Kokoschka als Zeichner

29.09.2011

09.07.2011 bis 03.10.2011  

Mit der Ausstellung «Kokoschka als Zeichner. Die Sammlung Willy Hahn» präsentiert das Dresdner Kupferstich-Kabinett eine außergewöhnliche Privatsammlung des zeichnerischen Werks von Oskar Kokoschka. Bislang waren Hauptwerke dieser Sammlung in allen großen internationalen Ausstellungen zu Kokoschka vertreten. Nun wird sie erstmals in ihrer Gesamtheit und damit in ihrer ganzen Vielfalt vorgestellt.


Oskar Kokoschka (1886–1980) hat während seines gesamten künstlerischen Schaffens gezeichnet. Die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der Zeichnung haben ihn stets aufs Neue fasziniert. Die ganze Spannweite zeichnerischer Mittel – Bleistift, Kohle, Kreide, Farbstifte, Pinsel und Rohrfeder in Tusche sowie Aquarell – nutzte er souverän, sei es für eine Skizze, eine Umdruckzeichnung oder ein gänzlich eigenständiges Werk.

Von der Bedeutung dieses Œuvres war Willy Hahn (1896–1988) schon früh überzeugt. Den Musiker reizten vor allem die Spontaneität, die das Medium der Zeichnung ermöglicht, und das darin enthaltene schöpferische Moment. Über Jahrzehnte hinweg trug er passioniert und mit großer Kennerschaft über 90 Zeichnungen und Aquarelle von Oskar Kokoschka zusammen, mit dem er freundschaftlich verbunden war.

Willy Hahn wuchs in Köln auf. Nach dem Ersten Weltkrieg begann er ein Musikstudium, zunächst in Bonn, dann in Berlin. Während der 1920er und frühen 1930er Jahre hatte er Engagements als Kapellmeister in Aachen, Stuttgart und Stettin. Ab 1933 war er als freier Musiker beim Berliner Rundfunk tätig und Mitglied des «Berliner Trio an 3 Flügeln», das mit Kriegsbeginn aufgelöst wurde. Während des Zweiten Weltkriegs war er Mitglied einer Kammermusikgruppe zur Truppenbetreuung. Seit etwa 1942 hatte er seinen Wohnsitz in Bad Aussee, ab 1947 in Grassau/Oberbayern. Von 1952 bis 1971 lebte er in Stuttgart, dann bis zu seinem Tod in Tutzing/Oberbayern.

Bereits auf der Kölner Sonderbundausstellung 1912 hatte Willy Hahn ein Gemälde Kokoschkas kennengelernt – wohl das auslösende Erlebnis für sein lebenslanges Interesse an moderner Kunst, das zu einer beeindruckenden Sammlung expressionistischer Werke führen sollte. Die Möglichkeit zum Sammeln hatte er als angehender junger Musiker zunächst kaum, doch er besuchte regelmäßig Ausstellungen und Galerien und stand bereits während seines Berliner Musikstudiums im persönlichen Kontakt mit zeitgenössischen Künstlern, darunter Emil Nolde. Später lernte er auch Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Max Beckmann kennen. Oskar Kokoschka begegnete Willy Hahn erst nach dem Krieg; dann aber entwickelte sich zwischen ihnen eine enge Freundschaft. Kokoschka beriet ihn und schenkte ihm eine Reihe wichtiger Arbeiten – diese persönliche Beziehung hat die Sammlung stark geprägt.

Die Sammlung Willy Hahn besticht durch ihre hohe Qualität, die im Rahmen einer monografischen Auswahl eine Seltenheit darstellt. Folglich kann die Ausstellung die Entwicklung des zeichnerischen Werks von Oskar Kokoschka anhand herausragender Beispiele präsentieren. Der Bogen spannt sich von den frühen Figurenstudien aus Wien über die Selbstbildnisse und die einen Schwerpunkt markierenden Porträts der Dresdner Zeit bis hin zu den Landschaften und Naturstudien des Spätwerks.

Mit dem Dresdner Kupferstich-Kabinett ist Oskar Kokoschka in besonderer Weise verbunden. Im Jahr 1919 trat er eine Professur an der hiesigen Kunstakademie an, wo er bis 1923 wirkte. Im Kupferstich-Kabinett bemühte man sich schon bald, Werke des Künstlers zu erwerben. Kokoschka bedachte das Museum im Gegenzug mit einigen Schenkungen, die allerdings im Rahmen der Aktion «Entartete Kunst» beschlagnahmt wurden. Heute ist das Kupferstich-Kabinett im Besitz von elf Zeichnungen, 94 grafischen Blättern und vier Mappenwerken.

Eine erste Ausstellung mit Werken Kokoschkas fand im März 1961 zum 75. Geburtstag des Künstlers statt; zum 100. Geburtstag im Jahr 1986 wurde eine umfangreiche Ausstellung mit allen im Besitz von Museen in der DDR befindlichen Arbeiten des Künstlers gezeigt. 1996 waren die eigenen Bestände Teil der großen Ausstellung «Kokoschka und Dresden» in Dresden und Wien. Die Sammlung Willy Hahn bietet nun die Gelegenheit, mit den Zeichnungen einen ganz zentralen Aspekt im Schaffen des Künstlers zu präsentieren, der in Dresden in dieser Fülle noch nicht zu sehen war.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der nicht nur die Sammlung vorstellt, sondern darüber hinaus erstmals Forschungsergebnisse zur Entstehungsgeschichte der kompletten Sammlung Willy Hahn, zur Provenienz der Zeichnungen und zur Bedeutung der Zeichnung im Werk Oskar Kokoschkas präsentiert. Er wird im Hatje Cantz Verlag mit einem Umfang von 224 Seiten und rund 90 farbigen Abbildungen publiziert. Die Museumsausgabe kostet EUR 29, die Buchhandelsausgabe EUR 39,80.


Kokoschka als Zeichner
Die Sammlung Willy Hahn
9. Juli bis 3. Oktober 2011

Residenzschloss
Taschenberg 2
D-01067 Dresden

Öffnungszeiten:
täglich 10 bis 18 Uhr
dienstags geschlossen

weiterführende Links:

http://www.skd.museum

  • Oscar Kokoschka: Sitzendes Mädchen (Gitta Wallenstein?), 1921. © DACS, Foto: Markus Hawlik
  • Oscar Kokoschka: Selbstbildnis 'im 34. Jahr', 1920. © DACS, Foto: Markus Hawlik
  • Oscar Kokoschka: Zwei Mädchen bei der Kostümprobe, 1908. © DACS, Foto: Markus Hawlik

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