The Most Dangerous Game - Genie des Bösen
| 30.09.10 Walter Gasperi | DVD-Tipp | |
![]() Als Nebenprodukt zu «King Kong» drehten Ernest B. Schoedsack und Irving Pichel unter Merian C. Cooper als Produzent 1932 in den gleichen Kulissen und mit den teilweise gleichen Schauspielern «The Most Dangerous Game». Im Gegensatz zum Hauptfilm konnte dieser kleine Abenteuer- und Horrorfilm ungleich tiefer in menschliche Abgründe blicken. Das Hamburger Medienhaus (HMH) hat den Klassiker auf DVD herausgebracht. Ein Türklopfer mit einem furchteinflößenden Männerkopf, dessen Brust von einem Pfeil durchbohrt wird und der dennoch – in Umdeutung der Pietá - auf seinen Armen eine Frau trägt, gibt schon während des Vorspanns das Thema vor: Um die Jagd wird es im Folgenden gehen und um die Frau als Beute für den erfolgreichen Jäger. Knapp ist die Exposition: Auf einem Schiff wird über den falschen Kurs und in die Irre führende Positionslichter diskutiert. An Bord befindet sich auch der erfolgreiche junge Jäger Rainford (Joel McCrea). Kurz wird über die menschliche Ambivalenz diskutiert, töte man doch als Jäger im Gegensatz zum Tier nicht, um sich selbst zu retten oder zur Nahrungsbeschaffung, sondern allein zum Zeitvertreib. Es gebe eben zwei Arten von Menschen, nämlich Jäger und Gejagte, erklärt Rainford und meint, dass er selber selbstverständlich immer zu den Jägern gehören werde. Bald wird er freilich eines Besseren belehrt. Ein Kartenleger sieht ungünstige Vorzeichen und schon läuft das Schiff auf Grund. Rasch geht es unter, zwei Überlebende werden von Haien gefressen, nur Rainford kann sich an Land retten. Bald kommt er zu einem Schloss, in dem der während der Oktoberrevolution geflohene russische Graf Zaroff mit wenigen Dienern lebt. Zwei amerikanische Gäste sind auch dort, nimmt Zaroff doch alle Schiffbrüchigen auf. Als passionierter Jäger sieht der Graf in Rainsford einen Geistesverwandten, doch Eve (Fay Wray) warnt diesen vor dem Gastgeber. Überdrüssig der Jagd auf Leoparden, Löwen und ähnliche Tiere hat Zaroff, um sich überhaupt noch einen Kick zu verschaffen, nicht nur Pfeil und Bogen als neue Waffe, sondern auch den Menschen als neues Zielobjekt entdeckt. Als Rainford da nicht mitspielt, soll er sein nächstes Opfer werden und als Belohnung für die erfolgreiche Menschenjagd will er sich danach Eve nehmen und die Liebe mit ihr genießen… Aufgrund von diversen Kürzungen gerade mal 60 Minuten lang ist dieser Klassiker, wunderbar knapp und konzentriert inszeniert, ohne Geplänkel am Beginn, ohne langes Ende und sich im Zentrum ganz auf die Konfrontation von Zaroff und seinen Gästen beschränkend. Der im Studio entworfene Regenwald sorgt ebenso für eine faszinierende und irritierende Kulisse, wie das mittelalterliche Schloss, dessen Wände mit auf die Jagd – und auch auf «King Kong» – verweisende Gemälde geschmückt sind. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich der Diskurs über die Jagd als menschliches Grundverhalten und die Konfrontation von Rainford und Zaroff. Beide sind sie Jäger, beide fühlen sich als Herrenmenschen, doch bei Rainford ist der Trieb durch Zivilisation gebändigt, dominiert die Menschlichkeit über die Jagdlust, während Zaroff keine moralischen Bedenken kennt, den Trieb voll auslebt. Gerade in diesem bösen Blick in menschliche Abgründe, in der Düsterkeit dieses Menschenbildes fasziniert «The Most Dangerous Game» auch 80 Jahre nach seiner Entstehung. Gleichzeitig stehen sich hier aber auch der gute Amerikaner und der böse Russe gegenüber und damit auch zwei unterschiedliche Positionen gegenüber der Frau. Für den Triebmenschen Zaroff ist Eve ein Beutestück für den Sieger, Rainford dagegen als «edler Ritter» versucht sie zu retten. Wo in «King Kong» der Affe steht, sind es hier die Männer. Wie dort «die weiße Frau» Spielzeug des Riesenaffen ist, so wird sie auch in der von starken Männern dominierten Welt von «The Most Dangerous Game» nie zum selbstständigen Subjekt. Ob es viel bringt den Film neben der originalen schwarzweißen Fassung auch in einer farbigen anzubieten, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Bedauerlich ist allerdings, dass es keine untertitelte Version gibt, die Farbfassung über eine englische und eine deutsche Sprachversion verfügt, die schwarzweiße Fassung dagegen nur über eine deutsche Tonspur. Spärlich sind auch die Extras mit einer Bildergalerie sowie kurzen Interviews mit dem Trickspezialisten Ray Harryhausen zur Rolle der Filmmusik, John Morgan zum Filmkomponisten Max Steiner und James D´Arc zum Produzenten Merian C. Cooper. | |

