Heilkräfte der Kunst

25.09.2007

26.05.2007 bis 30.09.2007  Museum Moderner Kunst - Wörlen

Im Dezember 1968 lernte der Aachener Medizinprofessor Axel Hinrich Murken den Künstler Joseph Beuys kennen. Beuys' Ideen über Naturmythos und sein Interesse an der Geschichte der Medizin, an Figuren wie Hippokrates, Paracelsus, Samuel Hahnemann oder Franz Anton Mesmer führten dazu, dass sich die beiden in der Folge näher anfreundeten, um den gemeinsamen Wurzeln und Interessen in der Heilkunst nachzuspüren.


Viele von Beuys Zeichnungen, Plastiken, Aktionen und Vorträgen enthalten Motive und Anspielungen aus der Welt der Heilkunde und der Medizin. So zeigt die Sammlung Murken neben politischen Plakaten und Skizzen auch Utensilien aus dem medizinischen Bereich wie Pflaster, Kamillentee-Päckchen, einen «Medizinkoffer», Hygienebeutel oder ein gynäkologisches Buch über die «Rückenschmerzen der Frau» - alles von Beuys signiert und somit zum Kunstwerk stilisiert.

Zeit seines Lebens hat sich Beuys auch intensiv mit den Phänomenen des Schamanismus auseinandergesetzt, für ihn eine Naturphilosophie, die eine ursprüngliche Welt beschwört, in der alle Wesen in Harmonie zusammenleben. Die ganzheitliche Medizin begann damals auch Schulmediziner zu interessieren: «Da war Beuys seiner Zeit weit voraus, weil er im Schamanismus einen ganzheitlichen Ansatz sah - einen Animismus, der den ganzen Menschen, Leib, Geist und Seele miteinander verband und das war für mich damals faszinierend», sagt Axel Hinrich Murken rückblickend über den Freund.

Die Beuys’sche Ausdehnung des künstlerischen Schaffens auf alle gesellschaftsrelevanten Lebensbereiche wie Politik, Ökonomie, Geistes- und Naturwissenschaft, Religion und Philosophie sowie auf alle Bereiche des Lebensalltags sprengten viele bisher da gewesenen Dimensionen der Kunstproduktion sowie des Kunstverständnisses. Für Beuys hatte Kunst nicht zuletzt auch eine reinigende Funktion im humanistischen Sinne: Sie fungierte als eine Art Medizin, die zur Selbstheilung anregen und deren Ideen und Ideale dazu im Stande waren, Veränderungen hervorzurufen.

Beuys war, wie Schellmann in «Fragen an Joseph Beuys» notierte, an der geistig-rituellen Wirkung sowie an der Distribution von Ideen interessiert, also an der Arbeit «sprachlicher Aufklärung» (Beuys), zu der neben seinem skulpturalen und zeichnerischen Werk wesentlich auch seine Aktionen zählten. In Beuys künstlerischer Arbeit ging es um die Schaffung von Ideen, die auf Veränderungen menschlicher Gesellschaften und damit letztlich auf Lebenserhaltung abzielen und von Beuys, aufgrund all der alchimistischen und mythischen Zeichen auch als «dynamische Medizin» bezeichnet wurden.

Anhand dieser in Passau präsentierten Ausstellung mit Exponaten aus der Sammlung Murken kann nicht nur nachvollzogen werden, welch erweiterten Begriff von Heilkunde und Alchemie Beuys vertrat, sondern welch mystisch-rituellen Fähigkeiten und damit auch welch heilsame Kraftpotentiale im Werk von Joseph Beuys stecken.


Joseph Beuys. Heilkräfte der Kunst
26. Mai bis 30. September 2007

Museum Moderner Kunst - Wörlen
Bräugasse 17 / Donaukai
D-94032 Passau
T: 0049 (0)851 383879-0
F: 0049 (0)851 383879-79
E: info@mmk-passau.de
W: http://www.mmk-passau.de


Öffnungszeiten

Di bis So 10 - 18 Uhr

 


  • Joseph Beuys mit seinem Werk Cuprum 0,3% uguentum metallicum praeparatum, 1978; Foto: Axel Hinrich Murken; © VG Bildkunst, Bonn 2007
  • I like America and America likes me, 1974; Lichtpause, 80,6 x 57,1 cm; © VG Bildkunst, Bonn 2007
  • Ich kenne kein Weekend, 1972; Buch von Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft und Maggiflasche, 15,5 x 6,1 und 15,5 cm; © VG Bildkunst, Bonn 2007
  • Joseph Beuys, um 1978; Ohne Titel (Sanitätstasche, Zweiter Weltkrieg), Foto: Wenzel Beuys; © VG Bildkunst, Bonn 2007

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