Universal - Ein Filmstudio wird 100

19.11.2012 Walter Gasperi

Universal ist das älteste der großen Filmstudios Hollywoods. Gegründet 1912 von Carl Laemmle erlebte das Studio Anfang der 1930er Jahren mit Horrorfilmen eine frühe Blüte. Ups und Downs folgten, mehrfach wechselte der Besitzer, gegenwärtig gehört Universal dem Mischkonzern General Electric und dem Kabelnetzbetreiber Comcast.


Im Alter von 17 Jahren emigrierte der Schwabe Carl Laemmle 1884 in die USA. Als Angestellter und Buchhalter arbeitete er sich hoch, ehe er 1906 ins aufkommende Filmgeschäft einstieg. Mit Laemmle Film Service gründete er eine Verleihfirma, 1909 mit Independent Motion Pictures (IMP) eine eigene Produktionsgesellschaft. Um den ständigen Kämpfen gegen die monopolistische Motion Picture Patents Company zu entgehen und aufgrund des besseren Wetters sowie der landschaftlichen Bedingungen übersiedelte er 1912 von New York nach Hollywood.

Dort legte Laemmle seine IMP mit einigen kleineren Firmen zusammen und bildete Universal Pictures. Aus dem Studio, das auf einer 100 Hektar großen Hühnerranch im San Fernando-Tal errichtet wurde, wurde 1915 mit Universal City die erste ganz der Filmproduktion gewidmete Stadt.

Laemmle gilt als Begründer des Starsystems. Als erster Produzent warb er mit dem Namen eines Stars – Florence Lawrence – für einen Film, hatte aber auch einen exzentrischen Regisseur wie Erich von Stroheim unter Vertrag. Schwerpunkt legte das Studio aber auf Western und Abenteuerfilme und punktete mit Stars wie Harry Carey oder Rudolph Valentino. Berühmt ist Universal aber vor allem für seine Horrorfilme.

Wie die anderen Studios hatte auch Laemmle mit der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen, doch landete er, nachdem in diesem Studio schon in der Stummfilmzeit mit «The Phantom of the Opera» (Rupert Julian, 1925) ein Klassiker des Horrorfilms entstanden war, mit «Frankenstein» (James Whale, 1931) und «Dracula» (Tod Browning, 1931) Hits, denen er «The Mummy» (Karl Freund, 1932) und «The Wolf Man» (George Waggner, 1941) folgen ließ. Ausnahmen blieben dagegen ambitioniertere Filme, wie der Antikriegsfilm «All Quiet on the Western Front» (Lewis Milestone, 1930) oder die Screball-Komödie «My Man Godfrey» (Gregory La Cava, 1936).

1936 musste sich Laemmle auf Druck seiner Finanziers aus der Firma zurückziehen und zwei Amerikaner (J. Cheever Cowdin und Nate Blumberg) sowie eine Gruppe von britischen Finanziers übernahmen Universal. Diese britische Kooperation verschaffte Universal ein gutes Vertriebsnetz in England. Nachteilig wirkte sich allerdings aus, dass Universal im Gegensatz zu anderen großen Studios nie enge Verbindungen zu einer großen amerikanischen Kinokette pflegte und sich so auf seine Produkte stützen musste.

In den 40er Jahren feierte man Erfolge mit Musicals, Abbott-und-Costello-Komödien, billigen B-Western und weiterhin mit Horrorfilmen. In den 50er Jahren konnte man aufgrund des Aufkommens des Fernsehens im Kino mit Billigware kaum mehr reüssieren. Schon 1946 kam es zu einer Fusion mit International Pictures und einer Namensänderung in Universal-International.

Nach sechs Jahren kehrte man aber zum alten Namen zurück. Nachdem Decca Records Anfang der 50er Jahre durch Ankauf der Aktienmehrheit Universal übernommen hatte, übernahm 1962 die Music Corporation of America, mit der sich Decca zusammengeschlossen hatte, die Führung der Firma.

In den 1950er und 1960er Jahren wandte man sich ambitionierteren Projekten zu, zu Klassikern zählen inzwischen die Melodramen von Douglas Sirk, die Komödien mit Doris Day und Rock Hudson sowie die letzten Filme Alfred Hitchcocks von «The Birds» (1963) bis «Family Plot» (1976).

Zum kommerziell erfolgreichsten Film des Studios wurde der Katastrophenfilm «Airport» (George Seaton, 1970), ehe das Zeitalter der Blockbuster neue Maßstäbe setzte: «Earthquake» (Mark Robson, 1974) und «Jaws - Der weiße Hai» (Steven Spielberg, 1975) sorgten ebenso für volle Kassen wie «ET – Der Außerirdische» (Steven Spielberg, 1982) und «Jurassic Park» (Steven Spielberg, 1993), während man mit «Waterworld» (Kevin Reynolds, 1995) einen katastrophalen Flop landete.

Schon in den 1960er Jahren wurde ein Vergnügungspark um das Studio herum angelegt, der Einblick in die Welt der Universal-Filme bietet und sich auch zu einer beträchtlichen Einnahmequelle entwickelt hat. Dennoch verschuldete sich das Studio, das 1990 der japanische Elektrokonzern Matsushita zusammen mit MCA übernommen hatte, hoch und wurde 2004 an General Electric verkauft, das wiederum 2010 51% des Unternehmens an den Kabelnetzbetreiber Comcast verkaufte.

Trailer zu «Jaws - Der weiße Hai»

weiterführende Links:

Universal Studios

  • Carl Laemmle (1867-1939)
  • Universal Studios, Los Angeles-Hollywood
  • Boris Karloff in 'Frankenstein' (James Whale, 1931)
  • Rock Hudson und Doris Day in 'Send Me No Flowers' (Norman Jewison, 1964)
  • Jaws - Der weiße Hai (Steven Spielberg, 1975)
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