Ukiyoe aus den Sammlungen Johann Georg Geyger und Otto Riese

19.01.2015

08.11.2014 bis 25.01.2015  Museum Angewandte Kunst

Erhabene Landschaften entlang der großen Handelsstraßen Japans, eine junge Kurtisane mit lasziver Ausstrahlung oder ein Schauspieler des Kabuki-Theaters in dramatischer Pose: Die Holzschnitte des ukiyoe zeigen ein faszinierendes Bild des Lebens im Japan des 17. bis 19. Jahrhunderts. Mit den seltenen, weil frühen ukiyoe-Drucken der Sammlung Johann Georg Geyger und den für das Museum gesicherten Meisterwerken der Sammlung Otto Riese besitzt das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main heute eine der hochwertigsten Sammlungen dieser großen japanischen Kunst in Europa.


Bis 25. Januar 2015 präsentiert das Museum die wertvollen Drucke in der Ausstellung «Das pralle Leben II. Ukiyoe aus den Sammlungen Johann Georg Geyger und Otto Riese». Die insgesamt mehr als 240 Werke liefern von den Anfängen Mitte des 17. Jahrhunderts bis in die Zeit um 1850 ein faszinierendes Bild des Lebens in einem zu jener Zeit nahezu vollständig abgeschotteten Land.

Die bei Reisen und Vergnügungsfahrten erlebten spektakulären Landschaften, die Helden des Kabuki-Theaters oder auch erotische Abenteuer – all dies wird zum Gegenstand jener meisterhaften Drucke, die zur Zeit ihrer Entstehung zuweilen nicht mehr kosteten als eine Nudelsuppe und sich in breiten Schichten des bürgerlich geprägten Japan der Edo-Zeit (1603-1868) großer Beliebtheit erfreuten. Die aktuelle Präsentation spannt einen Reigen entlang der jahreszeitlichen Rhythmen und verbindet so den Herbst, den Winter und das Frühjahr mit den besonderen Ritualen und Gepflogenheiten der Menschen.

Die Ausstellung «Das pralle Leben II» zeigt insgesamt rund 90 Holzschnitte. Sie setzt den Erfolg der ersten Ausstellung fort, die das Museum Angewandte Kunst von April bis Oktober 2013 zeigte und ergänzt den Einblick in den wertvollen Museumsbestand an ukiyoe-Drucken. Darüber hinaus bietet der Ausstellungskatalog Helden der Bühne und Schönheiten der Nacht. Meisterwerke des japanischen Holzschnitts aus den Sammlungen Otto Riese und Johann Georg Geyger einen vertiefenden Eindruck. Weiteres Forschungsmaterial haben wir auf der Website www.ukipedia.de für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Holzschnitte des ukiyoe (wörtlich «Bilder der fließenden Welt») wurden im Auftrag umtriebiger Verleger von Zeichnern entworfen und arbeitsteilig von unterschiedlichen Spezialisten, in Serie produziert, oft mit vielen einzelnen Druckstöcken für jede der unterschiedlichen Farben. Die Höhe der Auflage reichte von wenigen Dutzend bis zu rund zwanzigtausend Exemplaren und hing vollkommen von der Nachfrage am Markt ab. Bei großen Auflagen wurden die abgenutzten Druckstöcke nach Bedarf ausgebessert oder erneuert.

Das ukiyoe gehört zu den einflussreichsten Beiträgen Japans zur Weltkunst. Bereits bald nach der Öffnung des Landes in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelangten die ersten Holzschnitte nach Europa. Künstler wie Claude Monet, Édouard Manet, Vincent van Gogh und viele andere ließen sich von ihnen anregen. Und schon bald entstanden beeindruckende Sammlungen – in Europa übrigens früher als in Japan selbst, wo man diese Kunst lange Zeit als minderwertig betrachtete.

Der Maler und Städelprofessor Johann Georg Geyger (1921-2004) konzentrierte sich in seiner Sammlertätigkeit ganz auf die Frühphase des ukiyoe. Seine Sammlung umfasst rund 60 exquisite Blätter und zählt für dieses Spezialgebiet zu den bedeutendsten weltweit. Wie auch Geyger begeisterte sich der gebürtige Frankfurter Otto Riese (1894-1977) von Jugend an für das ukiyoe. Der promovierte Jurist und Spezialist für internationales Recht wählte die Blätter seiner breit angelegten Sammlung nur nach allerhöchsten künstlerischen Qualitätsmerkmalen aus und schuf so eine Kollektion, wie es sie in dieser Form auf dem Kunstmarkt heute wohl nirgends mehr gibt.

Die Sammlung Riese umfasst 180 Blätter, die auf höchstem Niveau alle wichtigen Genres des ukiyoe vorstellen: die klassischen Meister des Kurtisanen- und Schauspielerporträts, Utamaro und Sharaku, ebenso wie Hokusais und Hiroshiges Landschaften und Genrebildern. Aber auch die Anfangsphase dieser Kunst, die fast ausschließlich die Welt des Theaters und der nächtlichen Vergnügungen zum Thema hatte, ist mit qualitätvollen Werken vertreten. Damit ergänzen sich die beiden Sammlungen auf ideale Weise und bieten gemeinsam einen repräsentativen Überblick über bedeutsame Kapitel dieser großen Kunst Japans.


Das pralle Leben II
Ukiyoe aus den Sammlungen Johann Georg Geyger und Otto Riese
8. November 2014 bis 25. Januar 2015

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
D-60594 Frankfurt am Main
T: 0049 (0)69 212 31286 / 38857
W: www.museumangewandtekunst.de


Öffnungszeiten

Di/Do bis So 10 - 18 Uhr
Mittwoch 10 - 20 Uhr
Montag geschlossen

 


  • Andō Hiroshige: Einfallende Wildgänse bei Katada, 1834 bis 1835
  • Utagawa Kuniyoshi: Drei Frauen, Japan, 1847 - 1850
  • Utagawa Kuniyoshi: Mitsukuni kämpft gegen das von Takiyasha-hime heraufbeschworene Skelettgespenst, 1845
  • Sugimura Jihei: Blatt aus einem unidentifizierten shunga-Album (shunga sind sogenannte Frühlingsbilder), Japan, um 1685
  • Sugimura Jihei: Blatt aus einem unidentifizierten shunga-Album (shunga sind sogenannte Frühlingsbilder), Japan, um 1685

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