Rivalen im Sattel - Bronco Buster

26.03.2015 Walter Gasperi

Bevor Budd Boetticher mit seinen meisterhaften Western mit Randolph Scott, dem «Ranown»-Zyklus, berühmt wurde, drehte er diesen Neo-Western im Rodeo-Milieu. Bei Koch Media ist die einfache Geschichte um einen erfahrenen Rodeoreiter und ein junges aufstrebendes Talent, die beide um die Liebe einer Frau kämpfen, in der Reihe «Western-Legenden» auf DVD erschienen.


Eine Sonderform des Western ist der in der Gegenwart spielende Rodeo-Film. Beispiele dafür sind Nicholas Rays «The Lusty Men» (1952), Sam Peckinpahs «Junior Bonner» (1971) oder eben Budd Boettichers «Rivalen im Sattel». Geblieben ist vom alten Western die Konstellation Mann und Rinder, doch nicht mehr auf einer Ranch müht man sich damit ab, sondern als Show für ein Publikum in der Arena.

So ein Rodeo-Champion ist Tom Moody (John Lund), der nach längerer Abwesenheit und immer noch etwas angeschlagen nicht nur in die Arena, sondern auch zu seiner langjährigen Freundin Judy (Joyce Holden) zurückkehrt. Beim ersten Wettkampf trifft er auf den jungen Bart Eaton (Scott Brady), der zwar sehr talentiert, aber auch arrogant ist.

Dennoch bietet ihm Tom seine Freundschaft und Hilfe an. Die Arroganz Barts, sein Heischen nach Beifall, sein selbstgefälliges Posieren vor den Fotografen, seine affektierte Kleidung, vor allem aber sein Werben um Judy verärgert zunehmend Tom und aus den Freunden werden Gegner. Auch bei den anderen Rodeoreitern macht sich Bart mit seinem Auftreten unbeliebt, sodass die Geschichte unweigerlich auf eine finale Konfrontation hinausläuft.

Die Handlung ist einfach, aber stringent aufgebaut und ökonomisch erzählt. So ansatzlos wie der Film beginnt, endet er nach knapp 80 Minuten. Im Zentrum steht die Dreiecksbeziehung, vor allem freilich das sich zuspitzende Verhältnis von Tom und Bart. Prägnant arbeitet Boetticher die gegensätzlichen Charaktere heraus, stellt dem stets hilfsbereiten und bescheidenen Tom den sich immer groß in den Mittelpunkt stellenden Bart gegenüber.

Entgegen kam bei diesem Film Boetticher gewiss sein Interesse an und seine Erfahrung mit einem ähnlichen «Sport»: dem Stierkampf. Denn er hatte sich nicht nur in den 1930er Jahren in Mexiko zum Matador ausbilden lassen, sondern war schon 1941 technischer Berater bei Rouben Mamoulians Stierkampfilm «Blood and Sand – König der Toreros» und hatte 1951 mit «The Bullfighter and the Lady» schon selbst einen Film in diesem Milieu gedreht.

So gelingt es Boetticher in den stark gefilmten Rodeo-Szenen einen fast dokumentarischen Eindruck von diesen Shows und ihren unterschiedlichen Wettbewerben, zu denen neben Mustang- und Bullenreiten auch Auftritte von Clowns und patriotische Paraden gehören, aber auch von der Härte dieses Berufs zu vermitteln.

Nur am Anfang gibt es zwar Fahrtszenen, in denen die Rodeoreiter als stets Reisende vorgestellt werden, die im Trailerpark leben und von einem Wettkampfort zum nächsten reisen, doch wird auch in der Folge durch die Abfolge von Veranstaltungen in Phoenix, Oregon, Calgary und Cheyenne/Wyoming der Eindruck der Unbehaustheit vermittelt. Keine Familien gibt es hier, sondern die Rodeogemeinschaft ist hier das Zuhause.

An Sprachversionen bietet diese kleine im 4:3-Format gedrehte Perle, die bei Koch-Media in der Reihe «Western-Legenden» auf DVD erschienen ist, die englische Original- und die deutsche Synchronfassung. Die Extras beschränken sich auf eine Bildergalerie sowie ein achtseitiges Booklet.

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