El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez

28.10.2016

01.07.2016 bis 30.10.2016  Kulturforum

Die Kunst des «Siglo de Oro» – dem Goldenen Zeitalter Spaniens – gilt als bedeutender Beitrag zur europäischen Kulturgeschichte. Gerade in den vergangenen Jahrzehnten ist das internationale Interesse an der spanischen Kunst des 17. Jahrhunderts kontinuierlich gestiegen. Alleine in den letzten Jahren rückten zahlreiche Ausstellungen sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten einzelne Aspekte oder Künstler dieser Epoche in den Mittelpunkt.


Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, die eine der bedeutendsten Sammlungen spanischer Gemälde in Deutschland besitzt, bietet in diesem Sommer die einmalige Gelegenheit, diese herausragende Kunstepoche und ihre enge Verbindung zu den sozialen und ökonomischen Veränderungen ihrer Zeit anhand von Originalen der Malerei, Bildhauerei und Zeichnung in einer umfassenden Schau kennenzulernen. Dank 64 internationaler Leihgeber, darunter das Museo del Prado in Madrid, das Metropolitan Museum of Art in New York, der Louvre in Paris sowie das Museo Nacional de Escultura in Valladolid, kann die faszinierende Vielfalt der spanischen Kunst des 17. Jahrhunderts vom 1. Juli bis 30. Oktober 2016 erstmalig auch außerhalb Spaniens erlebt werden – mit über 130 Meisterwerken von Velázquez, El Greco, Zurbarán und Murillo sowie von in Deutschland bislang kaum bekannten Künstlern wie Alonso Cano oder Gregorio Fernández.

«El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez» zeichnet am Beispiel der wichtigsten Kunstzentren Spaniens – Toledo, Valencia, Sevilla und Madrid – den historischen Wandel des Landes nach, dessen Kunstproduktion untrennbar mit den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen des 17. Jahrhunderts verbunden war. Ausgerechnet in jenem Jahrhundert, in dem das zuvor mächtigste Land Europas zusehends seine politische Hegemonie einbüßte, erreichte die spanische Kunst ihren Höhepunkt: Es entwickelte sich eine eigenständige Bildsprache und Ikonographie, die aufs engste mit der zeitgenössischen Realität und den sie bestimmenden Mächten – der Kirche und dem Adel mit dem König an seiner Spitze – zusammenhing. Beide nutzten die Kunst als propagandistisches Instru-ment zur Vortäuschung vermeintlicher Stärke und Stabilität.

Der erste Teil der Ausstellung stellt die wichtigsten spanischen Kunstzentren des 17. Jahrhunderts vor. So sorgte in Madrid die dauerhafte Etablierung des Hofes für ein kontinuierliches Wachstum der Bevölkerung und eine blühende Wirtschaft. Dies wiederum ging mit einer stetig steigenden Anziehungskraft für Künstler einher, wie die Werke von Vicente Carducho (1576-1638) und Eugenio Cajés (1574-1634) in der Ausstellung verdeutlichen. Die Kunst der Region Valencia war hingegen von der Dominanz kirchlicher Auftraggeber geprägt. Die geographische Distanz zu Madrid ermöglichte die Herausbildung einer selbstständigen Darstellungsweise, die durch naturalistische Unmittelbarkeit gekennzeichnet war. Dieser As-pekt ist besonders in den Gemälden von Francisco Ribalta (1565-1628) und Jusepe de Ribera (1591-1652) zu beobachten.

Toledo wiederum nimmt aufgrund der Tätigkeit der höchst individuellen Künstlerpersönlichkeit El Greco eine Sonderstellung ein. Der aus Kreta stammende Maler (1541-1614) wird in der Ausstellung mit Hauptwerken wie «Der Heilige Martin mit dem Bettler» aus der National Gallery of Art in Washington vertreten sein. Der künstlerische Mittelpunkt Andalusiens war das reiche und kosmopolitische Sevilla, wo die katholische Kirche als wichtigster Auftraggeber fungierte; darüber hinaus war Sevilla das Produktions- und Exportzentrum religiöser Bilder für Amerika. Die Ausstellung wird mit Francisco Pacheco (1564-1644) und Juan de Roelas (1570-1625) zwei Künstler dieser Phase ins Zentrum rücken, die für die großen Meister der nachfolgenden Generationen richtungsweisend waren.

