hat.

4.+5. Coole Bilder + Wörter: Alex Wheatle schlägt hier krasse Themen in passender Tonlage an. Bits Erzählung in kurzen Kapiteln ist ein slangiger Soundtrack mit schnellen Dialogen und viel Gefühl. Allein wie Bits Herz ausgemalt wird: «Mein Herz trommelte ein Solo ... Mein Herz wummerte wie ein irrer Grimetrack ... Mein Herz veranstaltete olympisches Bodenturnen in meiner Brust ... Mein Herz fing an zu schlagen wie eine außer Kontrolle geratene Abrissbirne ... Mein Herz berappelte sich auf dem Grund meines Magens und poppte wie ein aufblasbarer Strandball im Swimmingpool wieder an die Oberfläche. Mein Herz verpasste meinem Brustkasten rechte Haken ... Mein Herz schlug Aufwärtshaken gegen meine Rippen ... Mein Herz bebte wie eine von King Kong geschlagene Riesentrommel.» Kein Wunder, dass Bit «Weltmeere an Schweiß produziert». «Scheiße» kommt hier natürlich groß und klein vor, «kleiner Wichser», «verfickter Arsch», «Schlampe» lassen sich auch nicht vermeiden und selbstverständlich wird «abgelästert» und «aufgesext».

6. Zum Nachdenken: «‘Das ist gut, Bro.’ Elaine (Lemars Schwester) grinste. ‘Hast ein paar gute Brüder, an denen musst du festhalten.’»

7. Der Autor: Alex Wheatle, Jahrgang 1963, wuchs größtenteils in einem Kinderheim auf, ohne Familie, die in den Crongton-Romanen eine derart eminente Rolle spielt. Seinem Lebensweg ist es auch zu verdanken, dass die Härte der Guns of Brixton spürbar wird. Schreiben hat er weder auf der Uni noch im Seminar gelernt, sondern hinter Gittern. Er ist ein Autor mit «großem Herzen», weshalb er auch den Guardian Children’s Fiction Prize zugesprochen erhielt.

8. Das Buch: Alex Wheatle: Liccle Bit. Der Kleine aus Crongton. Aus dem Englischen von Conny Lösch. Roman. München: Verlag Antje Kunstmann 2018, 256 Seiten, EUR 18,50

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