Marley

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Der Brite Kevin Macdonald zeichnet in einer mitreißenden Mischung aus neuen Interviews und Archivmaterial das Leben des Reggae-Idols Bob Marley nach. – Ein ungemein genau recherchierter und sorgfältig gemachter, faktenreicher, aber immer übersichtlicher und nie überladener Dokumentarfilm.

Lange zog sich die Produktionsgeschichte von «Marley» hin. Martin Scorsese und Jonathan Demme wurden als Regisseure gehandelt, schließlich übernahm Kevin MacDonald den Job, nachdem Marleys Witwe Rita Unterstützung zugesagt und Marleys Sohn Ziggy sowie Chris Blackwell, Gründer des Island-Labels, als Executive Producer dazugekommen waren.

MacDonald lässt seinen Film nicht auf Jamaika, sondern in Afrika, im senegalesischen «House of Slaves», mit dem Blick durch «The door of no return» beginnen. Von hier aus wurden 60 Millionen Afrikaner in die Neue Welt verschickt und der britische Regisseur schlägt so den Bogen von der Sklaverei zum kolonialistischen Jamaika, in dem Bob Marley aufwuchs.

Damit motiviert der Film auch den Widerstandskampf eines Mannes, der von sich sagte: «Ich habe keine Ambitionen. Ich will nur, dass die Menschen, Weiße, Schwarze, Chinesen miteinander leben.» Zum Vorbild ist Marley und seine Musik so für Widerstandsbewegung des Arabischen Frühlings oder der Occupy-Wall-Street-Bewegung geworden.

Chronologisch erzählt Macdonald in der Folge Marleys Leben von der Geburt und Kindheit in einem Dorf in den Bergen über die Jugend im Kingston-Ghetto Trenchtown und seine Erkenntnis, dass er nur über die Musik aus dieser Welt herauskommen könne. Thematisiert wird auch die Position Marleys als Außenseiter, die aus seiner Stellung als Mischlingssohn eines englischen Soldaten, der bald aus seinem Leben verschwand, und einer Jamaikanerin resultierte, bis schließlich die musikalische Karriere, die immer auch mit sozialpolitischer Aktivität verbunden war, in den Mittelpunkt gerückt wird.

Das Privatleben wird eher nur kurz angesprochen, aber gerade hier gewinnt das Bild Marleys Brüche, wenn eine Tochter davon erzählt, dass er kein liebevoller Vater, sondern zumeist abwesend war, oder wenn davon die Rede ist, dass er nur seiner Musik, nicht aber den Frauen gegenüber treu war. Faktisch zum Ausdruck kommt das darin, dass Marley elf Kinder von sieben Frauen hatte.

Macdonalds Film ist alles andere als eine Demontage des Idols, aber der Brite stellt die Kulftigur auch nicht auf einen Sockel, bleibt sachlich und streift auch sein zwiespältiges Verhältnis zu jamaikanischen Politikern.

«Marley» punktet dabei vor allem mit einer immensen Faktenfülle und unglaublichen Recherchearbeit. Dass das kein kleiner, sondern ein großzügiger Dokumentarfilm ist, machen schon die raumgreifenden Flugaufnahmen deutlich, mit denen sich die Kamera am Beginn dem Geburtsort nähert.

Das aktuelle Material beschränkt sich weitgehend auf Interviews, in denen sich Macdonald zurückhält und den Gesprächspartnern den Raum überlässt. Von Marleys erster Lehrerin bis zur Krankenschwester, die ihn in Rottach-Egern während seiner unheilbaren Krebserkrankung betreute, von einem jamaikanischen Politiker bis zu Cindy Breakspeare, Miss World 1976 aus Jamaika, mit der Marley eine Beziehung hatte, von seiner Frau bis zu seinen Kindern spannt sich der Bogen der Interviewten.

So vielfältig der Film auf dieser Ebene ist, so vielfältig ist er auch auf der Bildebene. Unmengen an Archivmaterial hat Macdonald ausfindig gemacht, Konzertmitschnitte, Fotos und Radiointerviews werden verwendet. Die große Kunst des Regisseurs bestand darin diese gewaltige Menge an Material zu ordnen, es zu einem Film zu schneiden, der übersichtlich bleibt und über zweieinhalb Stunden einen Fluss entwickelt, der mitreißt und nicht mehr loslässt.

Entscheidend tragen dazu freilich auch Marleys Songs bei, die sich quer durch den Film ziehen, mal in den Hintergrund treten, wenn es um das Attentat im Dezember 1975 geht, dann wieder im Vordergrund stehen, bis am Ende nach dem Begräbnis der Legende, «Get up, stand up» quer um die Welt in verschiedensten Kontexten gesungen wird und das Weiterleben Marleys durch seine Musik eindrücklich vermittelt wird.

Filmfest Vaduz, Rathausplatz Vaduz: Di 24.7., 21.30 Uhr
FKC Dornbirn im Cinema 2000: Mi 25.7., 21.30 Uhr + Do 26.7., 19.30 Uhr
(jeweils O.m.U.)

Trailer zu «Marley»

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