Mit Werken von Velázquez, Zurbarán und Ribera verdeutlicht der zweite Ausstellungsteil den eklatanten Gegensatz zwischen den Exzessen der politischen wie religiösen Machteliten und der sozialen und ökonomischen Realität nach dem Zusammenbruch des amerikanischen Marktes und dem Einbruch der Pest. Philipp IV. und sein Günstling, der Conde-Duque de Olivares, verwandeln die Kunst zum wichtigsten Werkzeug ihrer politischen Propaganda. Allein die enorme Anzahl der von ihnen geförderten künstlerischen Initiativen etabliert Madrid endgültig als Kunstzentrum Spaniens. Der 1599 in Sevilla geborene und 1622 nach Madrid berufene Diego Rodríguez de Silva y Velázquez entwickelt sich in dieser Zeit zum herausragenden Repräsentanten des Hofes. War die vorhergehende Epoche noch von einer großen regionalen Diversität gekennzeichnet, fördern die Interessen der Kirche nun eine Konzentration auf Madrid und Sevilla – letztere übte als bedeutendste Stadt Andalusiens weiterhin große Anziehungskraft auf Künstler aus. Besonderes Augenmerk legt der Ausstellungsteil auf die in Madrid und Sevilla tätigen Francisco de Zurbarán

Der dritte Ausstellungsteil verdeutlicht die Fokussierung der künstlerischen Aktivität auf Madrid als Folge des demographischen wie ökonomischen Wandel Spaniens. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts zählte die Stadt zu den größten Metropolen Europas, während andere Zentren des Landes einen andauernden Niedergang erfuhren, was sich auch auf die Unterstützung anspruchsvoller künstlerischer Projekte negativ auswirkte. Immer deutlicher werden Tendenzen der höfischen Kunst, den Zerfall des Imperiums und die Instrumentalisierung der Künste durch die gegenreformatorische Kirche zu verschleiern: Große Meister wie Velázquez oder Bartolomé Esteban Murillo (1618-1682) zeigen sich zutiefst beeindruckt von der sie umgebenden Realität und kultivieren eine neuartige Genremalerei. Gezeigt werden u.a. Velázquez‘ meisterhafte Darstellung des Kriegsgottes Mars und Murillos «Pastetenesser.»

Ein zentraler Aspekt der Ausstellung kommt der vergleichenden Betrach-tung der Malerei und der bislang nur selten beachteten Bildhauerkunst des Siglo de Oro zu. Zu den Exponaten der Ausstellung zählt mit der aus den Beständen der Skulpturensammlung und des Museums für Byzantinische Kunst stammenden «Mater Dolorosa» von Pedro Roldán (1624-1699) die bedeutendste spanische Skulptur des 17. Jahrhunderts die sich in einer deutschen Sammlung befindet. Eine der spektakulärsten Leihgaben der Ausstellung – Gregorio Fernández‘ monumentale polychromierte Holz-Skulpturengruppe der «Passion Christi» (nach 1610) – wird noch heute in der Prozession am Karfreitag durch die Straßen der spanischen Stadt Valladolid geführt – in der Gemäldegalerie wird sie erstmals überhaupt in Deutschland zu sehen sein. Neben der umfassenden Vielfalt an Meisterwerken aus Malerei und Bildhauerei kann erstmals auch das zeichnerische Werk von großen Meistern wie Ribera, Cano und Murillo aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin von einer breiten Öffentlichkeit entdeckt werden.


El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez
1. Juli bis 30. Oktober 2016

Kulturforum
Matthäikirchplatz 6
D-10785 Berlin-Tiergarten
W: http://www.smb.museum


Öffnungszeiten

Di bis Fr 10 - 18 Uhr
Sa & So 11 - 18 Uhr

 


  • Bartolomé Esteban Murillo: Die Pastetenesser, um 1670/75. © Bayerische Staatsgemäldesammlungen München - Alte Pinakothek
  • Diego Velázquez: Die drei Musikanten, um 1616-20. © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders
  • El Greco: Immaculata Oballe, 1613. © Parroquia de San Nicolas de Bari, Toledo; Foto: David Blázquez
  • Bartolomé Esteban Murillo: Junger Mann mit einem Fruchtkorb, ca. 1640-1650. © Scottish National Gallery; Purchased by Private Treaty with the aid of the Art Fund in 1999
  • El Greco: Der Heilige Martin und der Bettler, 1597 / 1599. © Courtesy National Gallery of Art, Washington
  • Jusepe de Ribera: Madonna mit dem heiligen Bruno, 1624. © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie; Foto: Jörg P. Anders
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W: http://www.smb.museum


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